Mitten aus dem Partygewühl, aus dem mit Menschen vollgestopften Zug, ja selbst vom mit Pendenzen beladenen Bürotisch aus – täglich werden wir mit zuhauf geschossenen Selfies auf Facebook, Whatsapp & Co. beglückt. Ob wir wollen oder nicht.

Sich in Kleinformat auf die eigene Hochzeitstorte stellen, kommt hingegen bisher eher selten vor. Das liegt jedoch weniger daran, dass die Idee bei heiratswilligen Paaren nicht ankommt. Die derzeit noch bescheidene Nachfrage nach einem Klon aus einem Gips-, Vinyl-, Polymeren- und Keramik-Gemisch auf der Hochzeitstorte hat laut Ulrike Kiese von der PocketSize Me AG im aargauischen Stilli andere Gründe. «Das Verfahren ist einfach noch zu wenig bekannt», stellt sie fest. «Lernen die Brautpaare die herzigen 3-D-Figuren aber erst einmal kennen, fliegen sie darauf», weiss sie aus Erfahrung.

Dann nämlich würden sie erst den wahren Wert, welcher das persönliche Zeitdokument in sich berge, erkennen. «Das ‹Ich in Kleinformat› hält ein ganzes Leben lang», sagt Kiese und meint schmunzelnd: «Es hat gar musealen Charakter.» Wer also will, kann seine originalgetreue Miniatur – natürlich nach dem Tortenschmaus – zeitlebens auf den Nachttisch, das Büchergestell im Wohnzimmer oder im Büro auf den Schreibtisch stellen und dort seine Kollegen mit immerwährender Präsenz beglücken.

Pionier im 3-D-Verfahren

«Es sind Figurengrössen zwischen 10 und 38 Zentimetern möglich», sagt Ulrike Kiese. Diese Optionen empfehlen sich dann, wenn Menschen ihren natürlichen Grössenunterschied auch in der 3-D-Figur beibehalten wollen.
Kiese ist Pionierin auf dem Gebiet. Sie hat die Idee der dreidimensionalen Porträtfiguren in die Schweiz gebracht und die Technik weiterentwickelt.

Übermorgen und am Sonntag können die Besucherinnen und Besucher der Hochzeits-Expo im «Müllerhaus» in Lenzburg das gesamte Prozedere bis der eigene Klon aus der Produktionsmaschine rollt am Stand der PocketSize Me AG erfahren. Mit der Präsentation an der Hochzeits-Expo will sich Kiese aber nicht auf Brautpaare festlegen.

Es gibt auch sonst viele gute Gründe Miniaturen zu erstellen, sei es für einen Geburtstag, ein Jubiläum oder ganz einfach aus Freude und Neugier. Wer allerdings eine Figur bestellt, muss tief in die Tasche greifen. Sie ist ab rund 250 Franken zu haben.

Interesse an Ausstellung steigt

Am Sonntag ist Valentinstag. Hochzeits-Expo-Organisator Roland Frey hofft, dass dieses Datum für Verliebte ein zusätzlicher Anreiz ist für den Ausstellungsbesuch. Obwohl die Räumlichkeiten im Müllerhaus dem Anlass natürliche Wachstumsgrenzen setzten, ziehe er zunehmend weitere Kreise, sagt Frey.

Sowohl bei den Besuchern als auch bei den 22 Anbietern rund ums Heiraten. Sie kommen aus der Region, aber auch von weiter her. «Auch ein Herrenmodegeschäft aus Zürich präsentiert massgeschneiderte Outfits.» Das freut Frey. Man schätze halt das persönliche Ambiente und den direkten Kundenkontakt. Im Gegensatz zu einer Grossveranstaltung, wo dies verloren gehe, ist er überzeugt. Informationen zur Messe finden sich auf www.hochzeitsexpo.ch.

Überraschung für die Besucher

Wer nun glaubt, seine Hochzeits-Miniatur am Wochenende gleich mit nach Hause nehmen zu können, muss Ulrike Kiese enttäuschen. «Die Industriemaschine, auf welcher die Figuren normalerweise produziert werden, ist rund 350 Kilogramm schwer, kann nicht einfach so transportiert werden.

Sie würde auch unmöglich Platz finden im Müllerhaus.» Doch kommen interessierte Ausstellungsbesucher an Kieses Stand trotzdem auf ihre Rechnung: Kiese hat den 3-D-Drucker in Kleinformat dabei. Der Besucher wird den Stand also doch zu zweit verlassen – mit einem kleinen «Ich» in der Tasche. Wenn auch in etwas anderer Form, als auf der Hochzeitstorte.