Fische sind die Vorboten des Lenzburgers Jugendfests. Gebacken, mit Brot und Sauce serviert. So sieht das Menü des Fischessens aus, das seit genau 20 Jahren am Mittwoch vor dem Jugendfest stattfindet. Austragungsort des Fischessens ist das Stadtzelt, dessen Geschichte mit derjenigen des Fischessens zusammengehört. Ohne Zelt kein Fisch und ohne Jörg Auer kein Zelt. Mitte der 90er-Jahre schaute der Lenzburger Veterinärprofessor an einem Zapfenstreich vom Balkon der damaligen Galerie Aquatinta auf den Metzgplatz, als es «wie verruckt» zu regnen begann. Er dachte sich: «Wenn wir hier ein Zelt hätten, wäre das kein Problem.»

1996 nutzte er sein Präsidialjahr beim Rotary Club Lenzburg, um die Zeltidee zu verwirklichen, gründete ein Komitee, überzeugte den Hypi-Verwaltungsratspräsidenten von der Idee, was dem Projekt 100'000 Franken Startgeld von der Bank einbrachte. Zusätzlich sammelte das Komitee nochmals rund 130'000 Franken. Gross war die Opposition einiger Anwohner gegen das weisse Ungetüm auf dem Metzgplatz, denn sie fürchteten Lärm. Ein Hickhack um die Bedingungen ging los. Ausgehandelt wurde schliesslich, dass das Zelt an höchstens 14 Anlässen im Jahr und nie länger als drei Tage stehen darf.

Am 12. Juli 2000, einem Mittwoch, wurde das Zelt der Stadt übergeben. Zur Feier gab es ein Fischessen, das der mittlerweile verstorbene Kurt Schäfer organisiert hatte, ein Meister des Genres Fischessen. Schon zum Empfang der Tour de Suisse oder am Kantonalturnfest hatte er Fischessen organisiert. Im Jahr 2000 war der Mittwoch vor dem Jugendfest ebenfalls kühl, doch jetzt hatte man ein Zelt. «Die 640 Sitzplätze waren schnell gefüllt», sagt Auer. Eigentlich war das Fischessen als einmalige Gelegenheit gedacht. Doch weil der Fisch-Schmaus so gut ankam, wurde beschlossen, dass er zur Steigerung der Jugendfestvorfreude nun jedes Jahr stattfindet. Jörg Auer war zehn Jahre OK-Chef des Fischessens, das von den Rotariern, ihrem Nachwuchsverein Rotaract Mittelland, den Business- und Professional Women sowie der Freischarenküche durchgeführt wird. Über 100 Freiwillige sind jedes Jahr für das Fischessen im Einsatz. Der Erlös kommt einem gemeinnützigen oder kulturellen Zweck zugute. Im Gegensatz zum Metschgplatsch ist das Fischessen nicht im offiziellen Jugendfestprogramm. Zur Enttäuschung der Organisatoren.

Doch auch ohne den Eintrag ist es seit je sehr beliebt. Anfangs kam es wegen einem Fritteusen-Mangel manchmal zu Wartezeiten von einer Stunde und länger. Seit die Anzahl der Fritteusen auf fünf erhöht wurde, geht es schneller. Auer betont, dass es sich um Berliner Fritteusen handle. Auf deren Gittern haben die Fische für ihr letztes Bad Platz zum Liegen. Wie man es in Lenzburg mag, wird an einer Tradition nichts verändert. Das Rezept für das Gewürzmehl und die Freischarensauce stammt von Kurt Schäfer – und bleibt geheim. Die Fische sind heute hauptsächlich Zander und werden vom Seehotel Delphin geliefert, wo im Notfall schnell Nachschub geholt werden kann. Zum Dessert gibt es eine Cremeschnitte. Und das wird auch immer so bleiben.