Es ist die längste Reise, die Ramona Härdi bisher auf sich genommen hat. Vom beschaulichen Möriken in die chinesische Millionen Metropole Changchun. 8’164 Kilometer Luftlinie und eineinhalb Reisetage liegen zwischen den beiden Orten. «So weit zu reisen, ist schon speziell. Ich bin gespannt, wie mein Körper auf die lange Reise reagiert», sagt Ramona Härdi.

Im Optimalfall sind Ramona Härdis Körper keinerlei Reisestrapazen anzumerken. Die 18-jährige Mörikerin braucht in China all ihre Kräfte, stehen für sie doch gleich zwei sportliche Höhepunkte auf dem Programm: der Junioren-Weltcupfinal an diesem Wochenende und eine Woche später die Junioren-WM.

Deutliche Steigerung

Für die junge Eisschnellläuferin ist es nicht selbstverständlich, dass sie an der Nachwuchs-WM mitlaufen kann. Erst vor vier Jahren hat Ramona Härdi mit dem Eisschnelllauf begonnen. Davor war sie sieben Jahre lang Inline Skaterin. Auch heute ist sie noch ab und zu auf den Rollen unterwegs – allerdings vorwiegend zum Trainieren.

Damit sie an der Eisschnelllauf-Junioren-WM teilnehmen kann, musste Ramona Härdi in zwei Disziplinen eine Zeitlimite unterbieten. Und diese Limiten hatten es in sich: Beide lagen zu Beginn der Saison deutlich unterhalb der damaligen Bestzeiten von Ramona Härdi. Doch die 18-Jährige verbesserte sich im Vergleich zum Vorjahr enorm und konnte ihre Bestzeit über 3000 Meter um 15 Sekunden senken. Gleich bei ihrem ersten Renneinsatz in diesem Winter knackte sie die WM-Limite. «Als ich im Ziel auf die Tafel schaute und meine Zeit sah, dachte ich zuerst: ‹Nein, das kann gar nicht sein›», erinnert sich Härdi lachend. Im Dezember lief sie dann auch die Limite über 1500 Meter, ebenfalls dank einer neuen persönlichen Bestzeit.

Enormer Aufwand

Die grossen Fortschritte von Ramona Härdi, die in diesem Winter an einem Junioren Weltcuprennen erstmals in die Top 15 lief, sind umso beachtlicher, wenn man die alles andere als optimalen Trainingsbedingungen in der Schweiz, wo es nur gerade drei Eisschnelllauf-Vereine gibt, in Betracht zieht. Eisschnelllauf-Wettkämpfe werden auf einer 400 Meter langen, ovalen Bahn ausgetragen. In der Schweiz gibt es bloss in Davos eine solche Bahn. Allerdings nicht in einer Halle, sondern draussen. Und da derzeit die Temperaturen zu hoch sind, konnte Härdi in der Schweiz nur auf einem 250 Meter langen Rundkurs in Zürich trainieren. «Die Kurven kann ich zwar gleich laufen, aber für die Gerade brauche ich auf der kurzen Bahn vielleicht zwei Schritte, auf der normalen Bahn sind es acht bis zehn. Das ist schon ein enormer Unterschied», erklärt Härdi.

Für ihre Trainings reist sie daher regelmässig ins Ausland. Oftmals ins 500 Kilometer entfernte Inzell (De), wo die nächste 400 Meter Bahn liegt. So kommen für Härdi, die derzeit das dritte Lehrjahr als Konstrukteurin absolviert, neben den rund 15 Trainingsstunden pro Woche noch etliche Reisestunden dazu. «Diesen Aufwand kann ich nur bewältigen, weil ich von meinem Arbeitgeber zusätzlich 30 Ferientage pro Jahr bekomme und pro Woche 37 statt 40 Stunden arbeiten muss», so Härdi.

Ziel: Top 25

Der Lohn für den grossen Aufwand ist die Teilnahme an der Junioren-WM - der bisher grösste Erfolg in ihrer Karriere. An den Titelkämpfen peilt Ramona Härdi in ihrer Paradedisziplin 3000 Meter einen Platz in den Top 25 an. «Das sollte realistisch sein. Aber in erster Linie möchte ich meine Zeiten verbessern und neue Erfahrungen sammeln», blickt Härdi voraus. Die Junioren-WM ist zugleich auch der Abschluss der Juniorenkarriere von Ramona Härdi. Ab nächster Saison wird sie sich mit der Elite messen, was nochmals einen grossen Leistungssprung erfordert. Doch Ramona Härdi hat ja schon in dieser Saison bewiesen, dass sie auch hohe Hürden meistern kann.