Hunzenschwil
Stand-up-Comedian und Podcaster Jozo Brica: «Ich will kein Aushänge-Ausländer sein»

Jozo Brica macht in seiner Freizeit Stand-up-Comedy und einen Podcast – ein Hobby ist es für ihn aber nicht. Der 30-Jährige aus Hunzenschwil über die junge Generation, seine kroatischen Wurzeln und die «Ehe für alle».

Valérie Jost
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Podcaster und Stand-up-Comedian Jozo Brica ist in Gränichen aufgewachsen.

Podcaster und Stand-up-Comedian Jozo Brica ist in Gränichen aufgewachsen.

zvg/Dirk Hoogendoorb Moens

«Der Podcast hat eigentlich als Witz begonnen», sagt Jozo Brica. Der 30-jährige Podcaster und Stand-up-Comedian spricht von «Çay» (türkisch für «Tee»), «em stabilste Podcast vo de Schwiz». Diesen hat er vor gut zwei Jahren, kurz vor der Pandemie, mit einer Gruppe Freunden gestartet. «Irgendwann fanden wir einfach, wir quatschen ja sowieso die ganze Zeit, das könnten wir ja auch aufnehmen», so der in Gränichen aufgewachsene Hunzenschwiler. Er kaufte sich ein Mikrofon, seither gibt es jeden Mittwoch und gelegentlich am Sonntag eine neue Folge – 93 sind es inzwischen. Regelmässig werden auch Gäste eingeladen.

Der Podcast wird auf Spotify beschrieben als eine «Mischung aus Shishabar-Gesprächen, im Pausenraum lästern und draussen auf den Bänken diskutieren». Gescripted sind die Folgen nicht; er mache sich höchstens mal ein paar Notizen zu Themen, die ihm wichtig seien, so Jozo. Das kann etwa die «Ehe für alle» sein, zu der er auch mehrmals auf seinem Instagram-Profil postete: «Ich sehe keinen Grund, das nicht anzusprechen, es ist ja unser Podcast. Und auf Hörerinnen und Hörer, die dagegen sind, können wir verzichten.»

Zur Sprache kommt aber auch etwa die Coronapolitik. Dafür war Jozo kürzlich sogar zu Gast im «SRF Club», wo er mit seinen kroatischen Wurzeln eine junge Generation von Schweizern mit Migrationshintergrund vertrat und verteidigte – eine Gruppe, die zeitweise in der Kritik stand, massnahmen- und impfkritisch zu sein.

Fast keine Tabuthemen im Podcast

«Meine Wurzeln sind ein Teil von mir und bieten auch Inspiration», so Jozo. Doch eine tragende Rolle spiele das Thema im Podcast nicht: «Ich mache keine Standard-Ethnocomedy», stellt er klar. «Ich will kein Aushänge-Ausländer sein. Meine Generation ist auch keine Kaya-Yanar-Generation mehr», und spielt damit auf den deutschen Comedian an, dessen Programm oft auf seinen türkischen Wurzeln beruht. Und das Feedback der Hörerinnen und Hörer von «Çay» gebe ihm recht, so Jozo: «Wir treffen scheinbar den Geist der jungen Generation, die sehr oft missverstanden wird.»

Tabuthemen gebe es im Podcast fast nicht, so Jozo. Aber: «Ich sage nichts über andere Menschen, was ich ihnen nicht auch ins Gesicht sagen würde.» Bei lustigen Geschichten, etwa wenn es um Dating gehe, werden die betroffenen Personen aber vorgängig um Einverständnis gefragt. «Denn selbst wenn wir keine Namen nennen, erkennt sich die Person selbst ja trotzdem. Und das kann natürlich unangenehm sein.»

Sein Ziel ist es, von der Comedy zu leben

Ein Hobby ist der Podcast für Jozo schon lange nicht mehr – obwohl er nach wie vor 100 Prozent im Büro arbeitet. Sein Job sei ein guter Ausgleich zur Freizeit, die er zu einem grossen Teil für die Comedy einsetzt. «Ein fernes Ziel wäre es schon, immer besser zu werden und einmal davon leben zu können», so Jozo.

Bis dahin produziert er weiter, plant Auftritte und organisiert auch selber. Momentan freue er sich etwa sehr auf einen Aarauer Comedy-Abend im Boiler Club, den er zum zweiten Mal organisiert: «Darauf bin ich stolz, denn das fehlte in der Region bisher. So haben wir auch bei uns im Aargau etwas Cooles und müssen nicht immer für alles nach Zürich.»

«Nachtschicht» Open Mic Comedy im Boiler Club Aarau: 20. Januar, 19:30 Uhr.

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