Während Daniel Lüem bei den Gesamterneuerungswahlen 2005 just ein Opfer der von ihm mit verfochtenen Verkleinerung des kantonalen Parlaments auf 140 Mitglieder wurde und seinen vom während der Legislatur zurückgetretenen ehemaligen Grossrats-Präsidenten Hans Ulrich Fischer geerbten Sitz räumen musste, machte er nun selbst Platz und gab seinen Rücktritt ein halbes Jahr vor den erstmals im Spätherbst anberaumten Neuwahlen bekannt.

Dazwischen war FDP-Vertreter Lüem 2008 erneut nachgerutscht, diesmal für Ruedi Suter, den Seenger Rektor der Berufsschule Lenzburg. Bei den letzten Gesamterneuerungswahlen wurden die Freisinnigen erneut gebeutelt und der Hendschiker Ammann wurde wiedergewählt, war plötzlich der letzte Mohikaner der FDP – einer Partei, die zwei Amtszeiten davor noch vier Vertreter nach «Aarau» geschickt hatte.

Gemeinde, Betrieb, Familie

Nach total sieben Jahren verliess Daniel Lüem nun das Kantonsparlament. Keineswegs in Zorn und Ärger, wie er im Gespräch in seiner Getränkehandlung beim Hendschiker Bahnhof erläutert. Er setzt die Schwerpunkte neu und führt sein Amt als Gemeindeammann weiter: «Das ist eine Aufgabe, die ich sehr gerne ausübe: Ich setze mich mit Leib und Seele für mein Dorf ein.»

Seit 1998, also bald vier vierjährigen Amtszeiten, führt Lüem die Gemeindeexekutive an. «Auch da erlebt man Höhen und Tiefen. Bei uns läuft enorm viel und jetzt beginnen die früher beschlossenen Massnahmen zu greifen; das Wachstum kommt langsam in Fahrt.» Die Infrastruktur des Dorfes ist weitgehend à jour: «Wir sind in Hendschiken eingerichtet für 1100 bis 1150 Einwohner.»

Neben den Konzentration auf die Arbeit in der Gemeinde will sich der Alt-Grossrat nun auch mehr Zeit für seinen Betrieb («ich hatte niemanden, der während meiner Zeit in Aarau die Arbeit hier erledigte») und die Familie (er ist seit ein paar Jahren Vater eines Buben) nehmen.

«Enorm viel profitiert»

Die Zeit im Grossen Rat bucht Daniel Lüem als erfreuliche Phase: «Ich konnte viele schöne Erfahrungen machen und habe meinen politischen Horizont massiv erweitert.» In «Aarau» erlebte der Hendschiker Ammann dabei Höhen und Tiefen, wie er rückblickend bilanziert. Ein erster Erfolg war der Kampf für die Verkleinerung des Gremiums: «Es ist eine Ironie des Schicksals, dass es just uns Freisinnige mit Sitzverlusten am härtesten getroffen hat.»

Als Niederlagen verbucht Lüem den vergeblichen Kampf gegen ein seiner Meinung nach völlig unnötiges Hundegesetz und früher gegen die Festsetzung der Aufteilung von Kantonspolizei und Regionalpolizeien. Obwohl es in der Region mit der Regionalpolizei gut klappt, hatte er sich damals engagiert gegen dieses Modell gewehrt.

«Am meisten hat mir und der Gemeinde sicher die Vernetzung mit der kantonalen Verwaltung gebracht», listet Lüem in seiner Bilanz den grössten Pluspunkt auf. In letzter Zeit machte sich jedoch punktuell auch Frust breit. «Es ist mühsam, wenn sinnvolle Vorlagen aus ideellen Gründen am Schluss einer tagelangen Debatte am Abend von ganz links und gang rechts versenkt werden.» Doch, auch dies musste Lüem lernen: «Das gehört halt zum politischen Spiel.»

Vom kantonalen Spielfeld verabschiedet sich Lüem nun. Wobei: Ein Comeback schliesst er, mit dem Hinweis auf sein für Parlamentarier doch recht jugendliches Alter, nicht ganz aus.

Doch nun ist er froh, dass er den freisinnigen Sitz des Bezirks Lenzburg der noch jüngeren und entsprechend «hungrigen» Jeanine Glarner übergeben darf: «Der Zeitpunkt meines Rücktritt ist für mich und wahltaktisch sicher gut.»