Hunzenschwil

Hier gibt es einen Ziegenbock, der den Hofhund spielt

Franziska und Daniel Schmid mit Ziegenbock Hari und einigen der geretteten Legehennen.

Auf dem Lebenshof von Daniel und Franziska Schmid in Hunzenschwil finden Tiere ein Zuhause – für immer.

«Mäuschen, komm her», ruft Daniel Schmid und stapft über die Weide. «Mäuschen» ist 600 Kilo schwer: eine 9½ Jahre alte Kuh namens Aruni. Aruni lebt bei Daniel (48) und Franziska (43) Schmid auf dem Lebenshof «Vaikuntha» in Hunzenschwil (Vaikuntha kommt aus dem Sanskrit und bedeutet so viel wie «Ort ohne Angst»).

Während Aruni am obersten Punkt der Weide steht und grast, hält sich ihre Mutter Kunti lieber auf dem flacheren Teil des Geländes auf. «Sie hat Artrose und kann deswegen nicht mehr so gut mit Steigungen umgehen», erklärt Daniel Schmid.

Obwohl Kunti eine ältere Milchkuh und nicht mehr rentabel ist, hat sie auf dem Hof des Ehepaars Schmid keine Ausmusterung zu befürchten. «Auf einem Lebenshof dürfen Tiere leben, ohne dass von ihnen etwas erwartet wird», erklärt Franziska Schmid.

Lebenshof? Kein geläufiger Ausdruck. Man kennt höchstens den «Gnadenhof». «Auf den Gnadenhof kommen häufig Tiere, die zuvor für ihre Besitzer von grossem Nutzen waren. Sei es eine gute Milchkuh oder ein begabtes Dressurpferd. Die Tiere, die zu uns kommen, müssen nichts Besonderes geleistet haben», so Franziska Schmid.

Jedes Tier hat einen Namen und eine Geschichte

Vor fünfzehn Jahren hat das Ehepaar den Hof in Hunzenschwil erworben, dafür mussten sie zuvor jahrelang sparen. 4,5 Hektaren umfasst das Land. Neben Aruni und Knuti leben noch weitere Kühe, Geissen, Pferde, Hühner, Schafe und seit neustem auch Truthähne auf dem Hof.

Sie alle haben einen Namen und eine Geschichte. Wie zum Beispiel Ziegenbock Hari, der den Hofrundgang begleitet. «Er fungiert bei uns als Hofhund», erklärt Daniel Schmid lachend. Hari kam als junger Ziegenbock auf den Hof und wurde von den Pferden als Fohlen aufgenommen.

Die ersten Tiere kaufte das Ehepaar als Herzensprojekt zum Schlachtpreis, mittlerweile bekommen sie mehrere Anfragen wöchentlich. Viele Angebote müssen sie jedoch ablehnen, so Franziska Schmid: «Wir tun uns und den Tieren keinen Gefallen, wenn wir mehr aufnehmen, als wir Platz und finanzielle Mittel dafür haben. Auch wenn es mir oft das Herz bricht, wenn ich Anfragen ablehnen muss.

Der «Vaikuntha»-Hof beherbergt nicht nur Tiere, das Ehepaar pflanzt auch Gemüse an. Alleine 37 verschiedene Sorten Tomaten hat Daniel Schmid diese Saison in seinem Tunnel angebaut.
Auf den Feldern wachsen zudem Federkohl, Kürbisse, Gurken und vieles mehr.

Schmids praktizieren eine altherkömmliche Landwirtschaft, ein Teil der Fläche liegt brach, damit sich die Felder regenerieren können. In dieser Zeit wird das Feld mit Phacelia bepflanzt. Die Pflanze wird in der Landwirtschaft als natürlicher Dünger eingesetzt und ist bei Bienen sehr beliebt.

Das Gemüse verkauft das Ehepaar seit zehn Jahren an einem Zürcher Wochenmarkt. «Wir hätten gerne an einem Markt in Aarau oder Brugg teilgenommen, aber die Wartelisten waren enorm lang», so Daniel Schmid.

Ferien hatten sie zuletzt im Jahr 2004

Den Lebenshof finanzieren Schmids durch den Gemüseanbau. «Praktisch alle unsere Kunden kaufen regelmässig bei uns auf dem Markt ein», sagt Daniel Schmid. Zudem erhält der Hof ab und zu Spenden und vergibt Patenschaften für seine Tiere.

Unter dem Strich kommt das Ehepaar mit schwarzen Zahlen raus, reich macht sie der Lebenshof aber nicht. «Es ist ein einfaches Leben, Ferien haben wir das letzte Mal 2004 gemacht. Das war uns jedoch von Anfang an klar und stimmt für uns so», sagt Franziska Schmid.

Eine Herzensmission des Ehepaares: Besuchern des Hofes die Tierliebe näher zu bringen. So bieten sie für Schulklassen Führungen an, zu den Themen, die gerade in der Klasse behandelt werden.

«Je nach dem, was die Lehrer möchten, sprechen wir über die pflanzliche Ernährung, Gemüseanbau oder Tierschutz», sagt Franziska Schmid. Sie hätten schon Kinder auf dem Hof gehabt, die nicht wussten, was Kühe fressen und dass die Milch nicht aus der Migros oder dem Coop kommt.

Oder denen nicht bewusst war, dass für ihr Schnitzel ein Tier sein Leben lässt. «Wir wollen den Besuchern die Tiere wieder näher bringen», erklärt Franziska Schmid. «Missionieren möchten wir aber nicht», ergänzt Daniel Schmid. «Wir lassen einfach Herz zu Herz sprechen.»

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