Sie sieht schon imposant aus, ist aber bei weitem noch nicht fertig. In gut drei Wochen, am Dienstag, 15. Mai, muss die «MS 2018» schwimmen. Im Rhein bei der Lux-Werft in Mondorf (zwischen Bonn und Köln). Damit das Wunder zu schaffen ist, brauchts einen gewaltigen Schlussspurt. Die Werft-Angestellten arbeiten sechs Tage pro Woche und machen jede Menge Überstunden.

«Du lachst ja noch. Du glaubst an uns», sagte Werft-Geschäftsführer Elmar Miebach am Donnerstag zu Ueli Haller. Der Chef der Schifffahrtsgesellschaft Hallwilersee (SGH) nahm zusammen mit Ralph Bury (Kapitän und Leiter Gastronomie) einen Augenschein in der Werft. Den achten und voraussichtlich letzten vor dem alles entscheidenden 15. Mai.

Dann beginnt die dreitägige Hauptabnahme durch die Experten des Bundesamtes für Verkehr. Dann muss die «MS 2018» (definitiver Name noch geheim) Wasser unter dem Kiel haben. Unter anderem für die Krängungsversuche, mit denen ermittelt wird, ob das Schiff so herausgekommen ist, wie es geplant war. Theoretisch ist es möglich, dass die Beamten nach den Tests das Fassungsvermögen, die Anzahl Passagiere, senken.

Doch damit rechnet Ueli Haller nicht: «Ich habe keine Bedenken, dass die Ingenieure das nicht richtig berechnet haben.» Überhaupt ist er optimistisch: «Wir sind mit dem Schiffsneubau auf Kurs, auch wenn wir zeitmässig kaum mehr Reserven haben.» Am ehesten noch würde ihm eine Phase mit starken Niederschlägen kombiniert mit grosser Schneeschmelze Kummer bereiten. Führt der Rhein deswegen Hochwasser, wäre allenfalls der Transport in die Schweiz gefährdet.

Ein Schiff auf der Strasse

Dieser beginnt am Pfingst-Wochenende (20./21. Mai). Innerhalb von 48 Stunden werden zwei Kapitäne der Werft die «MS 2018» von Mondorf nach Basel fahren. Es wird das einzige Mal sein, bei dem das Schiff nicht auf dem Hallwilersee, sondern auf dem Rhein schwimmen wird.

Am Dienstag, 22. Mai, wird die «MS 2018» im Basler Auhafen ausgewassert. Zuerst wird das Oberdeck, das nur provisorisch befestigt ist, auf einen Tiefgänger gehoben. Auf den zweiten Spezialtransporter kommt das Hauptschiff und auf einen dritten Anhänger diverses Kleinmaterial.

Der dreiteilige Konvoi wird in zwei Nächten von Basel ins Seetal fahren. In der ersten Nacht wird er es ins Aaretal schaffen (voraussichtlich irgendwo zwischen Aarau und Olten) und in der zweiten Nacht bis zum Parkplatz ob dem «Delphin» in Meisterschwanden. Dann erfolgt am Donnerstag, 24. Mai, die Einwasserung mithilfe von zwei Autokranen.

Das erste Schiff mit Lift

Anschliessend benötigt die Werft noch acht bis neun Tage, um das Schiff ganz fertigzustellen. Es müssen etwa das Ober- und das Unterdeck verschweisst werden. Zudem wird der Lift eingebaut.

Die «MS 2018» wird das erste Schiff auf dem Hallwilersee mit Aufzug sein (teilweise verglast – mit Sicht aufs Wasser). Und es gilt, letzte Malerarbeiten zu erledigen. Das Hauptschiff (der untere Teil) wird komplett eingerichtet von Deutschland in die Schweiz geliefert. Also beispielsweise inklusive der Küche, allem grösseren Inventar, etwa den (losen) Stühlen und den Tischen.

Vor der feierlichen Taufe (am Mittwoch, 6. Juni) und der ersten fahrplanmässigen Fahrt am Sonntag, 10. Juni, müssen noch vier Kapitäne und eine Schiffsführerin auf der «MS 2018» in die Fahrschule.

Wie das Schiff definitiv heissen und wer Gotte/Götti sein wird, steht zwar fest, hofft die SGH aber bis am 6. Juni geheimhalten zu können. Ob die oberste Schifffahrerin der Schweiz, Bundesrätin Doris Leuthard, an der Taufe teilnehmen kann, ist noch nicht bekannt: Eingeladen ist sie, abgesagt hat sie noch nicht.

«Unsere Hof-Werft»

«Die Lux-Werft ist unsere Hof-Werft. Seit 49 Jahren sind wir mit ihr verbunden – auch freundschaftlich», erklärt Ueli Haller. Beim Gang durch die Werkhalle fällt auf, dass der Seetaler nicht nur die beiden Chefs Elmar und Rainer Miebach kennt, sondern auch viele Arbeiter – und diese sich über seine Anwesenheit sichtlich freuen.

Laut Rainer Miebach beschäftigt die Werft etwa 50 Angestellte. Sie baut jährlich vier bis fünf Schiffe der «MS 2018»-Klasse und erledigt daneben noch jede Menge anderer Modernisierungs- und Reparatur-Arbeiten an Schiffen.

Länger als ursprünglich gedacht

Die «MS 2018» wird 2,6 Millionen Euro kosten. Um das finanzieren zu können, muss die SGH erstmals in ihrer Geschichte einen Kredit aufnehmen. Das ist kein Problem, weil das Unternehmen sehr solide finanziert ist und schwarze Zahlen schreibt. Einen erheblichen Betrag beigesteuert haben Sponsoren: Alle Stühle sind verkauft, auf der Spendentafel hat es aber noch Platz (ab 500 Franken).

Der Entscheid, ein neues Schiff zu kaufen fiel im Rahmen eines vor vier Jahren durchgeführten Strategieprozesses. Dabei hat der SGH-Verwaltungsrat entschieden, weiterhin fünf Schiffe zu betreiben. Aus Kostengründen verzichtete man auf eine Sanierung der «MS Fortuna» (Baujahr 1963). Und man beschloss, der bisherigen Linie treu zu bleiben und nicht etwa ein modernes Nostalgieschiff zu kaufen.

Die «MS 2018» wird ideal sein für Rundfahrten und Gesellschaften: Apéro in der Lounge auf dem Oberdeck, Essen im Saal auf dem Hauptdeck. Das Schiff ist sehr transparent, hat grosse Fenster und Schanzkleider (Geländer) aus Chromstahlnetz. Im Rahmen der Planung ist es von 32 auf 34,2 Meter verlängert worden. Geblieben ist die Breite von 6,5 Metern. Das Schiff bietet bis 200 Personen Platz. Und es hat eine Heizung. Eine Wärmepumpe basierend auf Wasser – wir sind schliesslich auf dem Hallwilersee.