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In der Migros gilt: Glotzen statt Spielen

Das Kletterhaus im Migros-Restaurant in Lenzburg wurde durch einen Fernseher ersetzt. Viele Eltern sind entsetzt.

Irena Jurinak
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Aargauer Zeitung

Das Kletterhaus in der Spielecke im Migros-Restaurant in Lenzburg ist verschwunden. Seit der Neueröffnung der Migros-Filiale im Müli-Märt hängt dort ein grosser Fernseher. Viele Eltern schütteln darüber den Kopf.

Arne und Carmen Bühler aus Niederlenz, die mit ihrer 2-jährigen Tochter Alisha im Restaurant sitzen, finden die Lösung schlecht. «Kaum läuft der Fernseher, schauen die Kinder nur noch dahin», sagt Arne Bühler. Die Gefahr sei gross, dass Kin- der, die von den Eltern auch zu Hause vor den Fernseher gesetzt würden, den ganzen Tag vor dem Bildschirm verbrächten.

Ein «Versuchsbetrieb»

Die Neugestaltung der Spielecke ist laut Mediensprecherin Barbara Siegenthaler von der Migros Aare ein Versuchsbetrieb, der auch in Brugg und in Münsingen läuft. Die Migros will einen Kompromiss für Ruhesuchende und Spielende finden. Ende dieses Jahres werden die Rückmeldungen ausgewertet und allenfalls entsprechende Massnahmen abgeleitet. «Die Kinder müssen nicht fernsehen, sie können», sagt Barbara Siegenthaler.

Neben dem Bildschirm gibt es in Lenzburg drei in die Wand eingelassene Spiele: eine Murmelbahn, ein «Memory» und Bauklötze. Die Neugestaltung polarisiert. «Früher war das eine Art Indoor-Spielplatz, die Kinder konnten hier auch spielen, wenn es regnete, und knüpften Kontakte. Der Fernseher lenkt nur ab», sagt eine Mutter. Und ihr Sohn Damian findet die Spielecke zwar gut, nur den Fernseher nicht: «Wenn er läuft, schaut man automatisch hin.»

Jetzt kann man in Ruhe «käfele»

Entsprechend viele Rückmeldungen hat Anita Barmettler, Gerantin des Migros-Restaurants in Lenzburg, bekommen, seit die Spielecke umgestaltet wurde. Barmettler hat bis zu einem gewissen Grad Verständnis für die Kritik der Eltern. Trotzdem: «Die Kinder sind schliesslich nicht den ganzen Tag bei uns.» Und die Rückmeldungen seien nicht nur negativ. «Es gibt auch Besucher, die sagen, nun könnten sie in Ruhe Kaffee trinken.»

Früher hat Barmettler oft Reklamationen erhalten, weil die Kinder in der Spielecke laut waren. Seit der Bildschirm da ist, sei es ruhiger geworden. Manche Eltern schalten den Fernseher sogar aus, erzählt Anita Barmettler. «Dann kommen Kinder zu mir und beklagen sich, weil der Fernseher nicht läuft.»