Es riecht wie in einer Dampflok-Remise: eine Mischung aus Feuer, Schwermetall, Russ und Rauch. Für die älteren Besucher weckt der Duft Erinnerungen, und die Jugendlichen staunen, mit welcher Präzision Hobbyschmied Heiri Bischof und Profi Sandro Hohl auf das entstehende Hufeisen eindreschen. Richtig, das Schlagen mit dem Hammer hat einen Rhythmus wie beim Dreschen von Getreide mit Dreschflegeln.

Sandro Hohl, der Hufschmied aus Bremgarten, erklärt dieses traditionelle «Hufeisenschmieden unter zwei Hämmern». Mit dem Schmieden ist es nicht getan. Er bürstet und feilt sein Werkstück, dass die Funken stieben. Und er kommt gehörig ins Schwitzen, denn der Hammer soll mit Wucht das glühende Eisenstück treffen, auf dass es die richtige Form bekommt. «Er ist ein Perfektionist», sagt Heiri Bischof über seinen «Chef».

Ueli Hegnauer hat ein Alphornstück für die Hammerschmiede Seengen geschrieben. «Bi der alte Hammerschmiede»

Ueli Hegnauer hat ein Alphornstück für die Hammerschmiede Seengen geschrieben. «Bi der alte Hammerschmiede»

«Bi der alte Hammerschmiede»

Das Publikum ist beeindruckt. «Ganz verreckt», ist da zu hören und «Schön habt ihr das gemacht». Am Ende der Vorführung zeigt Sandro Hohl das Hufeisen und erntet Applaus: «Solche Eisen sind für Arbeitstiere», weiss der Hufschmied.

Nationale Bedeutung

«Mindestens 5000 Stunden Fronarbeit wurden geleistet», sagt Jörg Leimgruber, Präsident des Vereins Hammerschmiede Seengen. Und das innert vier Jahren. Die Kosten der Sanierung belaufen sich auf 750 000 Franken. Daran leistet die öffentliche Hand einen grossen Anteil: Kantonale Denkmalpflege und Bundesamt für Kultur je 218 300 Franken, Gemeinde Seengen 30 000 Franken. Wobei, so Gemeindeammann Jörg Bruder, die Gemeinde jährlich einen Betriebskostenbeitrag von 4250 Franken leiste. Die Hammerschmiede soll ja im Demonstrationsbetrieb gezeigt werden, zumal das grösste wassergetriebene Hammerwerk der Schweiz als Objekt «von nationaler Bedeutung» eingestuft worden sei.

Die Schmiede, 1796 von Johannes Hegnauer erbaut, produzierte gut 100 Jahre später vor allem spezielle Pflüge und diente ab Mitte der 80er-Jahre des letzten Jahrhunderts zu Demonstrationszwecken. Bis 2011 der hundertjährige Wellbaum, der die Wasserkraft aus den Teichen über ein Wasserrad auf die fünf grossen Schwanzhämmer übertrug, brach. Was 2015 zur Vereinsgründung führte. Rund 200 Personen gehören ihm an. Die einen als Sponsoren mit, andere legen konkret Hand an.

Modell erklärt Mechanik

Letzteres tut Hans Gugerli. Auch er half mit, die Werkzeuge und Maschinen zu entrosten. Der Modellschreiner und bildende Künstler hilft wenig technikaffinen Menschen, denen die weitläufige Realität vom oberen Teich über Wasserräder und Blasebalg bis zur Esse und zum Wellbaum und zu den Schlagbewegungen der grossen Hämmer zu unübersichtlich ist.

Er hat ein elektrisch betriebenes Modell im Massstab 1:10 gebaut. In zusätzlichen 500 Arbeitsstunden. Und er erklärt am Eröffnungstag die Funktionsweise der Anlage. «Einfach, aber genial», beschreibt Gugerli das Prinzip der Hammerschmiede. Eine Betrachterin kommt nicht aus dem Staunen heraus: «Megacool.»

Dicht ist der Andrang, wenn Heiri Bischof den Wellbaum mit den riesigen Hämmern in Betrieb nimmt. «Das ist noch Mechanik!», ist auch im Balghaus zu hören. Zahnräder die ineinander greifen, Transmissionsriemen, die Energie übertragen, damit aus Wasser am Ende Feuer wird und aus einem kalten Stück Metall ein handgefertigtes Hufeisen.

Inhaber Rudolf Sandmeier nimmt die Gelegenheit wahr, seine Landmaschinen zu zeigen, die Festwirtschaft lädt zu kulinarischen Leckereien, und eine Alphornbläsergruppe aus Seetal und Freiamt intoniert das von Ueli Hegnauer extra komponierte Stück «Bi der alte Hammerschmiede». Zischen beim Abschrecken eines heissen Hufeisens inbegriffen.