Wann Beinwil am See das letzte Mal ein kombiniertes Dorf- und Jugendfest hatte, weiss Gemeindeammann Peter Lenzin schon gar nicht mehr so genau. «Denn das kommt selten vor», sagt er.

Dieses Wochenende ist es nun wieder so weit. Dass dieses Jahr alles ein bisschen grösser wird, ist auch alt Bundesrat Hans-Rudolf Merz nicht entgangen. Am Samstag wird er um 12 Uhr den Apéro nach dem Umzug besuchen. «Wegen einer Sitzung schafft er es leider nicht früher», erklärt Lenzin. Merz ist von Kindsbeinen an mit Beinwil am See verbunden.

Denn obwohl er in Herisau geboren ist, wo er auch heute noch lebt, heisst der Heimatort von Merz Beinwil am See. «Hans-Rudolf Merz hat zwar nie hier gewohnt, war aber dennoch immer mit der Gemeinde verbunden, ist etwa Mitglied im Verein Ortsbürger», erzählt Lenzin.

Das Fest, das Merz erleben wird, steht unter dem Motto «Bau(m)welten». Die Bauwelt, das ist die der vielen Bauprojekte von Privaten und der öffentlichen Hand. Letztere kann die erfolgreichen Sanierungen der Häsigasse, der Hombergstrasse, des Löwen und den Bau der Erschliessungsstrasse für die Feuerwehr verkünden. Und die Baumwelt erinnert an eine grosse Diskussion aus dem letzten Jahr: Die Krähenkolonie im Häxewäldli in Beinwil am See ist in kurzer Zeit von fünf auf fünfzig Nester angewachsen, es war die grösste Krähenkolonie im Kanton.

Lärm und Kot auf den Spazierwegen waren die Folge, was viele Beinwiler störte. Forderungen nach Abschüssen wurden laut, andere wollten, dass die von den Krähen besetzten Bäume gestutzt oder gar gefällt werden. Doch weil sich die Krähen-Freunde ebenfalls zahlreich einsetzten, ist am Ende nichts passiert und so nisten diesen Sommer sogar noch mehr Krähen im Häxewäldli, berichtet der Forstbetrieb aargauSüd.

Die Krähen mit Sicherheit übertönen wird heute Abend das Glockengeläut, mit dem um 18 Uhr das grösste Fest seit langem eröffnet wird. Gleich vier Zelte stehen für dieses auf der Häsigasse und der Plattenstrasse bereit.

Dazu kommen zwei Getränke- und etwa ein Dutzend Essensstände, die alle von Vereinen aus dem Dorf betrieben werden. Sie bieten von der Bauernbratwurst bis zu syrischen Auberginen-Kebabs alles, was der Magen begehrt. Zwischen den Ständen wird ein Gaukler unterwegs sein, bis schliesslich um 22.30 Uhr ein Feuerwerk den Beginn des Jugend- und Dorffests weitherum sichtbar verkündet. The Ringos sorgen für die passende Musik und je nach Stimmung könnte das Fest bis um zwei Uhr nachts dauern, sagt Peter Lenzin.

Im «Seetaler» dem Ufer entlang

Am Samstag wartet ein Ganz-Tages-Programm, das um 10 Uhr mit dem Umzug startet. 260 Kinder nehmen teil, begleitet von Lehrern und Vereinen. Danach wartet auf die Jüngeren ein Foxtrail, ein weiterer Gaukler und einiges mehr. Für die Grösseren bietet sich ausserdem an beiden Tagen eine Jugenddisco an, bevor am Sonntag ein Gottesdienst den Schluss macht. Damit es auch am Samstag raucht und lärmt, kommt extra aus Hochdorf der Verein Historische Seethalbahn angereist.

Ab 12.12 Uhr bietet er mit einer historischen Zugskomposition, die vom Seetaler Krokodil gezogen wird, stündlich eine dreissigminütige Fahrt nach Birrwil und zurück. Um 19.15 Uhr folgt dann eine ausgiebigere Sonnenuntergangsfahrt. Und wer will, kann um 22.14 Uhr mit Halt in Hitzkirch zurück nach Hochdorf mitfahren, wo die historische Zugskomposition wieder sicher in der Remise unterkommt.

Das Seetalkrokodil ist die einzige noch existierende Lokomotive dieses Modells. Seine beiden Schwesterlokomotiven wurden bereits 1983 verschrottet. Sie alle wurden in den 20er-Jahren speziell für die steile Seetalbahn entwickelt. Und erst seit 2016 ist das letzte existierende Seetalkrokodil wieder zurück im Seetal.

Insgesamt sind für die Organisation des grossen Fests über hundert Personen auf den Beinen, erzählt Peter Lenzin. Ein Besuch lohnt sich also. Auch, weil die beiden Feste, die nun zusammen stattfinden, nur alle vier Jahre organisiert werden.