Hallwil
In dieser Scheune kommt kein Schaf ungeschoren davon

500 Schafe kamen am Samstag in Hallwil unters Rasiermesser. Das ergibt rund 600 Kilogramm Wolle

Meret Nina Radi (Text und Fotos)
Drucken
Teilen
In dieser Scheune kommt kein Schaf ungeschoren davon
9 Bilder
Hofbesitzer Ruedi Brunner bringt die frisch geschorenen Schafe in ein anderes Gehege
In Einerkolonne warten die Schafe auf ihre Schur
Die Schur-Experten kommen aus Wales
Die frisch geschorenen Schafe beobachten, wie ihre Artgenossen Fell lassen
Die Schafe werden mit gekonnten Handgriffen neu frisiert
Andreas Fuchs befreit ein Schaf von seinem Pelz
Bis zu 600 Kilogramm Wolle scheren die drei Experten
Andreas Fuchs (links) schert ein Schaf,ein anderes wartet auf seine Schur

In dieser Scheune kommt kein Schaf ungeschoren davon

Meret Nina Radi

Bereits von Weitem hört man ein mechanisches Surren und aufgeregtes Blöken. In der Scheune des Brunnerhofs in Hallwil tummeln sich Hunderte von Schafen, dazwischen zahlreiche Helfer. Auf einem Podest befreien drei professionelle Scherer die Tiere von ihrem Fell. Ihr einziges Werkzeug ist ein elektronisches Rasiermesser.

Ein Schaf wird vom Bauer Ruedi Brunner in Richtung Podest gedrängt. Über eine Rampe gelangt es auf die Plattform, wo es in einer Reihe mit den anderen Schafen wartet. Jetzt ist es so weit: Schwungvoll nimmt ein Scherer das Tier aus der Warteschlange und legt es rücklings auf das Podest. Mit einem Knie fixiert er das Tier, das alle viere weit von sich streckt.

Innert Minuten ist das Schaf nackt

Mit gekonnten Bewegungen entfernt der Scherer die Wolle am Bauch. Danach dreht er das blökende Schaf und rasiert den Rest des Pelzes. Innert wenigen Minuten verliert der Paarhufer so sein ganzes Fell. Das nun kahl geschorene Schaf wird von einem kleinen Jungen an einem Strick in ein Gehege geführt. Nachdem er das Tor hinter dem Schaf geschlossen hat, ruft er stolz einem anderen Helfer zu: «Hast du gesehen? Es hat geklappt!»

60 Schafe pro Stunde

«Heute helfen alle mit», sagt Hansruedi Brunner. Er selber kümmert sich um den organisatorischen Teil der Schafschur in Hallwil. Sein Sohn, der aktuelle Hofbesitzer Ruedi Brunner, kehrt gerade die Wollabfälle auf dem Boden der Scheune zusammen. Seit 15 Jahren finde die Schur zwei Mal jährlich auf dem Brunnerhof statt, erzählt Brunner Senior.

«500 Schafe werden heute geschoren.» Das gebe bis zu 600 Kilogramm Wolle, so Brunner weiter. «Die schöne Wolle wird als Füllmaterial für Duvets eingesetzt und der Rest wird zu Isolationszwecken weiterverwendet.» Die Schur lockt viele Schaulustige an. Brunner deutet in Richtung des Kistenstapels, wo die Wolle zwischengelagert wird: «Und die Kinder spielen gerne in der frisch gesammelten Wolle».

«Jeden Tag schafe scheren»

Andreas Fuchs aus dem thurgauischen Bussnang arbeitet zusammen mit zwei Scherern aus Wales, Grossbritannien. Gemeinsam scheren die Drei bis zu 60 Schafe in einer Stunde. Nachdem Fuchs ein weiteres Schaf geschoren hat, stellt er die Schermaschine kurz ab. Er wischt sich über die schweissnasse Stirn, zieht einen Gehörschutz aus dem Ohr und wiederholt die Frage: «Wie man Profischerer wird? Ja, man sollte halt jeden Tag Schafe scheren.»

Er lacht und fügt hinzu, dass Neuseeland gut zum Üben sei. Schon hebt er ein weiteres Schaf aus der Reihe, legt es auf den Rücken und lässt sein Schermesser durch den nächsten Pelz fahren.

Aktuelle Nachrichten