«In die Wohnungen im ehemaligen Hero-Areal ziehen Menschen ein, welche die vorherige Industrielandschaft nie kennen gelernt haben. Auf der andern Seite spazieren Alteingesessene, wenn überhaupt, verwundert über den noch kaum bekannten Markus-Roth-Platz», sagt Werner Christen von der Kulturkommission Lenzburg zum neuen Quartier «Im Lenz».

Mit ihrem Projekt «Transformator – Kunst im Quartier» setzt sich die Kulturkommission mit dem Wachstum der Stadt Lenzburg und den sich verändernden Quartieren auseinander. Im vergangenen Jahr war die Othmarsingerstrasse dran.

Nun ist die Reihe am Quartier «Im Lenz». Wer erinnert sich noch an das Hero-Fabrikgelände? Das frühere Industrieareal beim Bahnhof hat sich total verändert. Wo noch bis vor kurzem Industriehallen, Bahngeleise, Bürogebäude dominierten, ist in einer schier unglaublichen Geschwindigkeit ein in sich geschlossenes Quartier mit Altersresidenz, Wohnungen, Geschäftsräumen und Spielplatz entstanden. In dessen Zentrum, auf dem Markus-Roth-Platz mit dem markanten Brunnen, soll nun einen Sommer lang die Vergangenheit auferstehen: mit einer Erdbeerplantage und verschiedenen Rahmenprogrammen.

Für die temporäre Erdbeerenkultur werden auf 15 Holzpaletten je 50 Blechbüchsen montiert. Das macht total 750 Büchsen. Anschliessend wird in jede eine Erdbeerpflanze gesteckt, die den ganzen Sommer über immer wieder neue Früchte trägt. Zur Einpflanzaktion ist die gesamte Bevölkerung von Lenzburg eingeladen. Sie findet statt am Samstag, 13. Mai, von 10 bis 16 Uhr beim Markus- Roth-Platz. Noch fehlen etwa 300 Blechbüchsen in Gastro-Grösse. Wer solche entbehren kann, meldet sich bei per Mail bei Prisca Keel (prisca.keel@gmx.ch). Beim Anblick von Hero-Büchsen denken wir heute vor allem Erbsli mit Rüebli und Ravioli. Die Blechdose von Werner Christen aus den Vorkriegsjahren zeigt jedoch, dass früher auch die Konfitüre in diese Behälter abgefüllt wurde. Konfitüre soll es auch aus jenen Erdbeeren geben, die am Saisonende noch geerntet werden können. Was geschieht mit den Früchten, die in der Zwischenzeit reifen? Christen schmunzelt und sagt: «Naschen ist nicht nur erlaubt, sondern erwünscht.»

Für das Kreativ-Team mit Vertretern der Kulturkommission, aus dem Quartier und Kurator Olivier Ziltener ist die mobile Erdbeerplantage «ein Versuch, den relativ sterilen Platz etwas zu beleben». Und die Möglichkeit für alle, das wachsende Lenzburg neu kennenzulernen. Eine Musterbepflanzung in der Rathausgasse zeigt, wie man sich die mobile Erdbeerkultur vorstellt. «Wir lassen den Markus-Roth-Platz erröten», heisst es da, wohl im Hinblick auf die zu erwartenden reifen roten Früchtchen.