«Bi üs müesster wärche!», ruft Francine Jordi ins Publikum. Arbeiten? Mitsingen, klatschen, Hände heben: Das gehört zum Schlagerfäscht, zumal die meisten Melodien bekannt sind, nicht nur das Buurebüebli mit seinen Schunkelvariationen in alle Richtungen. Das Fest brachte am Samstag ein volles, am Sonntag ein nahezu volles Haus. «1800 Besucher», sagt ein zufriedener Ralph Meier, seit den Anfängen vor zehn Jahren der Mann mit den Beziehungen zum Showbusiness.

Die Hypi hält Traditionen hoch. Zwar wurde die Bank jüngst von Finews, dem «Intranet» der Finanzbranche, zur digitalsten Bank 2016 erkoren. Mit der Unterstützung des Schlagerfäschts in Mellingen unterstreicht die Bank die analoge Bodenhaftung und Volksverbundenheit. Keine Kontaktscheu zeigen auch die Künstler auf der Bühne und beim Bad im Publikum. Das Publikum geniesst nicht nur sitzend. Sieben Frauen aus Veltheim, «Mattenrischwyber» nennen sie sich, schwingen ihre Dirndls beim Tanzen im hinteren Teil der Turnhalle.

Erstmals begleitet eine Live-Band die Singenden: die Wolfgang Lindner Band, einschlägig bekannt vom Musikantenstadl. Und ein singendes Quartett lässt schwelgen in den Sechzigern mit süffigen Schlagermedleys. Texte, die, in der Jugend aufgesogen, nie vergessen gehen. Nostalgie. Vorab die Frauen singen inbrünstig mit. Wetten, dass da die eine oder andere Träne verdrückt wurde beim Graf von Luxemburg, beim kleinen Italiener, bei Ramona, roten Lippen, die man küssen muss oder bei Marmor, Stein und Eisen bricht?

Marketingleiter Peter Schöpp von der Hypi: «Wir haben vor zehn Jahren mal ausprobiert, wie ein Schlagerfest ankommt.» Offenbar hat sich die Sache so gut entwickelt, dass es, so Schöpp, «Leute gibt, die bereits wieder ein Ticket fürs nächste Jahr kaufen». Der Aufmarsch gibt ihm recht. Seit der zweiten Auflage ist das Fest in Mellingen; die Filiale feierte damals 50 Jahre.

Die Acts folgen sich im Halbstundentakt. Darunter sind «die neue, raue, sanfte Stimme» René Bisang ebenso wie das 13-jährige Schweizertalent Flavio Rizzello. Oder Semino Rossi, Umberto Tozzi. Michelle Ryser lässt es rocken und Stefan Roos will, dass alle «s Füdle lüpfed». Schlagerfans lassen sich gerne zum «Wärche» animieren.

Wie gefällt Ihnen das Schlagerfäscht und welche Interpreten hören Sie am liebsten?