Bezirksgericht Lenzburg
Hohe Busse wegen vereister Autoscheibe – auch der Einspruch wurde teuer

Weil eine 56-Jährige den Strafbefehl nicht akzeptierte, landete der Fall vor Gericht. Die Busse wurde vom Bezirksgericht Lenzburg zwar gesenkt. Auf die Beschuldigte kommen trotzdem hohe Kosten zu.

Anja Suter
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Vereiste Windschutzscheibe: Gut Putzen lohnt sich, sonst kann es teuer werden. (Symbolbild)

Vereiste Windschutzscheibe: Gut Putzen lohnt sich, sonst kann es teuer werden. (Symbolbild)

Thinkstock

Es ist schnell passiert. Am Wintermorgen steht man vor dem Auto, die Scheiben sind vereist, es ist es kalt und vielleicht ist man auch noch spät dran. Was folgt, ist die Abwägung zwischen der Sicherheit und der Bequemlichkeit. Elena (Name geändert) kratze an einem Morgen im Januar 2019 die vereisten Scheiben ihres Autos zwar frei, aber nicht vollständig. Nach 400 Metern Fahrt sollte die 56-Jährige die Entscheidung jedoch bereuen: Dort wurde sie von der Polizei angehalten.

Weil die Raumpflegerin den Strafbefehl nicht akzeptierte, landete der Fall vor dem Bezirksgericht Lenzburg und Gerichtspräsident Daniel Aeschbach. Elena bestritt nicht, dass sie die Fenster ungenügend vom Eis befreit hatte. Weil es so kalt gewesen sei, sei es nur schwer gegangen, erklärte sie Daniel Aeschbach. «Ich weiss aber, dass es meine Schuld war», fügte Elena an. Einspruch eingelegt habe sie wegen der Höhe der Busse. Gemäss Strafbefehl wurde Elena zu einer bedingten Geldstrafe von 30 Tagessätzen zu je 100 Franken verurteilt. Sicher bezahlen müsste sie eine Busse von 700 Franken und die Strafbefehlsgebühr von 1100 Franken. Das Billett musste Sie bereits für einen Monat abgeben. «Ich hatte lange daran zu nagen, dass mir so etwas passiert ist», sagte sie.

Elenas Verteidiger forderte einen Freispruch für seine Mandantin. «Die Frontscheibe war zu einem grossen Teil freigekratzt», sagte er. Seine Klientin sei auch nicht sehr gross und es mache deswegen keinen Sinn, dass sie die Scheiben bis oben kratze. Zudem habe Elena die Scheiben vom Eis befreit, ohne dabei den Motor laufen zu lassen, was notabene verboten sei. «Sie wollte alles richtig machen, weil der Fahrraum aber noch kalt war, haben sich die Scheiben kurze Zeit später wieder beschlagen», sagte der Anwalt.

Nicht rücksichtslos, aber mit Vorsatz gehandelt

Er fordere aber nicht primär einen Freispruch, sagt der Anwalt. «Die Busse ist aber zu hoch angesetzt und muss hinterfragt werden.» Man könne in diesem Fall auch nicht von einem Vorsatz sprechen. «Meine Mandantin hat angenommen, dass die Scheibe genügend gekratzt sei.»

Daniel Aeschbach sprach Elena der einfachen Verkehrsverletzung schuldig. Sie habe sich zwar nicht rücksichtlos verhalten, «aber ein Vorsatz ist hier gegeben», sagt er. Dies, weil sie aus Annehmlichkeit nur 60 Prozent der Scheiben von Eis freigekratzt habe. Der Gerichtspräsident reduzierte die Busse auf 500 Franken. Zusätzlich muss Elena drei Viertel der Verfahrenskosten von rund 928 Franken und eine reduzierte Anklagegebühr von 700 Franken zahlen. Die Anwaltskosten gehen zu einem Viertel zu Lasten der Staatskasse, den Rest muss Elena aus eigener Tasche zahlen.