Die Stadt Lenzburg sucht eine neue Verwaltungsleitung. Der heutige Stelleninhaber wird im Februar vorzeitig pensioniert. Im Inserat in verschiedenen Printmedien und auf diversen Online-Kanälen sucht man nach einer Fachperson mit höherem betriebswirtschaftlichem Abschluss, mehrjähriger Managementpraxis und Führungsqualitäten. Möglich ist ein 80- bis 100-Prozent-Pensum.

Die Ausschreibung hat den früheren Stadtrat Hans Konrad Gloor aufgebracht. Er stellt die Notwendigkeit des Spitzenjobs in der Stadtverwaltung gar in Frage und fordert, dessen Neubesetzung nochmals zu überdenken. «Die unhaltbare Situation, die zur Schaffung des Postens geführt hat, besteht nicht mehr», begründet er. Die damals chronische Überlastung der Stadtschreiberei sei allgemein bekannt gewesen. «Nicht wenige waren der Meinung, die Ursache sei eine unzweckmässige Arbeitsteilung.» Die Abteilungsleiter mit Hochschulabschluss würden jetzt durch leistungsfähige, erfahrene Mitarbeitende unterstützt. «Sind ihre Potenziale ausgenützt?

Würden sie sich nicht mit mehr Freude einsetzen, wenn sie bei ihrer Arbeit mehr persönliche Freiheiten hätten, um zu zeigen, was sie können? Braucht es eine höhere Instanz, die alles überwacht?», fragt Gloor und folgert: «Die Verwaltung der Stadt ist grosszügig besetzt, um nicht zu sagen aufgebläht.»

«Reihe wurde immer länger»

Hans Konrad Gloor sass von 1975 bis 1985 für die Freisinnigen im Stadtrat. Er war dort für das Schulwesen und die Regionalplanung sowie als Stellvertreter des Fürsorgewesens zuständig. Offenbar wurde die Liste der Aufgaben immer länger. Im Protokoll zu Gloors Verabschiedung im Einwohnerrat im Dezember 1985 steht nämlich wörtlich: «In der Amtsperiode 1982/85 wurde die Reihe der ihm anvertrauten Obliegenheiten immer länger. Ob das wohl mit ein Grund für das Ausscheiden von Herrn Gloor aus dem Stadtrat war?»

Nichtsdestotrotz: Sind Hans Konrads Gloor Vorbehalte begründete? Ist im heute rund 9600 Einwohner zählenden und ständig wachsenden Lenzburg eine Verwaltungsleitung überflüssig? «Nein», sagt Stadtammann Daniel Mosimann. «Die Funktion ist auch in Zukunft notwendig.» Mosimanns Begründung: «Die Verwaltungsleitung ist unter anderem zuständig für 120 Mitarbeitende. Die Stadt hat keinen separaten Personalchef.» Auch habe man mit dieser Funktion ein Controlling in der Stadtverwaltung eingeführt. «Was die Betriebsrechnung anbelangt, werden sehr gute Ergebnisse erzielt.»

Teilzeit-Angebot für Frauen?

Heute sind die beiden Stabsfunktionen Leitung Stadtverwaltung und Stadtschreiberei auf gleicher Stufe angesiedelt und rapportieren direkt dem Stadtammann.
Aktuell beträgt das Pensum der Verwaltungsleitung 100 Prozent. Lenzburg öffnet die Möglichkeit für eine 80-Prozent-Besetzung. Deutet dieses Teilzeitangebot darauf hin, dass man die Stelle gerne mit einer Frau besetzen würde? Man wolle sich alle Türen offen halten, sagt Mosimann. «Bei einem attraktiven Arbeitgeber muss es heute möglich sein, Teilzeit zu schaffen.»