Lenzburg

Ist der «Bitcoin» eine Alternative zum Schweizer Franken?

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Auch sechs Jahre nach Einführung der digitalen Währung verstehen viele beim Namen «Bitcoin» nur Bahnhof. Der Jungunternehmer Raphael Voellmy klärte bei einem Besuch im Lenzburger Stapferhaus auf.

Nüchtern betrachtet bietet das im Januar 2009 eingeführte digitale Geld- und Währungssystem Bitcoin eine Alternative zum etablierten, von den Notenbanken gesteuerten Weltfinanzsystem.

Insbesondere vor dem Hintergrund der weltweiten Finanzkrise drängt sich allerdings eine umfassendere gesellschaftspolitische Sicht auf das Phänomen Bitcoin auf. In diesem Fall befasst man sich vor allem mit dem Potential dieser digitalen Alternativwährung.

Raphael Voellmy, der in Zürich den Studiengang Softwaresysteme belegt, erkennt für Bitcoin ein riesiges Potential. Als Teilhaber eines Bitcoin-Startups arbeitet er an der Etablierung der schweizweit ersten Börse, die den umstandslosen Umtausch von Schweizer Franken und Bitcoins ermöglicht. Am Sonntag war Voellmy im Rahmen der Ausstellung «Geld» zu Gast im Lenzburger Stapferhaus und sprach über die komplexe Thematik, die von digitaler, auf Rätsel und Rechenleistungen basierender Wertgenerierung bis zu weltdemokratischen Zukunftsvisionen reichte.

Die Bank braucht es nicht mehr

Im Grunde sei das Bitcoin-System eine Datenbank, auf welcher die Kontostände aller am Bitcoin-Handel beteiligten Akteure gespeichert sind, erklärte Voellmy, der von einer im Stapferhaus errichteten Kanzel zu den rund 30 Besuchern sprach. Es handle sich um eine Datenbank, wie sie jede Geschäftsbank auch besitze. Der Unterschied besteht im sogenannten Peer-to-Peer-Prinzip. Dies bedeutet, die Akteure können
ohne Zwischenschaltung über eine zentrale Instanz, normalerweise eben die Geschäftsbank, miteinander Handel betreiben.

Vorteile bei der Effizienz

Aus diesen infrastrukturellen und technischen Besonderheiten resultieren für Raphael Voellmy nun verschiedene Vorteile. So reicht ein Internetanschluss, um sich am Währungssystem zu beteiligen. «Für uns in der Schweiz ist es eine Kleinigkeit, ein Konto bei irgend einer Bank zu eröffnen. Für viele andere Menschen in weiten Teilen der Welt ist dies keine Selbstverständlichkeit», sagte Voellmy in seinem Referat.

Des Weiteren sei das Bitcoin-System effizienter und transparenter als der Handel über Banken. «Wer zum ersten Mal mit Bitcoins bezahlt, erfährt ein durchschlagendes Aha-Erlebnis, weil der Vorgang so leicht von der Hand geht.»

Im Stapferhaus folgte auf den Vortrag eine Diskussion mit den Besuchern. Dabei zeigte sich, dass sich Raphael Voellmy keine Illusionen macht. «Die Chancen, dass unser bestehendes Finanzsystem vollständig durch Bitcoin ersetzt wird, ist sehr klein.» Allerdings habe die digitale Neuwährung mit ihren Möglichkeiten bereits heute bei den Banken für ein Umdenken gesorgt und viele Innovationen angeregt. Trotz unabsehbarer Zukunft könne das Währungssystem Bitcoin gegenwärtig als Regulativ eine wichtige Rolle spielen.

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