Staufen
In Staufen geht die Angst um vor Mega-Quartier mit 1000 neuen Betten

Die Gemeinde Staufen erschliesst derzeit ein 120 000 Quadratmeter grosses Baugebiet, auf dem 400 bis 600 Wohnungen sowie Gewerberäume entstehen sollen. Der Gemeinderat rechnet mit rund 1000 neuen Einwohnern - eine Entwicklung, die Ängste weckt.

Pascal Meier
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Die blitzblank polierten Schaufeln, die sich im Mai auf der grünen Wiese zwischen Staufberg, Fünflinden und Kiesgrube ins Erdreich gruben, sollte der Gemeinderat als Vermächtnis für kommende Generationen aufbewahren. Denn was mit dem Spatenstich zur Erschliessung des Gebietes Esterli-Flösch ins Rollen kam, wird die Gemeinde stark verändern. 400 bis 600 neuen Wohnungen sowie Gewerberäume sollen auf dem 120 000 Quadratmeter grossen Gebiet aus dem Boden gestampft werden. Der Gemeinderat rechnet mit rund 1000 neuen Einwohnern.

Gemeindeammann Otto Moser im Führerstand: Ende Mai fand der Spatenstich vor dem Staufberg statt.

Gemeindeammann Otto Moser im Führerstand: Ende Mai fand der Spatenstich vor dem Staufberg statt.

Pascal Meier

Obwohl die Bevölkerung damit innert kürzester Zeit um einen Drittel wachsen könnte, scheint das Projekt den Staufnern nicht unter den Nägeln zu brennen. Denn seit den 1970er-Jahren wird immer mal wieder über die Erschliessung diskutiert und mehrfach war diese auch an der Gemeindeversammlung traktandiert. Dass jetzt gebaut wird, überrascht im Dorf kaum jemanden.

Wird Staufen zur Schlafgemeinde?

Dennoch ist die Volksseele nicht frei von Bedenken, und wenn das Gespräch auf das Wachstum des Dorfes kommt, ist eine latente Angst spürbar. «Viele fürchten, dass ein eigenständiges Quartier entsteht und sich die Neuzuzüger nicht integrieren», sagt Verena Sandmeier, die seit bald 50 Jahren in Staufen lebt und für die Dorfzeitung «Usrüefer» schreibt.

Nahrung findet diese Angst in der Struktur der Gemeinde, die kein eigentliches Zentrum hat und wo das neue Mega-Quartier abgeschieden am westlichen Dorfrand entsteht. Weil dieses zudem verkehrstechnisch gut gelegen ist, könnten viele der Neuzuzüger auswärts arbeiten und nur in Staufen schlafen. «Das befürchten viele im Dorf, und ich teile diese Bedenken», sagt Verena Sandmeier.

Gemeindeammann teilt Bedenken

Kritische Stimmen hört auch Edith Lüscher, Vorstandsmitglied der SP-Ortspartei. «Einige fragen sich, ob die Schule dies verkraften kann, andere fürchten eine veränderte Stimmung im Dorf.» Edith Lüscher selbst ist weniger skeptisch: «Neuzuzüger sind etwas gutes und ich glaube, wir können das Wachstum verdauen.» Staufen habe viele Vereine und gute Angebote. «Es ist dennoch wichtig, dass die Infrastruktur in den Bereichen Bildung, Freizeit und öffentlichen Verkehr dem Wachstum angepasst wird.»

Gemeindeammann Otto Moser ist sich bewusst, dass mit dem Bauboom grosse Aufgaben auf Staufen zukommen und weiss auch von den Ängsten in der Bevölkerung. «Auch ich teile einige dieser Bedenken», sagt Moser. «Es ist nun unsere Aufgabe, das neue Gebiet möglichst gut in das dörflich organisierte Staufen zu integrieren.» Der Gemeinderat will dazu wie bisher offensiv auf Neuzuzüger zugehen und spezielle Anlässe für die neuen Einwohner organisieren.

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