Lenzburg
In nur fünf Minuten rollt Maria Tabakblätter zum grossen Genuss

Die kubanische Zigarrenrollerin Maria Caridad Sanchez Illas demonstriert ihr Handwerk und ihre Fingerfertigkeit. Sie streicht das Tabakblatt mit dem Daumen glatt und beginnt, die anderen Tabakblätter, die Einlage und das Umblatt, darin einzuwickeln.

Dominic Kobelt
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Das haselnussbraune Blatt ist fein wie Seide und hat einen leicht süsslichen Tabakduft. Maria Caridad Sanchez Illas streicht es mit dem Daumen glatt und beginnt, die anderen Tabakblätter, die Einlage und das Umblatt, darin einzuwickeln. Diese letzte Schicht der Zigarre nennt sich Deckblatt und hat die höchste Qualität und ist das teuerste der verarbeiteten Tabakblätter. Mit einer Chaveta, einer handgrossen, abgerundeten Metallklinge, schneidet die Kubanerin geschickt ein Stück aus dem restlichen Blatt heraus. Sie bestreicht es mit etwas Kautschuk, damit es klebt, und formt damit den Kopf der Zigarre. Noch ein paar kurze Handgriffe, und das Kunstwerk ist fertig.

Je nach Format benötigt die Zigarrenrollerin fünf bis zehn Minuten für ihre Arbeit. «Eine Zigarrenrollerin fertigt in der Fabrik etwa 100 bis 120 Zigarren am Tag», sagt Conny González, von Villiger Söhne AG. Allerdings würden in den Fabriken die Arbeitsschritte aufgeteilt. Neun Monate daure die Ausbildung, sagt Sanchez Illas.

Eine Tabaksorte ist geheim

Die Torcedora – so heissen die Zigarrenrollerinnen auf Kuba – die am Donnerstag im Art Cigar in Lenzburg zu Gast war, verwendet ganze Tabakblätter. Das Produkt nennt man dann Longfiller – in Shortfillern, umgangssprachlich Stumpen, befindet sich dagegen geschnittener Tabak. Die Zigarre, die ausnahmsweise nicht in der Dominikanischen Republik, sondern in Lenzburg gefertigt wurde, ist eine Villiger 1888. Die sogenannte Einlage besteht aus Tabakblättern aus der Dominikanischen Republik, Nicaragua und einer geheimen dritten Tabaksorte. Das Umblatt, das um die Einlage gewickelt wird, stammt aus Mexiko, das eingangs erwähnte Deckblatt aus Ecuador.

Die Gäste durften sich auch selber in der Zigarren-Herstellung versuchen – allerdings ist es kein ganz einfaches Handwerk. Mit etwas Unterstützung der Expertin ist es aber durchaus machbar. Die fertige Zigarre sollte dann sofort geraucht oder 72Stunden lang aufbewahrt werden, sagt González. Möchte man die Zigarre erst später anzünden, dann sollte sie mindestens noch drei Monate lagern, und zwar bei hoher Luftfeuchtigkeit. Ob die Zigarre dann angebohrt oder angeschnitten wird, sei eine Philosophie für sich, sagt González: «Wenn man die Zigarre anbohrt, dann hat man sicher keine Tabak-Stücke im Mund – der Geschmack ist aber anders, er ist wegen der kleineren Öffnung intensiver.»