Meisterschwanden
Historische Veränderung: Der Meitlimontag soll auf Samstag verschoben werden

In Meisterschwanden bahnt sich eine historische Veränderung an: Die Tradition der Meitlitage soll der Zeit angepasst und der Meitlimontag auf den Samstag vorverschoben werden. Kritiker sprechen von einem unnötigen Bruch mit der Tradition.

Pascal Meier
Merken
Drucken
Teilen

Der Kinderball und die Jugend-Disco vom Meitlimontag würden gemäss diesen Plänen zwei Tage früher stattfinden, genauso das Maskentreiben der «Meitli» in den Dorfbeizen. Das Programm von Meitlidonnerstag und Meitlisonntag bleibt unverändert.

Umgesetzt werden soll diese Änderung an den Meitlitagen 2015 – vorausgesetzt, die Generalversammlung der Meisterschwander Meitlisonntagsvereinigung stimmt übermorgen am Meitlidonnerstag dem Antrag des Vorstandes zu.

Brauch soll gestärkt werden

Fahrwangen nicht betroffen

Die geplante Änderung der Meitlitage hat keinen Einfluss auf Fahrwangen, deren Meitlisonntagsvereinigung den Montagabend bereits vor ein paar Jahren abgeschafft hatte. Den Brauch feiern die Fahrwanger «Meitli» gleichzeitig, aber unabhängig von Meisterschwanden. Die Frauenherrschaft beginnt am Donnerstag mit dem Eintrommeln der Tambouren. Anschliessend halten die Frauen in beiden Gemeinden ihre Generalversammlungen ab; dies in den Roben ihrer Gross- und Urgrossmütter. Dann gehts mit den berühmten Grasbogen in den Restaurants auf Männerfang: Wer ins Netz geht, zahlt eine Runde. Am Meitlisonntag wird nochmals gefeiert. Um Mitternacht ist in Fahrwangen Schluss, in Meisterschwanden geht das Maskentreiben am Meitlimontag abends weiter - ob 2014 zum letzten Mal, entscheidet die Generalversammlung. (pi)

Laut den Befürwortern der Verschiebung gibt es gute Gründe dafür: Zum einen schwindet die Zahl der Frauen und Männer, die jeweils am Meitlimontag teilnehmen.

«Immer mehr Einheimische arbeiten ausserhalb von Meisterschwanden und haben deshalb am Meitlimontag nicht frei», sagt Manuela Schneiter, Präsidentin der Meitlisonntagsvereinigung. Als Folge davon sei der Montag für die wenigen noch verbleibenden Beizen auch nicht mehr lukrativ.

Die Verschiebung des Meitlimontags sei zudem schon seit längerem ein Thema. «Mehrere Frauen und auch Männer sind mit der Bitte an den Vorstand gelangt, den Meitlimontag auf Samstag zu verschieben», so Schneiter. Da auch schriftliche Anträge eingegangen seien, werde nun am Donnerstag an der Generalversammlung darüber abgestimmt.

Der Vorstand steht hinter dieser Änderung: «Wir wollen so unseren wunderschönen Brauch im Seetal am Leben erhalten und stärken», sagt Manuela Schneiter – und gibt dennoch zu bedenken: «Dieser Schritt fällt mir persönlich nicht leicht. Es geht immerhin um eine Tradition.»

Kritik an geplanter Verschiebung

In der Bevölkerung stossen diese Pläne nicht nur auf Zustimmung. Hört man sich im Dorf um, so haben vor allem ältere Meisterschwander Mühe damit, dass die Meitlitage «auf den Kopf gestellt werden sollen», wie eine Frau der az sagte.

Kein Verständnis für diese Änderung hat auch Yvonne Fischer, die früher selbst rund 20 Jahre im Vorstand der Meitlisonntagsvereinigung war.

«Der Samstag hat im Meitlisonntags-Brauch nichts zu suchen», sagt sie. «Es gab schon immer Höhen und Tiefen, aber stets konnte man den Brauch attraktiv gestalten, ohne ins traditionelle Geschehen einzugreifen.»

Wenn man einen Brauch erhalten wolle, dürfe man diesen nicht verändern. «An der Fasnacht kann man auch nicht den Güdismontag auf Samstag verschieben, nur weil dann mehr Leute kommen.»

Brauch hat sich bereits verändert

Bleibt der Montag schulfrei?

Obwohl der Meitlimontag nur in Meisterschwanden und teilweise in Fahrwangen einen Stellenwert hat, freuen sich auch die Schülerinnen und Schüler der Nachbargemeinden Bettwil und Sarmenstorf über einen schulfreien Tag. Denn am Meitlimontag ist die gemeinsame Kreisschule Oberes Seetal geschlossen; genauso wie die örtlichen Primarschulen und Kindergärten. Die geplante Verlegung des Meisterschwander Meitlimontags auf den Samstag wirft deshalb die Frage auf: Würde dieser Tag auch als «Montag ohne Meitli» schulfrei bleiben? Manuela Schneiter, Präsidentin der Meisterschwander Meitlisonntagsvereinigung, kann dies derzeit noch nicht abschätzen. «Die Frage stellt sich erst, wenn die Generalversammlung am Donnerstagabend der Verschiebung zugestimmt», sagt Schneiter. Dann sei dies Sache der einzelnen Gemeinden und Schulen. «Wir haben darüber keine Entscheidungsgewalt.» (PI)

Manuela Schneiter hat Verständnis für diese Argumentation, hält jedoch fest: «Ich glaube, man darf an einem Brauch rütteln, wenn sich dieser in der Geschichte schon mehrfach verändert hat.»

Die Präsidentin der Meitlisonntagsvereinigung spielt damit auf die bewegte Vergangenheit des Brauchs an, dessen Ursprung nicht restlos geklärt ist.

So steht nirgends schwarz auf weiss, woher der Brauch genau stammt und warum ein Teil davon ausgerechnet am Montag stattfindet. «Hier gibt es neben dem 2. Villmergerkrieg von 1712 als Ursprung auch andere Theorien.»

Die Verschiebung auf Samstag sei deshalb zu verantworten. Manuela Schneiter: «Wir ändern ja nicht den Brauch, sondern nur den Tag.»

Für Yvonne Fischer macht dies keinen Unterschied: «Der Meitlimontag findet seit vielen Jahren traditionell am Montag statt. Und Traditionen soll man schützen.»

Gemeinderat bleibt neutral

Ob diese Tradition mit oder ohne Verschiebung des Meitlimontags geschützt werden soll, liegt jetzt in den Händen der Generalversammlung.

Wie die «Meitli» stimmen werden, darüber kann Manuela Schneiter nur spekulieren. «Es wird extrem spannend», sagt sie. «Es kann auf die eine oder andere Seite kippen.»

Der Gemeinderat übrigens verhält sich in dieser Sache neutral: «Es ist Sache der Meitlisonntagsvereinigung, wie sie ihren Brauch pflegen will», sagt Gemeindepräsident Ueli Haller.