Lenzburg
«Hypi» wartet mit neuem Digital-Portemonnaie auf

Marianne Wildi als CEO der Hypothekarbank erklärt, wieso die Wahl auf das System Twint gefallen ist.

Fritz Thut
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Marianne Wildi, CEO der Hypothekarbank Lenzburg, kann im «art cigar» den Kaffee zwar noch nicht per Twint bezahlen, aber az-Redaktor Fritz Thut übermittelt sie einen Franken von Handy zu Handy.

Marianne Wildi, CEO der Hypothekarbank Lenzburg, kann im «art cigar» den Kaffee zwar noch nicht per Twint bezahlen, aber az-Redaktor Fritz Thut übermittelt sie einen Franken von Handy zu Handy.

Chris Iseli

Die Versuchsanlage war einfach: Marianne Wildi, die Vorsitzende der Geschäftsleitung der Hypothekarbank Lenzburg, offeriert den az-Mitarbeitern im Restaurant art cigar in der Lenzburger Rathausgasse einen Kaffee, den sie aus dem neuen digitalen Portemonnaie, also via spezielle Smartphone-Applikation bezahlt.
Doch der Test fallierte. Aber nicht etwa weil das System Twint, dem sich die «Hypi» diese Woche anschloss, nicht funktionierte. Sondern weil die Verantwortlichen der beliebten Smoker-Lounge nichts von der neuen Bezahlart wussten. Und dies, obwohl das «art cigar» auf der Twint-Internetseite als Partnerbetrieb aufgelistet ist.
«Wir gehen der Sache nach», wurde versichert. Und dann wurden der kombinierten az- und «Hypi»-Runde die Getränke offeriert. Als Test wurde von Handy zu Handy eine Überweisung ausgeführt. Problemlos und unkompliziert. Unter Twint-Kollegen können also künftig Spielschulden nach langen Jassabenden bargeldlos beglichen werden.
Digital-Offensive
Das Smartphone ist immer dabei und deshalb drängt sich die Zusatznutzung als digitales Portemonnaie geradezu auf. Die erdverbundene «Hypi» will erklärtermassen auf der digitalen Welle mitreiten und so suchte man nach einem Partner für eine «Portemonnaie»-App.
Angeschlossen hat sie sich dem Programm Twint. «Das Konkurrenzprodukt war zum Implementieren zu aufwändig», so «Hypi»-CEO Wildi. Mit Twint sei die Hypi zudem schneller am Markt gewesen. Und neben rationalen Gründen gibt es auch eher emotionale: «Das ‹look and feel› ist bei Twint viel frischer», so Wildi.
Obwohl die «Hypi» eine eigene Software-Abteilung besitzt und mit der Bankenlösung Finstar nicht nur das eigene Institut, sondern zahlreiche weitere Banken versorgt, kam die Entwicklung eines eigenen Portemonnaie-Programms nicht infrage. Wildi: «Wenn sich selbst eine Firma wie die Swisscom aus diesem Bereich zurückzieht, ist ein solches Vorhaben auch für uns zu komplex.»
Mehrwert für Kunden
Im Rahmen der digitalen Offensive will die «Hypi» jedoch versuchen, «agil an Partner-Projekte anzudocken». Zwei Bedingungen müssen solche Tools jedoch erfüllen: «Für die Bank darf es nicht zu aufwändig sein und unseren Kunden muss es einen Mehrwert bringen.» Bewusst nimmt man dabei in Kauf, dass eine Lösung, die heute angesagt ist und alle überzeugt, morgen schon nicht mehr gefragt ist.
Die Beteiligung am digitalen Portemonnaie (oder «Wallet» wie es auf gut englisch heisst) namens Twint ist nicht Ende, sondern eher Startpunkt von neuen digitalen Tools, welche die «Hypi» ihren Kunden anbieten will. Bereits im Verlaufe des Februars soll das neue «Hypi»-Finanztool des e-Banking-Bereichs auch auf dem Handy über eine App verfügbar sein.
Speziell um den weltweiten Internet-Markt nach möglichen Lösungen für hiesigen Bankkunden zu durchkämmen, hat die Hypothekarbank Lenzburg intern eine «Innovation Lab»-Gruppe installiert. Deren Mitglieder halten Ausschau nach Trends im globalen Finanzmarkt. Gemäss Marianne Wildi ist hier eine kurze Reaktionszeit gefordert: «Es muss schnell gehen. In unserer Branche herrscht heute eine viel höhere Geschwindigkeit als früher.»