Lenzburg

Hitziger Prozess bei 31 Grad im Gerichtssaal: Verprügelter Badmeister lenkt ein

Im Sommer 2015 ist es in der Badi Lenzburg zu einer Schlägerei zwischen dem Badmeister und dem Ex-Pächter gekommen. Vor dem Bezirksgericht Lenzburg einigen sich auf 1500 Franken Entschädigung.

Im Sommer 2015 hat der Ex-Pächter der Badi Lenzburg den Badmeister verprügelt. Vor dem Bezirksgericht Lenzburg einigen sich auf 1500 Franken Entschädigung.

Der Ex-Pächter der Badi Lenzburg soll im Sommer 2015 einen Bademeister spitalreif geprügelt haben. Bei 31 Grad im Saal des Bezirksgericht Lenzburgs lagen die Nerven am Donnerstag blank – doch dank der Hitze kam es zum Vergleich.

«Eigentlich hätte ich einen Augenschein anordnen sollen», sagte Gerichtspräsident Daniel Aeschbach zu Beginn des Prozesses. «Dann hätten wir die Verhandlung im kühlen Wasser halten können.» Denn der Ort des Geschehens, das Zivil- und Strafkläger André Schoch und den Beschuldigten A. vor das Bezirksgericht Lenzburg geführt haben, war die Badi Lenzburg.

Im Mai 2015 war Schoch als Hilfsbadmeister im Schwimmbad angestellt. An einem Sonntagmorgen soll es im Technikraum zum handfesten Streit zwischen Schoch und A. gekommen sein. A. arbeitete damals im Badirestaurant, wo sein Vater wirtete. «Was ist genau passiert?», will der Gerichtspräsident wissen. Schoch holt aus. Erzählt vom Geburtstagsfest, das er Tage zuvor in der Badi gefeiert hatte. Wie es wegen des Geldes für den Apéro zu Unstimmigkeiten zwischen der Wirtefamilie und ihm gekommen sei.

Tatablauf bleibt unklar

Der Vater von A. sitzt auf der Besucherbank und versucht gar nicht, sich zurückzuhalten. Er schnaubt, haut sich mit der Hand auf den Oberschenkel, flüstert seiner Frau aufgeregt ins Ohr. Aeschbach muss sich keine Mühe geben, ihn rauszuwerfen, erleichtert verlässt er nach einer Ermahnung den Saal. Der Kläger dagegen fordert mehr Geduld. Auch nach mehrmaligem Nachfragen ist nicht klar, was im Technikraum vorgefallen ist.

«Das geht nicht spurlos an einem vorbei», sagt Schoch. Noch heute befalle ihn ein ungutes Gefühl, wenn er an der Badi vorbeifahre. Er spricht in langen Sätzen, mal leise, mal lauter, mit vielen Kunstpausen und Gesten. Die Luft im Gerichtssaal ist so zäh wie die Befragung. «Er hat mich an die Wand gestossen und mich mit der Faust geschlagen», sagt Schoch, während die Schweissflecken auf den Hemden der Männer immer grösser werden. Damals diagnostizierten die Ärzte beim Badmeister eine Abrissfraktur am Kiefer, einen abgebrochenen Zahn und eine schwere Hirnerschütterung.

Fragwürdige Verletzungen

«Jetzt habe ich ein Problem», sagt Aeschbach. «Laut dem medizinischen Gutachten sind Ihre Verletzungen nicht bei diesem Vorfall entstanden.» Niemand habe bestätigen können, dass A. den Badmeister mit der Faust traktiert habe. Schoch wird laut. «Solche Verletzungen kann ich mir doch nicht selbst zufügen.» Ein Schweisstropfen rollt über seine Schläfe. Es kommt zur Diskussion zwischen dem Gerichtspräsident und dem Badmeister. Aeschbach gewinnt, indem er sich nicht unterbrechen lässt. «Meine Aufgabe ist es, die Wahrheit herauszufinden», sagt er. Schoch richtet sich im Stuhl auf und schaut Aeschbach lange in die Augen. «Jetzt fühle ich mich als Opfer» – er macht eine Pause – «des Gerichts». Aeschbach versucht vergebens, den Kläger wieder zurück zum Fall zu lenken. «Ein Affront, diese Fragen. Eigentlich möchte ich die Sache hinter mir lassen und mit dem Beschuldigten ein Bier trinken», sagt Schoch.

Aeschbach, erfreut über diesen Vorschlag, schlägt einen Vergleich vor. Doch Schoch hegt Groll gegen den Gerichtspräsidenten. Da kann sich der Anwalt des Beschuldigten nicht mehr zurückhalten. «Ich bewundere ja Ihre Elefantenhaut», sagt er zu Aeschbach. «Aber so kommen wir hier nicht weiter.» Er versucht, Schoch einen Vergleich schmackhaft zu machen. Nach einer Pause und einer Besprechung hinter verschlossenen Türen unterschreibt Schoch eine Vereinbarung. A. soll ihm 1500 Franken zahlen, damit er den Strafantrag zurückzieht. Erleichterung auf der Zuschauerbank. «Es ist mittlerweile 31 Grad heiss», sagt Aeschbach mit einem Blick auf das Thermometer. Dann zieht er ein weiteres Utensil hervor. «Wenn ein erfolgreicher Vergleich zustande kommt, mache ich gern einen akustischen Schlusspunkt», sagt er und lässt den Holzhammer auf das Pult knallen. Damit ist der bisher heisseste Prozess des Jahres beendet.

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