Lenzburg

Hier rockt die Grosi-Band: «Hugo, du gisch mir Fieber»

Die Grossmütter-Rockband «Crème Brûlée» mit von links nach rechts Sylvia Voegeli, Esther Rothen, Beatrice Haller, Ruth El Maghrabi, Ilse Schmid.

Die Grossmütter-Rockband «Crème Brûlée» mit von links nach rechts Sylvia Voegeli, Esther Rothen, Beatrice Haller, Ruth El Maghrabi, Ilse Schmid.

Mit der Rockband «Crème Brûlée» erlebt die vierfache Grossmutter und frühere Kirchenorganistin Sylvia Voegeli einen musikalischen Frühling

«Hugo, du gisch mir Fieber»: «Crème Brûlée» bei «Aeschbacher» mit einer Interpretation von «Fever».

«Hugo, du gisch mir Fieber»: «Crème Brûlée» bei «Aeschbacher» mit einer Interpretation von «Fever».

Fernsehauftritt bei Aeschbacher, ein Porträt im Schweizer Radio, eine Doppelseite in der Schweizer Illustrierten, ein ausführlicher Artikel im Migros-Magazin, Konzert im Aarauer Kongresshaus. Die Rockband «Crème Brûlée» hat in den vergangenen Monaten viel Aufmerksamkeit erhalten und für viel Aufmerksamkeit gesorgt.

Das liegt sicher daran, dass «Crème Brûlée» nicht dem gängigen Bild entspricht, das man sich von einer Rockband macht. Die fünf Bandmitglieder, alle weiblich, sind zwischen 56 und 71 Jahre alt. Die Initialzündung für das ausserordentliche musikalische Projekt gab eine Ausschreibung der «Grossmütter-Revolution», eine kreative Plattform des Migros-Kulturprozents für Frauen der heutigen Grossmütter-Generation.

Kurze Zeit nach der Gründung von «Crème Brûlée» im Jahr 2011 stiess Sylvia Voegeli (68) aus Lenzburg zur Musikgruppe. Nie, sagt sie heute, hätte sie sich vorstellen können, welche Dimensionen das Projekt annehmen sollte. Die pensionierte Lehrerin erinnert sich noch gut an den ersten Auftritt, der im Kongresshaus in Biel stattfand. «Wir waren alle unglaublich nervös und, ehrlich gesagt, auch noch nicht so gut, wie wir es heute sind.»

«Crème Brûlée» am 28. April 2016 bei «Aeschbacher» – sehen Sie hier das ganze Gespräch.

Auf Umwegen zur Rockmusik

Sylvia Voegeli ist auf Umwegen zur Rockmusik gelangt, ihr musikalischer Werdegang verlief geradezu antizyklisch. «Aufgewachsen bin ich mit Bach und Mozart und als meine Schulkameradinnen die ‹Beatles› gehört haben, habe ich eine kirchenmusikalische Ausbildung gemacht.»

Während vieler Jahre begleitete Sylvia Voegeli als Organistin die Gottesdienste in verschiedenen Kirchgemeinden. Vor rund 20 Jahren endete dieses Engagement. Und nach ihrer Pensionierung als Lehrerin suchte sie sich eine neue Aufgabe.

Gegen das klassische Rentnerdasein hat die vierfache Grossmutter nichts einzuwenden. «Begeistert Zeit mit den Grosskindern verbringen, Reisen, über Gebresten sprechen, das ist alles recht», sagt sie ein wenig zugespitzt und lacht. Ihr aber reichte das nicht ganz. Weiterhin wollte sie eine Herausforderung für Kopf und Hände in Kombination haben. Es folgten die Rückkehr zum Tasteninstrument und der Eintritt bei «Crème Brûlée».

Eine E-Mail vom Enkel

Mit der Rockband durfte Voegeli in den letzten Jahren viele schöne und beeindruckende Erfahrungen machen. Begeistert erzählt sie von trendigen Lokalitäten, die sie besuchen durfte, und von interessanten, auch lustigen Begegnungen. So habe einmal Peach Weber bei einer Veranstaltung im Backstage-Bereich irrtümlicherweise die Umkleidekabine der Musikerinnen betreten, erinnert sich Voegeli lachend. Sofort und sehr diskret habe sich der Komiker wieder zurückgezogen.

Das Projekt «Crème Brûlée» bedeute aber auch und insbesondere harte Arbeit. «Die Auftritte sind mit viel Aufwand verbunden. Die Instrumente bringen wir meist selbst mit zu den Veranstaltungsorten. Alle Bandmitglieder gehen wieder in den Musikunterricht und bei einem Coach besuchen wir regelmässig musikalische Workshops.»

Entschädigt für den grossen Aufwand werden die Musikerinnen durch die Konzerte, bei denen der Funke in vielen Fällen rasch auf das Publikum überspringt. «Crème Brûlée» spielen Coverversionen berühmter Rocksongs. Ihren speziellen Reiz erhält die Band aber vor allem durch diejenigen Stücke, bei denen der englische Originaltext durch einen Mundarttext von Sängerin Esther Rothen (71) ersetzt wird.

Crème Brûlée: Die Grossmütter-Rockband mit «Rock Around the Clock»

Brème Brûlée: Die Grossmütter-Rockband mit «Rock Around the Clock»

Nicht zu verhindern ist wohl, dass die fünf reifen Musikerinnen in den Medien gerne als Botschafterinnen ihrer Generation bezeichnet werden. Sylvia Voegeli allerdings distanziert sich von dieser Art der Vereinnahmung. «Das möchten wir nicht und ich persönlich bin sehr weit weg von jeglichem Missionieren. Wir machen Musik für uns und für unser Publikum.»

Wichtig ist für Sylvia Voegeli die Meinung ihrer Familie zu ihrem musikalischen Schaffen. Nach dem Besuch der Talkshow von Kurt Aeschbacher hat sie eine E-Mail von einem Enkel erhalten. «Er hat mir geschrieben, dass er den Auftritt im Fernsehen super gefunden habe. Das war herzig und hat mich sehr gefreut.»

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