Brunegg
Ihr Amt sieht Gemeindepräsidentin als «Ausbrechen aus der Komfortzone»

Seit Anfang Jahr ist die neue Gemeindepräsidentin Ruth Imholz Strinati im Amt. Den Gemeinderat versteht sie als Team. Und obwohl Brunegg die drittreichste Gemeinde im Kanton ist, bleibe keine Zeit, sich auf den Lorbeeren auszuruhen.

Fritz Thut
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Die Brunegger Gemeindepräsidentin Ruth Imholz Strinati vor dem Teambildungsbogen der kürzlichen Klausur. Fritz Thut

Die Brunegger Gemeindepräsidentin Ruth Imholz Strinati vor dem Teambildungsbogen der kürzlichen Klausur. Fritz Thut

Fritz Thut

«Ich habe mich von Anfang an in das Dorf verliebt.» Dies sind gute Voraussetzungen, jetzt die Geschichte der Gemeinde Brunegg zu gestalten. Seit diesem Jahr ist Ruth Imholz Strinati als Nachfolgerin von Kathrin Härdi Gemeindepräsidentin der zweitkleinsten, dafür reichsten Gemeinde im Bezirk Lenzburg.

Ruth Imholz Strinati

Geburtsdatum: 
22. Juni 1973
Geschwister: 
ein älterer Bruder
Zivilstand:
verheiratet
Beruf:
Geschäftsführerin der Non-Profit-Organisation Business Tools AG
Hobbys:
Musik, Singen, Natur, Austausch mit andern Menschen
Lieblingslektüre:
Sachbücher
Lieblingsschauspieler: 
Keiner; im Speziellen.
Lieblingsort in der Gemeinde: 
Steinrüti (am Schlosshang)
Grösster Wunsch: 
glücklich bleiben

Für Imholz, das spürt man im Gespräch sofort, ist die neue Funktion nicht nur eine Führungsaufgabe, sondern eine Herzensangelegenheit. Die 42-jährige Geschäftsführerin ist zwar erst 2009 mit ihrem Mann nach Brunegg gezogen, doch die Identifikation scheint total.

«Vor vier Jahren haben wir uns definitiv entschieden, auf Kinder zu verzichten», gibt die Brunegger Gemeindepräsidentin einen ungewohnt offenen Einblick in ihr Privatleben. Gleichzeitig habe sie sich entschlossen, «mich anderweitig für die Gesellschaft zu engagieren, solange ich über die nötigen persönlichen Ressourcen verfüge».

Aus der Komfortzone raus

Was liegt da näher als eine Aufgabe in der Wohngemeinde? Die Wahl in den Gemeinderat 2013 war da nur folgerichtig und nun in diesem Jahr der Sprung an die Spitze. Ihr Engagement sieht Ruth Imholz als «Ausbrechen aus der Komfortzone», aber auch als Chance, «sich persönlich weiter zu entwickeln».

Als es in Brunegg auf Ende 2014 Präsident und Stellvertreter zu ersetzen galt, sei «ziemlich schnell klar gewesen», dass sie vom verbleibenden Rats-Trio zur Prima inter pares aufrücken sollte. «Ich wäre auch als Gemeinderätin glücklich, doch übernehme ich gerne Verantwortung.»

Die Verantwortung geht einher mit viel Arbeit – vor allem in der Startphase. «Den Aufwand als Präsidentin kann man vorher von aussen fast nicht abschätzen», hat sie nach den ersten Wochen erfahren müssen. An der Spitze muss man nahezu überall Bescheid wissen. «Man muss den Überblick haben, um führen zu können.» Der Satz, der aus einem Kurs für angehende Firmengründer der von ihr geleiteten Firma stammen könnte, gilt natürlich auch für das Quintett, das die 700-Seelen-Gemeinde leitet.

Ruth Imholz versteht den Gemeinderat als Team. Dass dies bei ihr keine Floskel ist, zeigt dass jüngst bei der ersten Klausur in neuer Zusammensetzung die Teambildung das Hauptthema war. Welche Elemente sind wem wie wichtig? Die Antworten auf diese Frage sind auf einer grossen Bogen Packpapier festgehalten und hängen im Gemeinderatszimmer an der Wand.

Die Präsidentin ist von ihrem eigentlich zufällig zusammengesetzten Gremium sehr angetan: «Unser Team ist ganz toll», hat sie schnell festgestellt: «Wir haben das Glück, dass wir alle engagierte und kompromissbereite Teamplayer sind.»

«Extrem begeisterungsfähig»

Für Gemeindeschreiber Werner Huggenberger hat die neue Präsidentin «einen Superstart» hingelegt. Nach der Kennenlern-Klausur habe er «ein sehr gutes Gefühl» für die künftige Zusammenarbeit: «Diese Fünf passen gut zusammen.»

In der gemeinsamen Ratszeit hat die zurückgetretene Kathrin Härdi ihre Nachfolgerin als «genau, gründlich und diszipliniert» kennen gelernt. Politisch passe sie nicht in eine Schublade oder Schablone, sondern sei offen für alle möglichen Lösungswege. Neben dem fachlichen Bereich ist Härdi etwas ganz speziell aufgefallen: «Ruth Imholz ist extrem begeisterungsfähig.»

Handy-Nummern im Internet

In Brunegg, seit wenigen Jahren von Ammerswil als kleinste Gemeinde im Bezirk abgelöst, will die kommunale Regierung mit der Bevölkerung auch in Zukunft den offenen Dialog pflegen. Es ist kein Zufall, dass auf der Gemeinde-Homepage bei allen Gemeinderäten die Handy-Nummern aufgeführt sind. An der ersten Sitzung wurde ein Gemeinderatsknigge verabschiedet, dessen Grundsatz lautet: «Jeder Brunegger ist gleich.» Und für alle Bürger hat man immer ein offenes Ohr.

Neben den Gemeindeversammlungen gibt es in Brunegg jeweils jährlich zwei ungezwungene Polit-Apéros. Mit dieser Einrichtung will der Gemeinderat Volkes Stimme hören zu einem Zeitpunkt, bei dem man bei einem Projekt noch Modifikationen vornehmen kann. Ein solches Frühwarnsystem ist vielleicht in den nächsten Jahren nötig, wenn grosse Veränderungen und Investitionen anstehen.

Es kommen auch Spar-Phasen

In der kürzlich publizierten Zusammenstellung ist Brunegg als drittreichste Gemeinde im Kanton Aargau und reichste Gemeinde im Bezirk Lenzburg aufgeführt. Für die neue Gemeindepräsidentin kein Grund, sich auf den Lorbeeren auszuruhen. «Noch sind wir eine Gebergemeinde, doch es kommt bald eine Zeit, wo wir sparen müssen.» Nach einer Phase der Vermögensäufnung komme nun die Zeit grosser Investitionen: Sanierung Kantonsstrasse und Gemeindeliegenschaften sind da zwei dicke Brocken.

Die anstehenden Ausgaben gehen einher mit einem geplanten Wachstum der Gemeinde. Die Kapazität reicht fast für eine Verdoppelung der Einwohnerzahl; allein im Breitacher entstehen in den nächsten Jahren 50 bis 100 Wohneinheiten. Da macht sich Ruth Imholz Strinati schon jetzt Gedanken über die Integration der Neu-Brunegger: «Wie schaffen wir es, dass die Zuzüger Lust haben, sich fürs Dorf zu engagieren?»

Vielleicht kommen ja lauter Imholz-Strinatis. Solche, die sich in Brunegg verlieben. Und sich gerne engagieren. «Ich habe noch keinen einzigen Tag im Gemeinderat bereut – und ich hoffe, dies auch in zehn Jahren noch sagen zu können.»