Heute vor einem Jahr wurden in Othmarsingen Strassen zu Flüssen. Am Nachmittag des 8. Juni 2016 fielen innert zwei Stunden 90 Millimeter Regen pro Quadratmeter. Das sind 90 Liter Wasser – eine enorme Wassermenge, die der Boden nicht aufnehmen konnte. Das Wasser suchte sich seine eigene Wege und überschwemmte grosse Teile Othmarsingens. Es gab viele Schäden. «Das Unwetter vom vergangenen Juni hat klar gezeigt: Wir müssen etwas tun», sagt heute Vizeammann Hans Rätzer.

Der Gemeinderat hat bereits gehandelt. Seit dem Unwetter arbeitet er mit erhöhtem Tempo an der sogenannten Modernen Melioration. Das 2012 von Gemeinde und Kanton angestossene Projekt soll Othmarsingen fit machen für die Zukunft. Im Zentrum steht die Landwirtschaft: Das in kleine und unförmige Parzellen zersplitterte Kulturland soll mit wenigen Ausnahmen neu gegliedert und zu grösseren Einheiten zusammengefasst werden. Die Vorteile für die Bauern: Die Wege werden kürzer, die Felder grösser. Das Potenzial ist gross: Heute ist nur jede sechste Parzelle grösser als eine Hektare, die Mindestgrösse für eine effiziente Bewirtschaftung.

Davon profitieren sollen in erster Linie die sechs lokalen Landwirte sowie zwei Bauern aus Hendschiken, die in Othmarsingen Land bewirtschaften. «Unsere Bauern sollen so bauern können, dass auch was rausschaut», sagt der zuständige Gemeinderat Eric Wiesmann.

Bäche werden geöffnet

Die Melioration sieht weitere Massnahmen vor: Das Wegnetz in der Othmarsinger Landwirtschaftszone, das zum Teil noch aus der Zeit vom Ochsenkarren stammt, wird überprüft und wo nötig neu angelegt. Die Gemeinde übernimmt private Wege und stellt so den Unterhalt sicher. Zudem werden die sanierungsbedürftigen Drainagen überprüft und erneuert.

All diese Massnahmen dienen auch einem höheren Ziel: Dem Hochwasserschutz. Anders ausgerichtete Wege verhindern, dass Wasser wie beim Hochwasser 2016 direkt ins Dorf abfliesst. Nach den Überschwemmungen haben Gemeinderat und Kanton die geplanten Massnahmen am Wegnetz nochmals analysiert und angepasst. Damit Wasser abfliessen kann, ohne Schäden zu verursachen, sollen auch Bäche geöffnet werden. Der Gislibergbach etwa auf ganzer Länge vom Weiher bis zur Bünz.

Diese Massnahmen verbessern auch die Ökologie, ein weiteres Ziel der Modernen Melioration. Unter anderem sollen die Laichgebiete von Amphibien vernetzt und bei der Dottikerstrasse ein Durchlass für Kleintiere gebaut werden. «Die Melioration ist eine Win-win-win-Situation für Landwirtschaft, Gemeinde und Ökologie», fasst Vizeammann Rätzer diese Pläne zusammen.

Ein Jahrhundertprojekt

Diese Pläne sind jedoch erst Entwürfe und liegen seit vergangenem Dienstag öffentlich auf. Bis 5. Juli läuft das Mitwirkungsverfahren für Vorschläge und Wünsche von Betroffenen und Interessierten. Gleichzeitig liegt der Perimeterplan öffentlich auf und es können Einwendungen innerhalb dieser Frist eingereicht werden.

Die Kosten für die Moderne Melioration sind mit rund 3,8 Millionen Franken (+/– 20 Prozent) veranschlagt. Bund und Kanton zahlen mit rund 1,3 Millionen Franken je einen Drittel. Der Anteil der Gemeinde beträgt voraussichtlich 886 500 Franken, jener der Grundeigentümer rund 174 00 Franken. Das entspricht durchschnittlich 1700 Franken pro Hektare. Umgesetzt wird die Moderne Melioration – laut Eric Wiesmann für Othmarsingen ein «Jahrhundertprojekt» – über einen Zeitraum von rund zehn Jahren.

Öffentliche Infoveranstaltung: Donnerstag, 8. Juni, 19.30 Uhr, Mehrzweckhalle. Zudem beantworten Vertreter von Gemeinderat, Kanton und Planungsbüro am 20. Juni um 19 Uhr und am 3. Juli um 20 Uhr im 2. Stock des Gemeindehauses Fragen zur Melioration.