«Das passt genau in die Vorweihnachtszeit», freut sich Bernhard Stüdli über sein bevorzugtes Vorzeigestück im Rupperswiler Dorfmuseum. Der Aktuar der Museumskommission, welcher auf Ende Jahr nach bald zwei Jahrzehnten von seinem Amt zurücktritt, führt uns in den bitterkalten Estrich in «Geisse Emmis» Haus, welches seit 1984 als Dorfmuseum dient. Aus Haushalt, Handwerk und Landwirtschaft stammen die Sammlungsgegenstände, welche in der historischen Liegenschaft gehortet und gepflegt werden.

Stüdlis liebstes technisches Artefakt ist eine Dosenverschliessmaschine, welche in der Rupperswiler Firma Ferrum AG gefertigt wurde. Am 12. Mai anno 1917 von Henckell und Roth, den Hero-Gründern eröffnet, lieferte sie anfänglich primär der Conservenfabrik die notwendigen Maschinen für die Aufbereitung und Abfüllung des Büchsen-Inhaltes wie Früchte, Gemüse und Würste. Wobei der Begriff «Büchse», so mahnt Stüdli, «bei den Konservenfabrikanten streng verpönt ist – Büchsenmacher waren in der Waffenfabrik Hämmerli in Lenzburg am Werk.» Die Ferrum ist notabene im Sektor Konserventechnik heute noch weltweit tätig.

Konservieren am heimischen Herd

Das seltene Museumsstück in Rupperswil war aber nicht nur zur industriellen Verwendung tauglich, sondern half auch den Hausfrauen, ihre Lebensmittel zu konservieren. Um 1930 herum gab es noch keine Gefriertruhen, und so wurden die Konserven eben am heimischen Herd gekocht und in Gläsern oder eben in Dosen abgefüllt und mit der speziellen Apparatur hermetisch verschlossen. Wohl standen die etwas sperrigen Konstrukte für Haushalte, die solche sich nicht selber leisten konnten, gegen Entgelt auch etwa in Kolonialwarenläden zur Verfügung, mutmasst Bernhard Stüdli.

Und stolz führt er vor, wie die von 1936 bis 1960 produzierte Dosenverschliessmaschine funktioniert – wie alle andern technischen Gerätschaften im Dorfmuseum ist sie nach wie vor voll funktionstüchtig. Der Dosendeckel wird auf das gefüllte Gefäss auf dem Falzteller gestellt und durch das Drehen der seitlichen Kurbel mit der Dose zusammengedrückt und somit luftdicht abgeschlossen. Weil die Dosen dazumal teuer waren, konnten sie mit einer Schneidevorrichtung um einen halben Zentimeter verkürzt und dann wieder verwendet werden.

Jährliche Wechselausstellungen

Im Rupperswiler Dorfmuseum lagern 1657 Objekte, Zeitzeugen aus vergangenen Tagen, welche von einem Team von zehn Männern gereinigt, repariert und präsentiert werden. «Wir hüten keinen Schrott», sagt Stüdli. Jährliche Wechselausstellungen bereiten historische und aktuelle Themen aus dem Dorfleben auf. Das um 1700 erbaute Haus mit Scheune wurde von Emma Wiederkehr (1897–1978) der Gemeinde zwecks Einrichtung eines Museums vermacht, Traugott Berner hat ihren Wunsch 1984 mit Freiwilligen umgesetzt. Die Wohnung zeigt die einfachen Verhältnisse von anno dazumal. Das Dorfmuseum ist denn auch nur in der Sommersaison geöffnet.

Dorfmuseum Rupperswil, Alter Schulweg 11, von April bis Oktober geöffnet, jeweils am 1. Sonntag des Monats von 10 bis 12 Uhr. Saisoneröffnung am 2. April 2017.