Fahrwangen

Im Fahrwanger Schul-Provisorium fällt öfters mal ein unschönes Wort

Seit vier Monaten leben die Fahrwanger Primarschüler im Schulprovisorium. Die Enge in den Containern sorgt öfters mal für rote Köpfe. Die Schulleitung hat deshalb die Eltern gebeten, ihre Kinder mehr draussen spielen zu lassen um sich auszutoben.

Prompt platzen wir aus Versehen mitten in den Unterricht. Die Lehrerin sitzt mit einem Erstklässler im kleinen Zimmer. An einem Tisch erklärt sie ihm eine Rechenaufgabe. Eigentlich Alltag an der Primarschule Fahrwangen, wo Kinder mit Lernschwierigkeiten im Rahmen der integrativen Förderung individuell unterstützt werden.

Heute jedoch muss dafür ins Lehrerzimmer ausgewichen werden. Denn Lehrer und Schüler leben seit Weihnachten auf engstem Raum zusammen. Weil das Schulhaus renoviert und für die Schulreform 6/3 Platz für eine weitere Klasse geschaffen wird, findet der Unterricht in provisorischen Räumen statt. Vier Primarschulklassen und der Kindergarten sind in Containern auf dem Parkplatz bei der Mehrzweckhalle untergebracht.

«Alles ist enger und wir müssen viel mehr Rücksicht aufeinander nehmen», sagt Schulleiterin Doris Schor beim Rundgang durch das Provisorium. «Schulburg» wurde dieses als Ergebnis eines Schülerwettbewerbs getauft. Das klingt einiges wärmer als Provisorium.

Lehrer halten Sitzung in Schulbänken ab

Der Rundgang durch die «Schulburg» zeigt Überraschendes. Die von aussen kühl wirkenden Container entpuppen sich innen als voll ausgerüstete Klassenzimmer. Die Räume sind zwar einiges kleiner als jene im alten Schulhaus, aber trotzdem hell. Schränke bieten Platz für Ordner und die Wandtafel lässt sich herumschieben. Alles ist funktionell, vor allem die Wände. Diese sind allesamt magnetisch und voll mit Zeichnungen und Plakaten. Schnell vergisst man, in einem Provisorium zu stehen.

«Der Schulbetrieb läuft besser, als wir erwartet hatten», so Doris Schor. «Der Platz ist jedoch knapp.» Das Hauptproblem sei nebst den kleinen Garderoben der einzige Gruppenraum, der gemeinsam genutzt wird. Zudem gebe es keine zusätzlichen Schulzimmer für Fremdsprachen- und Religionsunterricht. «Stundenplan und Raumbelegung sind deshalb eine ständige Herausforderung.» Die Lehrer hätten sich zudem daran gewöhnen müssen, dass Sitzungen und Weiterbildungen in den Bänken eines Klassenzimmers stattfinden.

Die Stimmung kann schon mal emotional werden

Ein ständiges Thema ist ausserdem die Stimmung in den Klassenzimmern: Denn die Enge sorgt unter den Schülern öfters mal für rote Köpfe, und schneller als im alten Schulhaus fällt ein unschönes Wort. «Die Stimmung kann sich schon mal emotional aufladen», sagt Schor. Die Schulleitung habe deshalb die Eltern gebeten, ihre Kinder in der Freizeit vermehrt draussen spielen zu lassen.

Das Leben im Schulprovisorium geht zudem ins Geld. Die Miete für die Container ist teuer. Um Kosten zu sparen, wurden für die Auslagerung der anderen Schulräume alternative Lösungen gesucht – und dank Gemeinde und Nachbarn gefunden. So drückt die Einschulungsklasse die Schulbank im Feuerwehrmagazin. Eine weitere Klasse ist im Nebengebäude vom Restaurant Metzgerhalle untergebracht. Hier finden auch Musik- und Werkunterricht statt. Für den Mittagstisch sowie die betreuten Randstunden und Aufgabenstunde ergab sich ebenfalls eine Lösung in der Nachbarschaft.

«Die Unterstützung der Nachbarn ist toll», sagt Schor. Eine auf mehrere Standorte verteilte Schule sei aber eine zusätzliche Herausforderung. «Es ist schwierig, in Kontakt zu bleiben.» Zudem suche man derzeit Eltern, die als Lotsen die Schüler beim Wechsel zwischen den Standorten beaufsichtigen.

Beim Aufräumen alte Ski und Zeitung gefunden

Trotz dieser Einschränkungen und Herausforderungen ist die Stimmung in der «Schulburg» gut. Beim Besuch spürt man zudem die Vorfreude auf den Umzug ins renovierte Primarschulhaus per Ende Jahr. «Wann kann man schon sein Schulzimmer von Grund auf selber einrichten», freut sich eine Lehrerin beim Kaffee im Lehrerzimmer. Vorbei seien auch die Zeiten, als man im alten Schulhaus mit schlechter Infrastruktur kämpfen musste: Kaputte Türen zum Beispiel, oder verschimmelte Ecken und abenteuerliche Elektroinstallationen. Zudem hatte sich im Schulhaus seit 1906 einiges angesammelt. Beim Umzug in die «Schulburg» wurde deshalb aufgeräumt und entsorgt, was sich über die Jahrzehnte angesammelt hatte. Ein paar herrenlose Ski zum Beispiel. Oder eine vergilbte Ausgabe der «Basler Nachrichten», Jahrgang 1965.

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