Holderbank
Im alten Steinbruch Holderbank sind die Geissen im Vormarsch

Im Naturschutzgebiet lebt eine Herde Stiefelgeissen. Sie sorgen dafür, dass die teilweise abgeschürften Terrassen des ehemaligen Steinbruchs nicht verbuschen oder verwalden.

Barbara Vogt
Drucken
Teilen

Der Aufstieg zum ehemaligen Steinbruch Schümel oberhalb des Effingerhorts ist steil. Es regnet leicht, die Kühe suchen Schutz unter den Bäumen. Wo bleiben die Ziegen? Plötzlich hört man sie meckern. Erst von weither, dann geht es nicht lange und sie kommen angezottelt. Der Bock neugierig voran.

Seit Wochen weidet eine achtköpfige Stiefelgeissen-Familie in einem Teil des Naturschutzgebiets. Die abgeschürften Terrassen verbuschen oder verwalden zunehmend. Es wäre zu teuer, diese durch den Forstdienst zu bewirtschaften. Deshalb setzt der Kanton - als Projektverantwortlicher - Ziegen ein, um das Terrain offen zu halten.

Ökologische Nischen für Tierarten

«Damit haben wir gute Erfahrungen», sagt Thomas Gerber von der Abteilung Landschaft und Gewässer. «Ziegen bevorzugen ein vielseitiges Futterangebot: Blätter, Brombeersträucher, Dornbüsche, junge Gehölztriebe.» Und solches habe es im Naturschutzgebiet zuhauf. «Beweidung mit Ziegen fördert langfristig den Strukturreichtum von Lebensräumen und schafft ökologische Nischen für Tierarten.»

Das Projekt in dieser Art sei im Aargau einzigartig, so der Verantwortliche. Erstens der steilen Topografie, zweitens der Dauerbeweidung wegen. Höchstens die Wintermonate verbringen die Ziegen im Stall des Effingerhorts. Normalerweise würden die Tiere, die man für solche Beweidungsprojekte einsetze, von einem Ort zum anderen chauffiert.

Wildverträgliche Ziegen

Vorerst für zwei Jahre werden die Stiefelgeissen, eine von der Pro Specie Rara geförderte Rasse, im Schümel als Naturschutzmitarbeiter eingesetzt. «In dieser Zeit wollen wir Erfahrungen sammeln, auch was das Zusammenleben mit den Rehen anbelangt.»

Forschungen hätten ergeben, dass eine Ziegenbeweidung wildverträglich sei. «Ich habe mit dem Jäger eine Wette abgeschlossen, dass die Rehe im Gebiet bleiben», witzelt Gerber. Jagdaufseher Walter Stübi bleibt skeptisch. Nie würden Rehe über einen Elektrozaun springen.

Aktuelle Nachrichten