Lenzburg
Hip-Hop bestimmt sein Leben

Michael Peier hat im Hip-Hop-Tanzen seine Bestimmung gefunden. Jetzt will er vom Tanzen leben können. Und dies, obwohl er früher den Musikstil überhaupt nicht mochte.

Janine Müller
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Tänzer Michael Peier aus Lenzburg
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Heute ist der 22-Jährige dreifacher Vize-Schweizer-Meister in den Soli.
Michael Peier: «Nach dem Tanzen geht es mir gut, es ist wie Medizin.»

Tänzer Michael Peier aus Lenzburg

Emanuel Freudiger

Michael Peiers Leben ist wieder im Lot. Er hat eine schöne Wohnung in Lenzburg, lebt dort mit seiner Freundin, und er unterrichtet Tanzen. Hip-Hop. Seine Leidenschaft, sein Leben.

Doch dafür musste der heute 22-Jährige kämpfen. Seine erste Lehre habe er nach eineinhalb Jahren abgebrochen, erzählt er, zieht an seiner Zigarette. Die Arbeit als Maurer auf der Baustelle sagte ihm nicht zu. Seine Mutter schmiss ihn daraufhin aus der Wohnung in Oberkulm. Nachdenklich stösst er den Zigarettenrauch aus. Plötzlich sei er auf sich alleine gestellt gewesen. Unterschlupf fand er bei seinem ersten Tanzlehrer Elvis Petrovic in Solothurn. In dessen Studio unterrichtete er dann auch erstmals. Das war 2009. «Das Tanzen hat mir in dieser Zeit enorm geholfen», sagt Michael Peier. «Nach dem Tanzen geht es mir gut, es ist wie Medizin.»

Zum Hip-Hop-Tanzen ist Michael Peier via Videoplattform Youtube gekommen. Rein zufällig, beim Surfen im Internet. Er lacht. «Anders kommt man in Oberkulm gar nicht zu Hip-Hop», sagt er. Bereits nach dem ersten Video habe es ihn reingezogen. Dabei mochte er den Musikstil damals gar nicht. Seine Schwester habe immer Hip-Hop gehört. Das habe genervt. Doch dann später im Ausgang in Aarau tanzte er das Gesehene nach, Freunde brachten ihm den Hip-Hop näher.

Heute ist der 22-Jährige dreifacher Vize-Schweizer-Meister in den Soli. Obwohl er erst 2009 seine ersten Tanzstunden nahm, holte sich Peier im Jahr 2010 erstmals die Silbermedaille. Aber Schweizer Meisterschaften bedeuten im Hip-Hop nicht ganz so viel wie andere Wettbewerbe. «Die Profis kommen selten an die Schweizer Meisterschaften», sagt Michael Peier. Mit seiner Crew «Imagine That» erreichte er an bedeutenden nationalen Wettbewerben wie dem «Dance Boom», «Big Bang» und «Masters on Stage» in den letzten Jahren ebenfalls jeweils den zweiten Platz.

2011 trennte er sich von seinem ersten Tanzlehrer, tat sich mit Jut Haituk zusammen, gründete den Verein «Imagine That». Seither unterrichtet er mit seiner Crew in einem Studio in Aarau und einem in Rupperswil.

Noch müssen sie sich in den Studios einmieten. Doch sie träumen von einem eigenen. Und sie wollen «richtigen Hip- Hop lehren». «Oft bieten Tanzschulen Hip-Hop an. Was dann unterrichtet wird, ist eigentlich Aerobic», sagt Michael Peier. Seinen Schülern versucht er, den «real Hip-Hop» beizubringen. «Nicht dieses Kommerz-Zeug». Er hat sich dem «New Style Hip-Hop» verschrieben, der vom ursprünglichen «Old School Hip- Hop» abstammt.

Und Michael Peier möchte noch einen Schritt weitergehen, schmiedet Zukunftspläne. Er ist motiviert, geradezu euphorisch, wenn er von seiner Zukunft spricht. Zurzeit macht er noch die Ausbildung zum Fitnessinstruktor. Danach strebt er eine Ausbildung zum Event-Manager an. Er will Wettkämpfe und Partys organisieren. Und die Tanzschule soll Geld abwerfen. Er will vom Tanzen leben können.

Der demotivierte junge Maurer ist zu einem motivierten Tänzer herangewachsen. Seine Mutter hat es ihm verziehen, besucht gar seine Wettkämpfe. «Das bedeutet mir sehr viel», sagt Michael Peier. «Ihre Unterstützung ist mir wichtig geworden.»