Hunzenschwil
Was wird mit den 140 Jobs in der neuen Fabrik produziert?

Der Planungsprozess für die Erweiterung des Pharmadienstleisters Carbogen Amcis schreitet voran. Volker Wolfart erklärt die Expansionspläne in Hunzenschwil.

Urs Helbling
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Die Detailplanung wird im Spätherbst beendet sein: Neben der Kantonsstrasse Hunzenschwil–Suhr will Carbogen Amcis ihre Produktionsstätte gross erweitern.

Die Detailplanung wird im Spätherbst beendet sein: Neben der Kantonsstrasse Hunzenschwil–Suhr will Carbogen Amcis ihre Produktionsstätte gross erweitern.

Visualisierung: zvg

Es wird insgesamt 140 neue Arbeitsplätze geben. Der Planungsprozess für die Erweiterung des Standortes Hunzenschwil des Pharmadienstleisters Carbogen Amcis (bisher Bubendorf BL, Aarau) ist weit fortgeschritten. Aktuell liegen in Hunzenschwil der Umweltverträglichkeitsbericht für den sogenannten Incinerator und in Suhr das Baugesuch für einen provisorischen Mitarbeiter-Parkplatz (etwa 150 Plätze) auf. Volker Wolfart, Senior Scientific Advisor bei Carbogen Amcis, erklärt die Hintergründe.

Was macht Carbogen Amcis heute in Hunzenschwil?

Volker Wolfart arbeitet seit 1998 bei Carbogen Amcis.

Volker Wolfart arbeitet seit 1998 bei Carbogen Amcis.

Aargauer Zeitung/zvg

Am Standort Hunzenschwil arbeiten zurzeit etwa 100 Mitarbeitende im Kundenauftrag an der Entwicklung und Produktion von Arzneimitteln. Die Entwicklung umfasst die Optimierung chemischer Prozesse in ökonomischer und ökologischer Hinsicht sowie die damit verbundenen analytischen Untersuchungen.

Was kommt dank der Expansion dazu?

Es wird ein Produktionsgebäude mit vier Produktionslinien samt Warenlager für die Herstellung von Wirkstoffen für innovative Medikamente gebaut. Damit können mit rund 100 neuen Mitarbeitenden Wirkstoffe hergestellt werden, die von unseren Kunden in der Erforschung neuer Medikamente und für die Versorgung von Patienten verwendet werden.

Wann hoffen Sie, mit dem Bau beginnen zu können?

Der Baubeginn hängt im Wesentlichen von der gegenwärtigen Detailplanung ab, die im Spätherbst beendet sein wird. Aufgrund dieser wird dann der effektive Baubeginn festgelegt.

Das Bewilligungsprozedere war und ist komplex: Welche Bewilligungen fehlen jetzt noch?

Die Baubewilligung für den Incinerator ist noch ausstehend. Sie wird von den Fachstellen der Abteilung für Umwelt des Kantons geprüft. Es wurde ein Umweltverträglichkeitsbericht eingereicht, der aufzeigt, dass alle umweltrelevanten Aspekte eingehalten und eine signifikante Reduktion der CO2-Emissionen erreicht werden.

Was muss man sich unter einem Incinerator vorstellen?

Der Incinerator arbeitet wie ein Heizkessel, nur dass an Stelle von Heizöl Lösungsmittel, die bei unserer Produktion als Nebenprodukte erzeugt werden, zur Energiegewinnung verbrannt werden. Mit der erzeugten Wärme wird Strom erzeugt und die Wärme für Produktionsprozesse und zur Gebäudeheizung verwendet. Die Reinheit der Abluft aus der Verbrennung übertreffen die geltenden Vorschriften.

Warum werden die anfallenden Lösungsmittel nicht einfach nach Basel gefahren und dort in einer Grossanlage verbrannt?

Die energiereichen Lösungsmittel ersetzen andere fossile Energieträger und tragen zu einem tieferen CO2-Ausstoss unseres Unternehmens bei. Wir transportieren zudem 60 Prozent weniger Lösungsmittel auf den Strassen.

Ist der Incinerator von Hunzenschwil eine Pionieranlage?

Die Anlage ist keine Pionieranlage, auch wenn sie im Detail an unsere Bedürfnisse angepasst wird. Die Anlage ist «von der Stange» und läuft in ähnlicher Ausführung seit Jahren an vielen Standorten. Unser Partner baut solche Anlagen routinemässig weltweit.

Sie werden gemäss Umweltverträglichkeitsbericht auch Lösungsmittel von Bubendorf nach Hunzenschwil zur Verbrennung bringen. Ist es denkbar, dass auch Drittkunden dazukommen?

Neben den etwa 30 Lastwagen mit Lösungsmitteln pro Jahr aus unserer Anlage in Bubendorf ist nicht geplant, Lösungsmittel von Fremdfirmen zu verbrennen.

Was ist angesichts von Corona die grösste Herausforderung bei der Realisierung des Expansionsprojektes in Hunzenschwil?

Die Pandemie beeinflusst die Planungsarbeiten, weil nur virtuell zusammengearbeitet werden kann. Dadurch sind die Auswirkungen auf den Bau der Anlage selbst für uns nur schwer absehbar.

In welchem Ausmass spürt Carbogen Amcis die Auswirkungen von Corona?

Unser Geschäftsgang leidet bisher nicht stark unter Corona. Die Pharmaindustrie, unsere Hauptkunden, entwickeln weiterhin neuartige Medikamente und unsere Auftragslage ist entsprechend gut.

Gibt es weitere Ausbaupläne bei der Carbogen Amcis-Gruppe?

An allen vier Standorten in der Schweiz sind Erweiterungen in der Grössenordnung von etwa 90 Millionen Franken geplant. Allein am Standort Hunzenschwil wird das bestehende Labor um etwa 40 Arbeitsplätze erweitert.

Ist die Schweiz ein guter Standort für Ihr Unternehmen?

Wir werden von der Gemeinde Hunzenschwil, den anderen Standortgemeinden und den Kantonen fachkompetent und freundlich unterstützt. Wir fühlen uns hier in der Schweiz gut aufgehoben und schätzen die hervorragende Infrastruktur- und Verkehrsanbindung.

Was steht noch auf Ihrer Wunschliste?

Wir hoffen noch auf eine Bushaltestelle in der Nähe unserer Hunzenschwiler Niederlassung und die weitere Optimierung des Anschlusses für Nutzer des öffentlichen Verkehrs.

Was bringt die Pharmakunden von Carbogen Amcis dazu, in der Schweiz arbeiten zu lassen?

Es sind die typischen Schweizer Attribute wie Qualität, Sicherheit und Zuverlässigkeit. Unser Land stellt den Zugang zu hochqualifizierten Mitarbeitenden und ausgezeichneten Dienstleistungen sicher.