Neuer Name
Hol(derbank) bleibt eine Weltmarke

Der Zementkonzern Lafarge-Holcim wird in Holcim umbenannt. Am Stammsitz arbeiten noch 280 Angestellte.

Urs Helbling
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Lafarge-Holcim in AG Kehrsiten.

Lafarge-Holcim in AG Kehrsiten.

Manuela Jans-Koch | Lz

Bis 2001 hiess der Schweizer Zementriese noch «Holderbank» – so wie die Gemeinde, in der sein erstes Zementwerk stand. Dann wurde der vom Milliardär Thomas Schmidheiny dominierte Konzern ein erstes Mal umbenannt: in Holcim, ein Kunstwort bestehend aus «Holderbank Cement und Beton (HCB)» und dem französischen Wort «ciment». Der Kunstname sei gewählt worden, weil der ursprüngliche Name Holderbank für einen Weltkonzern «als nicht mehr angemessen galt», schreibt die «NZZ». Immerhin hat das «Hol» überlebt. Auch im Sommer 2015, als das Unternehmen sich mit dem französischen Lafarge-Konzern zusammenschloss. Um den Eindruck einer Fusion unter Gleichen zu erwecken, wurde fortan der sperrige Doppelnamen «Lafarge-Holcim» verwendet.

«Auch Lafarge stand zur Diskussion»

Jetzt scheint die Zeit der politischen Rücksichtnahmen abgelaufen zu sein. Und damit ist der Weg frei für eine Vereinfachung des Holdingnamens. Holcim war dabei nicht gesetzt, das Hol(derbank) sogar vom Verschwinden bedroht. «Auch die Umbenennung in Lafarge stand zur Diskussion», weiss die Anlegerzeitung «Finanz und Wirtschaft». Schliesslich habe der höhere Markenwert des Namens der Schweizer Gesellschaft den Ausschlag für Holcim gegeben.

Der neue Name muss noch von der Generalversammlung vom 4. Mai abgesegnet werden. Der Verwaltungsrat empfiehlt, «den Firmennamen aufzufrischen und zu vereinfachen, um ihn effizienter und wirkungsvoller zu gestalten».

Die Holding zahlte nie in Holderbank Steuern

Gleichzeitig soll der Sitz des Zementriesen nach Zug verlegt werden. Dabei spielt auch Steueroptimierung eine Rolle. Etwas, dass schon zu «Holderbank»-Zeiten ein Thema war – und sich nicht zum Vorteil der Gemeinde Holderbank und des Kantons Aargau auswirkte. Während Jahrzehnten war der Konzern in Glarus domiziliert. Die 1912 gegründete «Holderbank Financière Glarus AG» profitierte von den günstigen Glarner Holding-Steuersätzen. 2001, gleichzeitig mit der ersten Namensänderung, erfolgte der Wechsel nach Jona SG. Und jetzt wird das Steuerdomizil an den neuen Hauptsitz in Zug verschoben. Dorthin, wo aktuell 140 der «Lafarge-Holcim»-Angestellten arbeiten.

Das sind deutlich weniger, als aktuell in Holderbank tätig sind: Zurzeit sind es laut Medienstelle etwas mehr als 280 Personen. Bei der Fusion im Jahr 2015 waren es noch 350. Es wurden dann massiv Jobs abgebaut, aber 2018 auch welche von Zürich nach Holderbank verlegt.

In Holderbank hat es ausschliesslich Leute, die direkt für den Konzern arbeiten (also nicht für die Tochtergesellschaft Holcim Schweiz, die an 55 Standorten, etwa im Zementwerk Siggenthal, 1200 Mitarbeiter hat). Die Angestellten in Holderbank arbeiten mehrheitlich in der Holcim Technology (HTEC). Es sind primär Jobs für hochqualifizierte Fachkräfte. In Holderbank hat der Konzern aktuell weder Ausbau- noch Abbau-Projekte. «Zum jetzigen Zeitpunkt sind keine Veränderungen geplant», erklärt eine Sprecherin.

Zementfabrik Mitte der Siebzigerjahre geschlossen

Die Zementfabrik am 14. Oktober 1948.

Die Zementfabrik am 14. Oktober 1948.

Bild: ETH-Bildarchiv

Der Holcim-Konzern entstand letztlich aus der Zementfabrik, die 1913 in Holderbank ihren Betrieb aufgenommen hat und lange wegen ihrer Staubemissionen berüchtigt, aber für die Gemeinde auch eine gute Einnahmequelle war (trotz Holdingsitz in Glarus). Ein entsprechender Tiefschlag war Mitte der Siebzigerjahre die Schliessung des Zementwerks.

Neben den verbleibenden Jobs des Holcim-Konzerns sorgte Fixit (ehemals Gipsunion) ab 1982 für neue Arbeitsplätze im Holderbanker Schachen. Die Firma (schweizweit 197 Mitarbeiter) hat dort ihren Hauptsitz.