Möriken
«Ich brauchte den Kick, um gehen zu können»: Star-Stylist ist wegen Corona zurück im Aargau

Felix Fischer aus Möriken arbeitete 23 Jahre lang als Stylist in New York. Nun ist er wegen Corona zurück in seiner Heimat. Jetzt verriet er sein Geheimnis vom «Utopia» Aarau.

Marina Bertoldi
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Felix Fischer (54) hat über zwei Jahrzehnte lang in New York die Schönsten frisiert.
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Der Stylist mit der Geigerin Anne-Sophie Mutter.
Selbst Supermodel Gigi Hadid kennt Fischer gut.
Auch die Sportreporterin Steffi Bucheli gehört zu seinen Kundinnen.
Wilde Mähne: Die Opernsängerin Anna Netrebko liess Fischer an ihre Haarpracht.
Auch aus dem Aargau: Das Brugger Model Manuela Frey.

Felix Fischer (54) hat über zwei Jahrzehnte lang in New York die Schönsten frisiert.

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Vom Möriker Coiffeur-Lehrling zum grossen Starfigaro: 23 Jahre lang lebte Felix Fischer in New York, stylte neben zahlreichen Models auch Michelle Obama und Hillary Clinton, war mit Jennifer Lopez drei Wochen auf Südamerika-Tournee. Jetzt hat den ehemaligen Möriker das Heimweh gepackt: Kürzlich ist er in die Schweiz zurückgekehrt – und er will bleiben. Kaum angekommen, ist er schon wieder ein gefragter Mann: In der SRF-Sendung «Persönlich» verriet er am Wochenende, dass er zurzeit im Aargau lebt, erzählte von seiner Kindheit in Möriken und einem Schlüsselmoment in einer Aarauer Disco.

Richtig reingepasst habe er hier früher nicht, sagt der 54-Jährige in der Sendung. «Hätte ich mich damals von aussen gesehen, hätte ich wahrscheinlich gedacht, der hat ‹chli en Egge ab›», so der Mittlere von drei Brüdern. Sein Vater führte damals ein Baugeschäft. Dass Felix Fischer Coiffeur wird, war ein Wunsch der Mutter, die den Beruf selbst gerne gelernt hätte. «Ich habe schon früh Dinge gemacht, die ein Bub nicht macht», sagt er. In der Badi Möriken-Wildegg sass der junge Felix häufig mit einer «Lismete», sein Traumberuf war Balletttänzer. «Ich habe mir nie überlegt, dass das eine Reaktion auslösen könnte», erzählt er heute.

Negative Reaktionen blieben auch weitgehend aus. «Meine Eltern haben mich immer unterstützt», sagt er. Eine Ausnahme war ein Schulkamerad: «Er hat mich jeden Tag gehänselt, rief immer ‹s Meitli chunnt›.» Das sei «etwas mühsam» gewesen, erinnert sich der Hairstylist.

«De Felix vo Mörike» neben J. Lo auf der Rückbank

Als der Traum von der Tanzkarriere platzt, macht Felix Fischer eine Lehre im Möriker Coiffeur-Geschäft Schmid. Die traditionell ausgerichtete Ausbildung habe ihm später bei den Fotoshootings in den Staaten geholfen. «Ich lernte Toupieren, Hochstecken und wie man Wasserwellen macht», sagt er. Mit 21 Jahren fliegt er zum ersten Mal nach New York. Ein krasser Gegensatz zum heimischen Aargau. «In diese dreckige Stadt ziehe ich sicher nie», habe er sich gedacht. Doch es kommt anders. Während 23 Jahren führt er ein zeitweise surreales Leben in Übersee.

«Am Anfang war ich vor Terminen mit Stars so nervös, dass ich eine Beruhigungspille schlucken musste», erzählte er der AZ vor vier Jahren. In besonderer Erinnerung blieb der Moment, als er neben Jennifer Lopez auf der Rückbank einer Limousine zu ihrem Konzert in Puerto Rico fuhr. Über zehn blinkende Polizeiautos, Töffs und mehreren SUVs begleiteten sie. «Da dachte ich plötzlich: De Felix vo Mörike – in San Juan», sagt der Stylist noch heute ungläubig.

Länger hätte er die teure Wohnung nicht mehr zahlen können

Vor vier Jahren verriet Felix Fischer, er überlege, in die Schweiz zurückkommen. Ohne Pandemie würde er, sagt er heute, wohl noch immer damit liebäugeln. «Ich brauchte den Kick, um gehen zu können», erklärte Fischer im Gespräch mit SRF-Moderator Dani Fohrler und Tantra-Masseur Patrick Angele. Arbeit hatte der Stylist in den letzten Monaten keine, viel länger hätte er die teure Wohnung nicht mehr zahlen können.

Zurzeit frisiert Felix Fischer seine Kundinnen und Kunden in einer Suite im Zürcher Nobelhotel Hyatt. Da er noch keine Wohnung hat, ist er bei langjährigen Freunden im Aargau untergekommen. Er erzählt vom Fondue- und Jassabend vor ein paar Tagen und dass er sich unglaublich wohlfühle in der Schweiz. Dani Fohrler spricht ihn auf einen lange vergangenen Abend in der Aarauer Disco Utopia an. Hier verbrachte der Starstylist als Jugendlicher unzählige Wochenenden. Eines Abends fiel ihm ein junger Mann auf. «Jesses Gott, de esch schön schwul», habe er gedacht. Am nächsten Morgen sei ihm klar geworden: «Ich glaube, ich bin auch schwul», sagt er und lacht.

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