Staufen
Hier entstehen Hasen zum Anbeissen

In der kleinen Dorfbäckerei in Staufen ist die 4. Generation mit Kreativität und viel Idealismus am Werk.

Ruth Steiner
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Fertige Häsli in der Auslage: Die kleine Bäckerei Gradwohl in Staufen stellt vor Ostern über 1000 Schoggiprodukte her.
11 Bilder
Osterhasenproduktion 2019 Bäckerei Gradwohl Staufen
Zuerst wird der Hase geschminkt.
Dann wird die Schablone mit Schokolade ausgepinselt.
Es folgen weitere Bilder aus der Bäckerei Gradwohl.

Fertige Häsli in der Auslage: Die kleine Bäckerei Gradwohl in Staufen stellt vor Ostern über 1000 Schoggiprodukte her.

Alex Spichale

«Ostern ist die schönste Jahreszeit», sagt Confiseurin Bea Linnemann und taucht den riesigen Schöpflöffel in den Topf mit genau temperierter Kuvertüre. Die flüssige Schokomasse füllt sie in eine Plastikschablone, dreht diese einige Male und verteilt so die braune Masse gleichmässig in der Form. Die überschüssige Schokolade lässt sie in den Topf zurückfliessen.

Die 43-jährige Schoggi-Spezialistin arbeitet rasch, jeder Handgriff sitzt. Bis zu Ostern in drei Wochen werden unter ihren Händen rund 1000 Hasen und andere österliche Schoko-Erzeugnisse entstehen. In der kleinen Dorfbäckerei wird das Handwerk im wahrsten Sinne des Wortes gelebt, Maschinen sind nur wenige vorhanden. Drei grosse Arbeitstische dominieren in der Backstube. Jetzt riecht es nach Schokolade – nur wenige Stunden zuvor ist der Duft von frisch gebackenem Brot in der Luft gehangen. In aller Herrgottsfrühe werden jeweils bis zu 30 Sorten Brot gebacken. Ab 6.15 Uhr füllen Brötchen und Laibe die Ladenregale.

Den Betrieb aufzugeben, kam nicht in Frage. Das hätte ich nicht übers Herz gebracht.

(Quelle: Claudia Geissmann-Gradwohl, Inhaberin)

Im Familienbetrieb ist jetzt die vierte Generation am Werk. Vor gut zwei Jahren hat Claudia Geissmann-Gradwohl den Betrieb übernommen und führt die bald 100-jährige Tradition weiter. Für die ausgebildete Pharma-Assistentin war der Entscheid eine Herzensangelegenheit. Schon als kleines Mädchen sei sie im Laden gestanden, habe kaum über die Tischkante blicken können, sagt sie und lacht. Dann wird Geissmann nachdenklich und sagt: «Den Betrieb aufzugeben, kam nicht infrage. Das hätte ich nicht übers Herz gebracht.»

Die offizielle Firmengeschichte beginnt 1923, als Urgrossvater Adolf das Haus baute, in dem die kleine Dorfbäckerei noch heute untergebracht ist. Zuvor hatte er im Keller eines benachbarten Bauernhauses Brot gebacken. «Leider ist diese Zeit zu wenig dokumentiert», bedauert Georges Gradwohl, Claudias Vater. Gemeinsam mit seiner Frau Irene hat er 37 Jahre lang die Region mit frischem Brot und Süssigkeiten aus der Backstube versorgt. Noch haben sich die beiden nicht zur Ruhe gesetzt. «Ohne die Eltern ginge es nicht», sagt Claudia Geissmann und blickt dankbar zum Vater. Wenn es ums Brotbacken geht, hält er die Zügel nach wie vor fest in der Hand. Mutter Irene hilft im Laden mit. «Mit Brot alleine wäre eine Existenz kaum mehr möglich. Wir mussten uns deshalb etwas Spezielles einfallen lassen», erzählt Claudia Geissmann. Bei Gradwohls setzt man nun vermehrt auf Confiserieartikel. Bea Linnemann kreiert zudem Torten, die sie nach den persönlichen Wünschen der Kunden dekoriert. Wer also seine Angebetete zur Abwechslung von einer Torte anlächeln möchte, kann dies tun. Das geht ganz einfach, erklärt Geissmann. «Wir drucken das Wunschbild mit Lebensmittelfarbe auf essbares Zuckerpapier oder Fondant.» Das Bild wird anschliessend auf die Torte gelegt.

Dass die Schweizer im letzten Jahr pro Kopf rund 3,4 Prozent weniger Schokolade gegessen haben, wie kürzlich vermeldet wurde, hat man beim Familienbetrieb Gradwohl nicht bemerkt. Hier sind Schoggispezialitäten beliebt. Hingegen hat sich das Kaufverhalten der Kundschaft mit den Jahren verändert: Die grossen Osterhasen sind passé. Gefragt sind kleinere, verspielte Schoggihasen.

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