Lenzburg
Im Tunnel taucht man in die Geschichte ein

Der Verein Industriekultur am Aabach feiert sein zehnjähriges Jubiläum mit einem Tunnelfest. Der sanierte Seetalbahntunnel ist der einzige Zeitzeuge, der noch an das Stadtbahnhöfli, die Barrieren und die Bahnverbindung erinnert.

Heiner Halder
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Früher war dies der Seetalbahntunnel. Heute wird der Tunnel alsFussgängerunterführung genutzt. hh

Früher war dies der Seetalbahntunnel. Heute wird der Tunnel alsFussgängerunterführung genutzt. hh

«Wenn wir auf die letzten zehn Jahre zurückblicken, stellen wir mit Erschrecken fest, dass in dieser kurzen Zeit einiges der Spitzhacke zum Opfer gefallen ist», sagt Stadtrat Martin Stücheli. Der Präsident des Vereins Industriekultur am Aabach bemerkt, dass sich heute kaum jemand daran erinnert, wie sich die Bahnhofstrasse mit Stadtbahnhöfli, Barrieren und Malagarain präsentierte, obwohl während über 100 Jahren die Seetalbahn diesen Abschnitt geprägt hatte.

Anno 2003 wurden das Bahnhöfli abgebrochen und die Gleise entfernt, um der Kerntangente Platz zu machen. So ist die einstige Seetalbahnverbindung nach Wildegg praktisch nicht mehr erlebbar. Geblieben ist einzig die Bahnunterführung am Bahndamm, welche komplett saniert und jetzt als Velo- und Fussgängerverbindung dient. Der Industriekulturpfad führt durch den Tunnel, zwei Tafeln weisen auf die einstige Nutzung und die Lage des Bahnhöflis hin. Als weiteres Denkmal für die verschwundene Bahnherrlichkeit sollen die selten erstellte, sogenannte «Voegele Doppelweiche» wieder in die Nähe ihres Standplatzes gebracht und ein Doppel-Andreaskreuz aufgestellt werden.

Dass der Verein Industriekultur am Aabach sein Jubiläum am Europäischen Tag des Denkmals feiert, ist kein Zufall: Das Motto «Stein und Beton» passt zu den Stichworten Tunnel und Tangente. Der Verein feiert das Tunnelfest mit dem Museum Burghalde und dem Museum Aargau Schloss Lenzburg. Neben einer kleinen Festwirtschaft gibts eine Kinderstation mit «Spielzeugklassikern» zum Anfassen. Historische Wisa-Gloria-Artikel dürfen benutzt werden, und weil das Museum Burghalde auch das Herojubiläum mitfeiert, gibt es Spiel und Spass mit Dosen. Das Schloss präsentiert mit dem Projekt «Lernbach» ein Stück Museumspädagogik der Zukunft mit der interaktiven Benutzung von I Pad, wie sie später vor Ort gemeinsam mit Industriekultur am Aabach und Museum Burghalde realisiert werden soll. An den Tunnelwänden flimmern bewegte Bilder von der Dampfmaschine und der Seetalbahn. Der Anlass ist allwettertauglich: Der Tunnel bietet je nachdem Schatten und Schärme.