Lenzburg
«Hutgeld» statt Gage: So viel verdienen die Gaukler in Lenzburg

Statt einer Gage erhalten Strassenkünstler am Lenzburger Gauklerfestival Münz und Nötli vom Publikum. Pro Vorstellung landen so 200 bis 500 Franken im Hut, wie eine Umfrage der az zeigt. Wer die Massen bewegt, kommt auch mal auf über 1000 Franken.

Pascal Meier
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Die Gruppe "plan d" fährt mit geteiltem VW Käfer vor
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Die Gruppe "plan d" fährt mit geteiltem VW Käfer vor
Die Gruppe "plan d" fährt mit geteiltem VW Käfer vor
Auftritt Starbugs Die Gruppe Starbugs bei Ihrem Auftritt auf dem Freischarenplatz.
Gauklerfestival Lenzburg 2013
Auftritt Mr. Markus auf dem Freischarenplatz
Mr-Marcus jongliert mit laufender Kettensäge
Am Festival gibt es Hutgeld statt einer Gage
Das Gauklerfestival zieht viel Volk an
Auftritt Nomad Cirquel (Foto: Pascal Meier)
Gruppe "Hoch4" aus Hallwil
Gruppe "Hoch4" aus Hallwil
Auftritt Nomad Cirquel (Foto: Pascal Meier)
Mr. Markus jongliert mit Vulkan auf dem Kopf
Auftritt Nomad Cirquel

Die Gruppe "plan d" fährt mit geteiltem VW Käfer vor

Pascal Meier

Mr. Marcus ist ein schlauer Fuchs. Mit Schalk und Gespür schart der Strassenkünstler aus Österreich das Publikum um sich. Wer weit hinten steht, den ruft Mr. Marcus herbei. Denn nur bei dichtem Publikum springt der Funke während der Show über.

Ob die Zuschauer für seine Akrobatiknummer schliesslich Feuer und Flamme sind oder abgelöscht weiter ziehen, schlägt sich auch im Geldsäckel nieder. Denn wie die meisten Strassenkünstler am Gauklerfestival bekommt Mr. Marcus keine Gage, sondern nur Kost und Logis bezahlt. Nach der Show geht er deshalb mit dem Hut umher. «Reich wird man nicht, doch es kommt schon etwas zusammen», sagt Mr. Marcus, der jährlich an 50 Festivals auftritt. Die meisten zahlen Gage. «Geld ist aber nicht alles und ich bin gerne im schönen Lenzburg.»

Pro Vorstellung 200 bis 500 Franken

Das Gauklerfestival Lenzburg ist eines der wenigen Veranstaltungen in Europa mit Hutgeld. Nur die Top-Acts erhalten eine Gage (das Hutgeld kommt dem Festival zugute). Eine Umfrage der Aargauer Zeitung unter den Künstler vom Wochenende zeigt: Pro Vorstellung landen zwischen 200 bis 500 Franken im Hut. Reisst eine Gruppe ganze Massen von den Stühlen, kommen auch mal über 1000 Franken zusammen. «Lenzburg ist bekannt für grosszügiges Hutgeld», sagt OK-Chefin Janine Pfister. Eintritt zu verlangen sei deshalb auch in Zukunft kein Thema. «Die Leute sollen geben, was ihnen eine Vorstellung wert ist.»

Dass Lenzburg finanziell ein gutes Pflaster für Strassenkünstler ist, bestätigt das Artistenquartett «Hoch 4» aus Hallwil. Zwar sind die vier Geschwister finanziell nicht auf das Hutgeld angewiesen, ein schöner Zustupf für die Sackgeldkasse ist dies aber allemal. «Am Gauklerfestival Lenzburg sind die Leute sehr grosszügig», sagt Johanna Samek, mit 18 Jahren die älteste der jungen Frauentruppe aus dem Seetal. «Wir müssen jedoch aktiv auf das Publikum zu gehen.» Dass Nesthäkchen Emilia mit ihren 13 Jahren dabei am meisten Münz und Nötli sammelt, wenn sie mit ihren unschuldigen Kinderaugen den Zuschauen den Hut unter die Nase hält, liegt auf der Hand.

Das Hutgeld ist im Gegensatz zur Gage auch ein Leistungslohn. Die Künstler müssen sich deshalb für mehr Geld auch mehr ins Zeug legen. Knallhart zu spüren bekam dies am Wochenende unter anderem das niederländische Duo «plan d»: Ihre Comedy-Nummer mit dem grünen VW Käfer, der plötzlich auseinanderbricht und in zwei Teilen weiterfährt, sorgte zwar zu Beginn für tosenden Applaus, verlor jedoch darauf an Fahrt und damit auch an Publikum. Das Resultat: Läppische 120 Franken im Hut, und dies bei über 200 Zuschauern. «Das ist sehr wenig», sagt Jordi von «plan d» nach einer Vorstellung am Samstagabend, «vor allem, wenn man die Anreise einberechnet.» Spass hatten Jordi und sein Bühnenpartner dennoch in Lenzburg. «Die Atmosphäre ist super.»

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