Sobald dicke Regenwolken aufziehen, richten die Angehörigen der Feuerwehr Chestenberg beunruhigte Blicke in den Himmel. «Nicht schon wieder», stöhnte Vizekommandant Roger Häusermann am letzten Dienstag, als um 6.10 Uhr die Alarmmeldung einging, die Unterführung in Richtung Auenstein werde erneut geflutet. «Um halb sieben war die Unterführung bereits wieder voll Wasser. Die Verkehrsgruppe wurde aufgeboten, um die Strasse zu sperren und den Verkehr umzuleiten.»

Bereits am Freitag vorher war die Feuerwehr im Einsatz gewesen. Infolge der starken Regenfälle hatte man das Rohr beim Paradiesbrüggli neben der Schulanlage Hellmatt vorsorglich angehoben; es würde sonst von Schwemmgut weggerissen. Kurz nach Mitternacht zeigte sich, dass der Aabach nicht mehr genügend Platz in seinem Bett hatte und sich in die Unterführung ergoss. Bereits um ein Uhr nachts war diese platschvoll, sodass die Strasse nach Auenstein gesperrt und der Verkehr umgeleitet werden musste. Rund 5 bis 6 Stunden dauerte es, das Wasser wieder aus der Unterführung herauszupumpen. «Wir hatten dazu die zwei grossen Pumpen der Zementi zur Verfügung, die je 10 000 Liter Wasser pro Minute pumpen. Dazu kamen unsere eigenen Motorspritzen», erklärt Einsatzleiter Roger Häusermann. Am Samstagnachmittag konnte die Unterführung wieder für den Verkehr freigegeben werden. Drei Tage später wiederholte sich das gleiche Szenario; diesmal dauerte es rund 12 Stunden, bis die Strasse wieder frei war.

«Das Problem ist nicht die Unterführung», stellt Häusermann fest. Die könne man einfach leerpumpen und reinigen. Schlimmer könnte es für die neue Überbauung Jurapark ausgehen. Das Wasser auf dem Gelände der Überbauung stand rund 30 Zentimeter hoch. «Wir konnten jedoch die Eingänge mit Sandsäcken schützen und so das Schlimmste verhindern», erklärt Häusermann. Auch die Mauer entlang der Strasse wurde mit Sandsäcken erhöht.

Doch wie konnte es überhaupt so weit kommen? Immerhin wurde der Aabach erst kürzlich renaturiert, nicht zuletzt mit dem Ziel, in Zukunft solche Überschwemmungen zu verhindern. «Dass dies nun trotzdem geschehen ist, damit hat niemand gerechnet.» Es gebe dafür mehrere Gründe, führt Häusermann aus. Das Aabachbett sei zwar breiter geworden, aber man habe dessen Sohle angehoben, um den Fischen den Weg zum Hallwilersee zu erleichtern. Der Ablauf des Hallwilersees habe dazu geführt, dass der Aabach sehr viel Wasser führte, und auch die Bünz, die an dieser Stelle mit dem Aabach zusammenfliesst, brachte sehr viel Wasser mit sich. Gleichzeitig führte die Aare ebenfalls Hochwasser, sodass die Fluten der beiden Bäche zurückgedrängt wurden. Das Wasser suchte sich einen Weg und fand ihn in der Unterführung.

Es gibt aber noch ein weiteres Problem: Das neu gestaltete Ufer des
Aabachs besteht aus einem Erdwall, der bachseits mit grossen Steinen versehen ist. Dieser Erdwall war nun unterspült worden und musste von der Feuerwehr mit Paletten und Sandsäcken verstärkt werden. «Hier muss baulich unbedingt etwas getan werden», warnt Roger Häusermann. Wenn es noch ein- oder zweimal zu einem solchen Hochwasser komme, dann sei der Erdwall weg.

Er und mit ihm die Feuerwehr Chestenberg hofft nun auf besseres Wetter. Vorsichtshalber haben sie jedoch die Sandsäcke noch liegen lassen. Man weiss ja nie.