Schafisheim

Hilcona-Schliessung: «Wer will denn schon so weit weg von der Familie arbeiten?»

240 Jobs bei Hilcona fallen weg: So reagieren Betroffene

240 Jobs bei Hilcona fallen weg: So reagieren Betroffene

Hilcona verlagert seine Produktion von Schafisheim nach Schaan und Orbe. Damit verschwinden rund 220 Arbeitsplätze. Die Mitarbeiter sind enttäuscht und haben Angst vor einer ungewissen Zukunft.

Am 13. März bekamen die Mitarbeitenden die Hiobsbotschaft: Hilcona verlagert die Produktion, der Standort Schafisheim wird geschlossen.

Die Mitarbeitenden seien von der Ankündigung selbstredend nicht eben begeistert gewesen, hätten aber gefasst reagiert, erklärte Mark Vogelsang, Leiter Marketing von Hilcona, heute Morgen gegenüber der az auf Anfrage.

Die az wollte den Puls der Hilcona-Mitarbeitenden selber fühlen: Kurz nach 15 Uhr war Schichtwechsel in Schafisheim. Die Angestellten zeigten sich enttäuscht über den Beschluss ihres Arbeitgebers. Sie wissen: Bald ist hier Schluss, bald können sie hier nicht mehr arbeiten.

«Es war eine schöne Zeit»

»Es ist schade. Ich bin jetzt 61 Jahre alt und habe zehn Jahre für dieses Unternehmen gearbeitet - und jetzt das. Das schmerzt. Ich ging immer gerne arbeiten, es war eine schöne Zeit», sagt ein Schweizer Produktionsmitarbeiter. Er müsse jetzt zwangsläufig eine frühzeitige Pension in Betracht ziehen. «Aber ich werde mich natürlich erst um einen Job bemühen», sagt er.

Das Unternehmen wird die Produktion nach Schaan und Orbe verlagern. Sie bietet allen Mitarbeitenden einen Job an. «Das ist doch nur zur Beruhigung und dass sie öffentlich gut dastehen. Wer will denn schon so weit weg von der eigenen Familie und von Freunden arbeiten? Für mich kommt das nicht infrage», sagt er weiter.

Schwierige Situation für Ausländer

Ein weiterer Mitarbeiter glaubt, dass vor allem für die vielen ausländischen Mitarbeitern die Situation schwierig sei. «Die meisten haben sich hier auf die Hilcona verlassen, haben in der Schweiz ein besseres Leben aufgebaut. Doch die meisten sprechen kaum ein Wort Deutsch. Sie werden es schwierig haben, einen neuen Job zu finden.»

Coop schafft bis 2016 1400 neue Stellen

Die gute Nachricht für die Hilcona-Mitarbeiter: Coop schafft in Schafisheim bis zu 1400 neue Stellen - jedoch wohl frühestens 2015. Die Frage bleibt: Wie können die 220 Mitarbeiter knapp drei Jahre überbrücken? «Bei der Geschäftsführung wissen sie doch selbst, dass die wenigsten eine Stelle in Schaan oder Orbe annehmen werden. Allen Mitarbeitern eine Lösung zu präsentieren, ist Wunschdenken und schlicht nicht realisierbar», sagt eine Schweizer Angestellte.

Um 15 Uhr beim Schichtwechsel war auch die Unia vor Ort. Sie erfuhren erst über das Online-Portal der Aargauer Zeitung (siehe Artikel hier), dass die Produktion der Firma Hilcona verlagert wird. «Wir wurden vom Unternehmen nie orientiert. Jetzt geht es darum, der Belegschaft zu helfen», sagt Pascal Pfister von der Unia. (sha)

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