Noch vor zehn Tagen war eine Horde wilder Freischaren zu Pferd, im Oldtimer-Jeep und zu Fuss über die Schützenmattstrasse in den «Krieg» gezogen und hatte dem Lenzburger Jugendfest mit farbenfrohem Landschaftstheater einen Höhepunkt gesetzt. Historisch wie der Ursprung des Freischaren-Manövers ist aber auch die Schützenmattstrasse selber. Sie ist Teil der früheren direkten Verbindung zwischen Bern und Zürich (bevor die Autobahn A1 gebaut wurde) und deshalb im Bundesinventar der historischen Verkehrswege der Schweiz eingetragen.

Jetzt wird diese Verbindungsstrasse zwischen dem Kronenplatz und der Hendschikerstrasse (Kantonsstrasse) auf einer Länge von rund 200 Metern saniert. Das führt ab kommendem Montag zu Verkehrsbehinderungen. Der Verkehr über die Schützenmatte wird nur noch einspurig geführt. Laut Auskunft von Christian Brenner, Leiter Tiefbauamt der Stadt Lenzburg, bleibt die Spur für Auto- und Velofahrer offen. Stadtauswärts fahrender Verkehr muss einen Umweg in Kauf nehmen: Die Umfahrung führt vor der «Krone» links weg über den Freiämterplatz in die Hendschikerstrasse. Die temporäre neue Verkehrsführung dauert bis zum Ende der Bauarbeiten Ende Oktober 2018. Gar kein Durchkommen auf der Schützenmatte gibt es während dieser Zeit für die Fussgänger. Sie können bis zum Steinbrüchliweg passieren.

Die Baustelle hat zudem Auswirkungen auf die Regionalen Busbetriebe Lenzburg AG (RBL). So kann die Haltestelle «Kronenplatz» für die Linie 391 in Richtung Schloss und Linie 393 in Richtung Bahnhof Mägenwil in dieser Zeit nicht mehr bedient werden.

Pflastersteine wieder eingebaut

Die Schützenmattstrasse ist Teil der seit dem Mittelalter benutzten Landstrasse zwischen Bern und Zürich und erhielt ihre bauliche Gestalt im 19. Jahrhundert. Heute ist sie eine der meist befahrenen Einfahrtsstrassen Richtung Lenzburger Altstadt und wird von den Bussen mehrmals pro Stunde befahren.

Die Schützenmattstrasse ist mit Gubersteinen gepflastert. Sie weisen teilweise starke Abnützungserscheinungen auf; Steine sind gespalten, verwittert und aus der Pflästerung gefallen. Diese werden durch den Einbau neuer Steine ersetzt. Das macht laut Christian Brenner rund einen Drittel des Kopfsteinpflasters aus. Die restlichen Steine werden gereinigt und nach der Sanierung als Schlussbelag wieder eingesetzt. Die Strasse war letztmals 1983 saniert worden.

Sanierung kostet halbe Million

Am 15. März dieses Jahres hatte der Einwohnerrat der Sanierung zugestimmt und einen Verpflichtungskredit von 550'000 Franken gesprochen. Aufgrund des historischen Werts der Strasse wird sich der Bund mit rund 85'000 Franken am Projekt beteiligen.