Die Generalversammlung der Schwanenkolonie Hallwilersee ist jeweils ein schöner Anlass. Die Mitglieder diskutieren bei Speis und Trank, wie sich die Population der Schwäne auf dem See entwickelt. Die Tiere liegen dem Vorstand und den mehreren hundert Mitgliedern am Herzen: Seit 1902 reguliert die Schwanenkolonie den Bestand der Schwäne. Eine Truppe unter der Leitung von «Schwanenvater» Hans Häfeli zog jahrzehntelang von Nest zu Nest und entfernte überzählige Eier. Diese «Geburtenkontrolle» führte dazu, dass sich der Bestand zwischen 45 und 50 Schwänen einpegelte. Die Schwanenkolonie stellte auch sicher, dass die Tiere im Winter genügend Futter haben.

Seit ein paar Jahren sind dem Verein jedoch die Hände gebunden: Neue Gesetze schränken diese Eingriffe in die Natur stark ein. Wer Eier aus Nestern entfernen will, braucht eine Bewilligung des Bundes. Auch das Füttern wurde verboten. Die Folgen zeigten sich im Sommer 2016: Unzählige Schwäne hinterliessen ungewöhnlich viel Kot im Strandbad Tennwil. Ähnlich sah es in anderen Bädern aus. Auch Landwirte litten unter den Schwänen, die sich schnell vermehrten und wegen des Fütterungsverbotes ins Landwirtschaftsland eindrangen. Das von den Vögeln verunreinigte Gras kann nicht als Silofutter verwendet oder den Kühen nicht als Frischfutter vorgesetzt werden. Sogar die Trauben im Rebberg von Seengen mussten geschützt werden.

Schreibtischtäter bei den Kantonen?

Kein Wunder, war die diesjährige Generalversammlung der Schwanenkolonie auf dem Hallwilersee von Misstönen begleitet. Der Ärger der rund 200 Mitglieder auf den beiden Schiffen «Brestenberg» und «Seetal» richtete sich jedoch nicht gegen den Bund, der bislang kein Gehör für Eingriffe ins Leben der Schwäne hatte. Der Bund hat in der Zwischenzeit den Kantonen Aargau und Luzern erlaubt, die Schwanenpopulation auf dem Hallwilersee mittels Eierentnahme zu dezimieren. Die Kantone wollen jedoch zuerst die weitere Entwicklung abwarten und erst später handeln.

An der GV war deshalb «Wut und Enttäuschung» spürbar, wie der «Lenzburger Bezirksanzeiger» schreibt. Mehrfach soll das Wort «Schreibtischtäter» gefallen sein. Auf Nachfrage der AZ sagt «Schwanenvater» Hans Häfeli: «Die Schwanenkolonie hat viele Jahre für die Tiere geschaut und für einen ausgewogenen Bestand gesorgt. Jetzt gibt es Probleme und wir dürfen nichts tun. Das verstehen die Mitglieder nicht.»

Wer hat richtig gezählt?

Die Kantone Aargau und Luzern haben sich gegen Eingriffe in die Schwanenpopulation entschieden, weil sich die Zahl der Schwäne nach dem Höhepunkt im Sommer 2016 (gegen 70 Schwäne) überraschend reduziert hatte. Im Frühjahr 2017 gab es gemäss amtlicher Zählung nur noch 35 Schwäne am Hallwilersee. Ein Teil davon sei vermutlich weggeflogen, hiess es damals beim Kanton.

Das wird in der «Schwanenkolonie» allerdings bezweifelt. Die Tierfreunde zählten nämlich 48 Tiere. Derzeit liegt der Bestand gemäss Hans Häfeli bei 41 Alttieren und 25 Jungschwänen. «Wenn man nichts tut und es immer so viele Jungschwäne gibt, führt das zur Überpopulation», befürchtet Häfeli. Die Schwanenkolonie werde deshalb bei der Vorstandssitzung im Oktober ein weiteres Gesuch formulieren, damit die Kantone Aargau und Luzern im Frühjahr Eingriffe in die Nester erlauben.