Peter Bryner musste zweimal hinschauen, als er Ende März mit seiner Frau in Wildegg der Bünz entlang spazierte. Im kalten Wasser schwamm ein Biber bünzaufwärts. Bryner folgte dem Tier von der Bruggerstrasse bis zur Schulanlage Hellmatt. Den Biber hat er zum ersten Mal gesehen, seine Spuren sind Bryner jedoch schon vorher aufgefallen. «Links und rechts der Bünz sind schon einige Bäume angeknabbert», sagt er.

Für Andres Beck, Biberexperte des Kanton Aargau, ist ein Biber in der Bünz keine Überraschung. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts war der Biber in der Schweiz vollständig ausgerottet. Ab 1950 wurde der Nager wieder angesiedelt und heute ist der Biber wieder an allen Flüssen im Aargau heimisch. «Die Bünz ist nicht weit weg von der Aare, möglicherweise hat ein junger Biber einen Ausflug gemacht», sagt Becker. Mit 2 bis 3 Jahren verlassen die Biber ihren Familienverband und müssen sich ein eigenes Revier suchen.

Die guten Lebensräume entlang der grossen Flüsse sind schon alle besetzt, deshalb weichen die Biber immer mehr auf kleinere Gewässer aus. Weil sie jedoch weniger von den Bibern bevorzugte Weichhölzer am Uferrand haben, sind sie auch weniger beliebt. Zudem lauert neben dem Bach die Gefahr. Da manche Strassen sehr nah an Bächen entlang führen, enden die Tiere oft unter einem Auto. Doch bei der Bünz sei dieses Problem nicht so gross, sagt Beck.Schon weiter oben in der Region Dottikon und bei Boswil haben sich Biber angesiedelt. Der von Bryner gesichtete Biber dürfte sich auf der Suche nach einem Partner oder einer Partnerin befinden, damit er seine eigene Familie gründen kann, mutmasst der Experte.

Noch keine Obstbäume gefällt

Bryners Überraschung, als er den Biber am bei Tageslicht betrachten konnte, ist berechtigt. Normal sind die Tiere in der Dämmerung und in der Nacht aktiv. Doch das war nicht immer so. «Eigentlich ist der Biber tagaktiv. Doch wegen der jahrelangen Verfolgung hat er seinen Tagesrhythmus umgestellt, um Begegnungen mit dem Menschen zu vermeiden», sagt Beck. Nur wenn sie sich ganz wohl fühlen, sind Biber am Tag unterwegs.

Bis jetzt ist es im unteren Teil der Bünz noch zu keinem Konflikt zwischen Mensch und Biber gekommen. Einmal waren die Bewohner eines Mehrfamilienhauses in der Nähe der Aare besorgt, weil ein Biber einen grossen Baum angeknabbert hatte. Sie fürchteten, er würde umfallen und ihr Haus treffen. In solchen Fällen wird der Baum von Menschenhand gefällt. «Der Biber kann nicht berechnen, wie ein Baum fallen wird. Deshalb knabbert er nur so lange, bis er den Baum knacken hört. Den Rest überlässt er dem Wind oder dem Schnee», sagt Beck.

Bis jetzt sind in Möriken-Wildegg noch keine gefällten Obstbäume gemeldet worden. Wer einen Obstbaum in der Nähe eines Gewässers mit Bibern hat, tut jedoch gut daran, diesen mit einem speziellen Anstrich oder einem Gitter zu schützen. Manchmal gibt sich der Biber aber auch mit den heruntergefallenen Äpfeln zufrieden. Diese isst er besonders gern.