Dürrenäsch
«Ich möchte wieder mehr Ruhe in unser Dorf bringen»

Andrea Kuzma hat das Amt des Ammanns in schwierigen Zeiten übernommen.

Pascal Meier (Text und Foto)
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Andrea Kuzma-Frei ist als Gemeindeammann von Dürrenäsch gewählt. zvg

Andrea Kuzma-Frei ist als Gemeindeammann von Dürrenäsch gewählt. zvg

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Dürrenäsch hat turbulente Monate hinter sich. Ein Streit um die neue Turnhalle sorgte für rote Köpfe: Der Planungskredit von 150 000 Franken wurde massiv überzogen, das Vertrauen in die Behörden litt. 2016 musste die Gemeinde auf der Sonnenterrasse zwischen Seetal und Wynental zudem zwei Abgänge verkraften: Die Leiterin der Abteilung Finanzen und Steuern kündigte. Gemeindeammann Markus Boos trat nach zweieinhalb Jahren vorzeitig zurück – nicht wegen des umstrittenen Planungskredits, sondern wegen Überlastung. «Ich schaffte es nicht mehr, Zeit frei zu schaufeln, um zu regenerieren», sagte er damals der az.

Nachfolgerin wurde Andrea Kuzma-Frei (SVP). Die heute 40-jährige Buchhalterin sitzt seit 2014 im Dürrenäscher Gemeinderat und wurde im Oktober als Gemeindeammann gewählt. Sie erhielt 279 Stimmen bei einem absoluten Mehr von 156. Ein Glanzresultat für eine Auswärtige, die in Hendschiken aufgewachsen ist und vor zehn Jahren der Liebe wegen von Hendschiken nach Dürrenäsch zog. «Einen Dürrenäscher bringt man nicht vom Dorf weg», sagt Kuzma und lacht. Sie hat die az zu einem Gespräch im Gemeindehaus empfangen. Andrea Kuzma blickt aus dem Fenster und sagt: «Jetzt bin ich selbst eine Dürrenäscherin und lebe sehr gerne hier.»

18,7-Millionen-Projekt geplant

Wohin steuert die Gemeinde Dürrenäsch in den nächsten Jahren mit Andrea Kuzma als Gemeindeammann? «Ich möchte vor allem wieder Ruhe in unser Dorf bringen. Und das Vertrauen in die Behörden zurückgewinnen.» Man sei bereits auf gutem Wege: «Seit die Gemeindeversammlung Ende Jahr den Turnhallen-Kredit doch noch genehmigt hat, ist es ruhiger geworden.»

Ein Schlussstrich sei dies jedoch noch nicht. Das Thema Schulraum bleibt aktuell: Die Schule braucht doppelt so viel Platz, als sie heute hat, und die alte Mehrzweckhalle muss erneuert werden. Dürrenäsch will dafür in Etappen voraussichtlich rund 18,7 Millionen Franken investieren. Das geht nicht ohne Steuererhöhung. Zudem wird der Zonenplan überarbeitet.

Das sind grosse Projekte für die kleine Gemeinde mit rund 1300 Einwohnern. Wie viel Zeit nimmt das Amt des Gemeindeammanns in Anspruch? «Das ist schwierig zu sagen, ich bin mich noch am Einarbeiten», sagt Andrea Kuzma. «Ich schätze rund 40 Prozent.» Zudem arbeitet sie 20 Prozent als Buchhalterin bei der Transportfirma Bertschi AG, der grössten Arbeitgeberin in der Gemeinde.

KV-Lernende wird Ammann

All das ist jedoch zweitrangig, wenn es um die Familie geht. Andrea Kuzma ist ein Familienmensch. «Meine neunjährige Tochter und mein sechsjähriger Sohn dürfen wegen Job und Amt nicht zu kurz kommen.» Mit ihrem Mann, der sie stark unterstützt, hat sie deshalb ein optimales Modell gefunden: Die Mutter arbeitet im Gemeindehaus oder bei Bertschi, wenn die Kinder in der Schule sind. Bei Sitzungen am Abend ist der Vater zu Hause. «Wenn ich zu Hause bin, bin ich nur Mami.» Andrea Kuzma trennt Amt und Familie so gut es geht. E-Mails an die Frau Gemeindeammann werden zu Hause nicht gelesen. Akten stapeln sich höchst selten auf dem Esstisch. «Ich bin stattdessen viel auf der Gemeindeverwaltung und dort erreichbar.»

Die Familie ist ein Grund, warum Andrea Kuzma zuerst zögerte, für das Amt zu kandidieren. Doch die Verantwortung reizte sie. «Ich bin ein Mensch, der gerne etwas bewegt. Und Gemeindepolitik ist faszinierend.»

Dieses Interesse ist nicht zufällig. Als KV-Lernende auf der Gemeindeverwaltung Othmarsingen sammelte sie schon früh Erfahrungen in der Gemeindepolitik. «Die Lehre hat mich sehr geprägt – auch wenn ich damals nicht im Traum daran gedacht habe, selber einmal Gemeindeammann zu werden.»

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