Lenzburg

Im Ruhestand kann Polizist Furter munter weiter paffen

Rauchen in Uniform geht nicht mehr: Für das Porträt macht der nun pensionierte Lenzburger Regionalpolizist Herbert Furter eine Ausnahme. Sandra Ardizzone

Rauchen in Uniform geht nicht mehr: Für das Porträt macht der nun pensionierte Lenzburger Regionalpolizist Herbert Furter eine Ausnahme. Sandra Ardizzone

Während 33 Jahren sorgte Herbert Furter als Regionalpolizist in Stadt und Region Lenzburg für Ruhe und Ordnung. Er rauchte noch im Dienst, als seine Kollegen damit schon aufgehört hatten.

Heute unvorstellbar, doch früher war es gang und gäbe: Ältere Semester, welche auf dem engen Polizeiposten im Lenzburger Försterhaus zu tun hatten, erinnern sich an den jungen Polizisten, der im Hintergrund Pfeife rauchend seinen administrativen Aufgaben nachging. Was anno 1984 noch völlig normal war. «Heute ist Rauchen in Uniform ein absolutes No go, und ich habe Verständnis dafür», sagt Herbert Furter, der das Schmauchen längst auf den Feierabend verlegt hat. Verändert hat sich in den letzten 33 Jahren Vieles im Polizei-Alltag und dessen Umfeld.

Gemütlich ging es bei der fünfköpfigen Mannschaft unter dem Kommando von Georges Jäggi damals trotzdem nicht zu. Im vielfältigen Pflichtenheft der Lenzburger Stadtpolizei standen im Vordergrund die Verkehrsregelung auf wichtigen Kreuzungen am Morgen, Mittag und Abend, Einmann-Patrouillen durch die Stadt, Nachtdienst zu zweit am Freitag/Samstag, 7 Tage Pikettdienst rund um die Uhr. Ferner die Überwachung des ruhenden Verkehrs (Parkbussen), Gewerbe-, Lebensmittel- und Märkte-Kontrollen, um Mitternacht die Polizeistunde in den Gaststätten durchsetzen und an den Schulen die Verkehrserziehung zu leiten.

Von der Natur zu Menschen

Mit Jahrgang 1954 in Staufen aufgewachsen, wo er wieder seinen Wohnsitz hat, absolvierte Herbert Furter vorerst eine Gärtnerlehre; nach 10 Jahren in diesem Beruf und dem Besuch einer Handelsschule meldete er sich auf eine Ausschreibung als Stadtpolizei-Aspirant in Lenzburg und absolvierte begleitend die Polizeischule in Neuenburg. «Ich wollte es mit Menschen zu tun haben», begründet Furter seine Motivation zum Berufswechsel, den er bis zuletzt nie bereut hat. Seine Liebe zur Natur pflegt er als Jagdaufseher im Revier Diana. 1987 übernahm Werner Rimann das Kommando, und ab 2000 erfolgte der Aufbau einer regionalen Zusammenarbeit mit Staufen und Niederlenz, vorübergehend mit Rupperswil und Hunzenschwil. Es wurden mit den auswärtigen «Einzelkämpfern» gemischte Patrouillen geführt und die Administration im Kommando konzentriert. Aus Platzgründen bezog das stark gewachsene Korps 2006 im Malagahaus geräumigere Büros. Der Verbund erweiterte sich laufend. Heute sind unter der Leitung von Ferdinand Bürgi in der Regionalpolizei Lenzburg 22 Gemeinden mit 55 000 Einwohnern zu betreuen.

Die Repol ist mit regelmässigen Patrouillen vor Ort und steht im Ersteinsatz bei Ereignissen wie Unfall, Alarme, häusliche und andere Gewalttaten, Überprüfung verdächtiger Personen, Todesfälle und Umweltschutz sowie Ordnungsdienst bei grossen Anlässen und schliesslich der Verkehrsunterricht an Schulen durch zwei Spezialisten. Täglich sind fünf bis zehn Einsätze notwendig.

Bürokratie schwoll an

Die Veränderungen in der Organisation, aber auch im Arbeitsumfeld, hat Herbert Furter dank seinem ruhigen, zurückhaltenden Naturell gut überstanden. Obwohl: «Der Umgang mit den Kunden ist bedeutend heikler, der Respekt vor Amtspersonen gering geworden. Zwischenmenschliche Probleme waren früher ohne grosse Administration definitiv erledigt, jetzt muss man alles rechtfertigen. Der Bürokratismus hat lawinenartig zugenommen.» Furter trägts mit Fassung: «Die mehrheitlichen Negativ-Einsätze gehören zum Beruf.» Und der Polizist bekräftigt: «Ich glaube an das Gute im Menschen, wollte für den Bürger da sein. Ich würde diesen Beruf wieder wählen, er ist spannend, man weiss nie, was der Tag noch bringt.» Sagt’s und zündet sich eine neue Pfeife an.

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