Zukunftsraum

Ist die Fusion «sinnvoll» auch ohne Suhr?

Aarau soll mit den Nachbargemeinden fusionieren - und als Kantonshauptstadt mehr Bedeutung gewinnen. Doch dem Projekt "Zukunftsraum" erwächst immer mehr Widerstand. (Archivbild)

Aarau soll mit den Nachbargemeinden fusionieren - und als Kantonshauptstadt mehr Bedeutung gewinnen. Doch dem Projekt "Zukunftsraum" erwächst immer mehr Widerstand. (Archivbild)

Der Aarauer Stadtrat hält weiter am Zukunftsraum fest. Der finanzielle Spielraum werde «auch für Aarau» erhöht.

Was bedeutet der Wegfall von Suhr für das Projekt Zukunfts­raum? Können die versprochen­en finanziellen Vorteile auch ohne den zweitgrössten Fusions­partner erzielt werden? Als die Projektleitung im Dezember 2019 die detaillierte Fusionsanalyse vorstellte, wurden Einsparungen von 8,2 Millionen Franken geschätzt, externe Fachexperten der St. Galler JC Kleiner GmbH gingen sogar von 10,2 Millionen Franken aus. Dies dank erhöhter Effizienz in der Verwaltung, unter anderem würden für die fusionierte Stadt 23 Vollzeitstellen weniger benötigt. Und vor allem könnten Mieten eingespart werden.

Im damaligen Bericht hiess es aber bereits: Das grösste Einsparpotenzial – etwa im Mietaufwand – «resultiert, wenn alle fünf Gemeinden fusionieren.» Suhr ist nun definitiv weg vom Fenster, in Densbüren läuft die Referendumsfrist gegen den negativen Fusionsentscheid am 26. Oktober ab. Angenommen, es kommt zu einem Zukunftsraum-light, bei dem nur Aarau und beide Entfelden fusionieren, reduzieren sich zwar die Synergieeffekte, aber auch der Aufwand: Ohne Suhr falle laut Projektleiter Marco Salvini eine Gemeinde mit erhöhter Nettoverschuldung weg, das Startvermögen der neuen fusionierten Stadt werde somit höher. Und es gäbe auch weniger Steuerausfälle, wenn der Steuerfuss von Aarau als Startwert verwendet wird. Mit 97 Prozent ist dieser heute der mit Abstand tiefste der Fusionsgemeinden: In Unterentfelden beträgt er 113, in Oberentfelden 110 Prozent.

Aufwand und Einsparungen reduzieren sich laut Projektleitung also in ähnlichem Mass. Der Fusionsgewinn falle zwar tiefer aus, bliebe im Verhältnis aber in etwa gleich. Der tiefste Steuerfuss, derjenige von Aarau, sei nach wie vor realistisch.

Ein Zukunftsraum-light gäbe es auch erst 2026

In einer Mitteilung schrieb der Stadtrat gestern: «Die heutige Struktur der Stadt Aarau kann nach wie vor sinnvoll weiterentwickelt werden», etwa mit dem Departementsmodell und den Stadtteilvertretungen. «Insbesondere bleibt der finanzielle Spielraum, auch für die heutige Stadt Aarau, erhöht und es können Synergien erzielt werden.» Der Stadtrat sähe auch im reduzierten Fusionsperimeter «grosses Entwicklungspotenzial für die Region». Aarau–Entfelden würde zu einer Stadt in der Grösse von Chur oder Schaffhausen.

Ursprünglich hiess es, ein Zusammenschluss nur mit Aarau und beiden Entfelden könnte schon 2024 über die Bühne gehen. Wegen dem Wahlkalender will die Projektleitung nun aber beim Fusionsjahr 2026 festhalten. Falls in Oberentfelden die Fusionsgegner beim Referendum am 13. Dezember obsiegen und es – bei einem Ja von Unterentfelden diesen Sonntag – zu einem Zukunftsraum-extra-light kommt mit einer Fusion von nur Aarau und Unterentfelden, wird wiederum alles anders. Laut Marco Salvini wird der Fusionsfahrplan sowieso neu festgesetzt, wenn alle Abstimmungen vorbei sind.

1898 Unterschriften waren es in Aarau ganz genau

Stadtpräsident Hanspeter Hilfiker gab gestern die exakte Anzahl Unterschriften bekannt, die in Aarau das Referendum gegen den Zukunftsraum zustande brachten: 1898 waren es, notwendig gewesen wären 1446. «Die Wahrscheinlichkeit, dass die Abstimmung erst im neuen Jahr stattfinden wird, ist hoch», sagt er. Über das weitere Vorgehen werde Ende Oktober entschieden. «Uns ist wichtig, dass wir es im Bewusstsein der umliegenden Entscheide festlegen können. Der Abstimmungstermin muss eine adäquate politische Diskussion ermöglichen.»

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