Seon
Hinter der Galerie entsteht ein Kinofilm

Gim Ristemi führt die neue Galerie «R4L» – seine zweite Leidenschaft verbirgt sich jedoch im Raum dahinter.

Lee Ann Müller
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Gim Ristemi steht am liebsten hinter der Kamera und bearbeitet die Filme, welche in der «Greenbox» entstehen.

Gim Ristemi steht am liebsten hinter der Kamera und bearbeitet die Filme, welche in der «Greenbox» entstehen.

Lee Müller

Es ist zehn Uhr morgens, Gim Ristemi blinzelt noch etwas verschlafen mit den Augen. Er schaltet die Kaffeemaschine ein und nimmt einen Schluck des frischen Espressos. Normalerweise beginne sein Arbeitstag um halb zwei Uhr und endet erst in den frühen Morgenstunden, entschuldigt sich Ristemi. Gemeinsam mit Künstlerkollegen aus der ganzen Schweiz hat er sich in Seon einen langjährigen Traum erfüllt: eine Kunstgalerie, kombiniert mit einem professionellen Film- und Tonstudio.

Betritt man das Lokal neben dem Seoner Bahnhof, so steht man zuerst in einem lichtdurchfluteten Raum. Bilder hängen fein säuberlich links und rechts an den Wänden, die nicht wie in einer herkömmlichen Galerie weiss und kahl, sondern mit Figuren und Schriftzügen verziert sind. Aus Boxen ertönt leise Musik, in einer Ecke steht eine Bar. Kunstinteressierte können sich hier bei Snacks und Getränken austauschen.

Sechs Tage in der Woche, von 13.30 bis 19.30 Uhr, arbeitet Gim Ristemi in der Galerie «R4L», sitzt am Computer, checkt die Mails, gestaltet Flyers und organisiert die Ausstellungen und Vernissagen. Alle dreissig Tage stellen zwei neue Künstler ihre Werke in der Galerie aus, jeweils einer der beiden stammt aus der Region. So lautet das Konzept der Galerie.

In der Nacht steht die Welt still

Um 19.30 Uhr schliesst Ristemi die Galerie – mit einer Klingel an der Tür können sich Abendspaziergänger jedoch jederzeit bemerkbar machen und die Galerie besuchen. Für Gim Ristemi ist der Arbeitstag schliesslich noch lange nicht zu Ende. «Ich arbeite am liebsten in die Nacht hinein», sagt er, «in der Dunkelheit ist alles ruhig, die Welt steht still. Man kann komplett loslassen und muss keine alltäglichen Verpflichtungen erledigen.» Dann zieht er sich mit seinen Künstlerkollegen in den fensterlosen Raum hinter der Galerie zurück, um Ideen zu entwickeln, Filme zu drehen oder Musik zu machen.

Ursprünglich lernte sich die Clique im Theater kennen, die rund 20-köpfige Gruppe besteht unter anderem aus Maskenbildnern, Drehbuchautoren und professionellen Schauspielern. Das Herzstück des Studios stellt ein 3-D-Greenscreen dar, mit der die Künstler Effekte und spezielle Hintergründe für Aufträge wie Musikvideos und Werbespots einfügen können. Die Gruppe hat schon früher in gemieteten Tonstudios zusammengearbeitet, mit dem eigenen, komplett ausgestatteten Raum konnte sie sich nun einen Traum verwirklichen. Die Künstler nennen sich «Rebels for Life». «Wir fühlen uns frei, weil wir das machen, was wir lieben», erklärt Gim Ristemi.

Vorhang auf für Schweizer Film?

Gemeinsam auf ein Ziel hinzuarbeiten, sei das Schönste, sagt Gim Ristemi. Die Gruppe hat sich daher einer grossen Herausforderung angenommen: Sie will einen Schweizer Film auf die Kinoleinwand bringen. Allzu viel solle nicht verraten werden, aber: «Die Geschichte beruht auf einer wahren Begebenheit.» Der Film handle von einer Familie und deren Schicksal. Kennen gelernt hat Ristemi sie bei einem Besuch in der Galerie. Das Drehbuch ist fast fertig, momentan kümmert sich die Gruppe um die Finanzierung. Schlafen wird Ristemi bei diesem Projekt wie immer nicht viel. Um sechs Uhr früh war gestern Feierabend, sagt er. Aus der Maschine fliesst die zweite Tasse schwarze Brühe – nach einer kreativen Nacht und knapp drei Stunden Schlaf wird es wohl nicht die letzte sein.

Die nächste Ausstellung mit Bildern von Romy Spielmann aus Seengen und Eve Toth aus Basel findet vom 17. Januar bis 17. Februar in der Galerie R4L in Seon statt. Vernissage: 17. Januar ab 15 Uhr.