«Ein geschorenes Schaf fühlt sich komisch an», konstatierte die sechsjährige Maline. «Nicht mehr so weich wie vorher. Wenn sie noch viele Haare haben, gefallen sie mir besser.» Zusammen mit ihrer vierjährigen Schwester Anja und vielen anderen Kindern beobachtete die Kindergärtlerin am Samstag, wie es rund 500 Schafen an den Pelz ging.

Viele Familien besuchen den Anlass regelmässig. So auch Irene Fischer aus Schafisheim, die am Samstag zusammen mit einer Bekannten und insgesamt vier Kindern an die Veranstaltung kam. «Wir waren schon einige Male hier. Für die Kinder ist es ein Erlebnis, die Schafe und den Ablauf des Scherens zu beobachten», erklärte sie. «Das sieht man nicht alle Tage», fügte Carolin Burki hinzu und ihre Tochter Fiona (4½) erzählte stolz, dass sie ein kleines Schaf gestreichelt habe.

Seit rund 16 Jahren organisiert Familie Brunner, die im Krummacher eine Schaffarm betreibt, jeweils am ersten Samstag im April und im Oktober eine Schafschur. Verantwortlich für das Scheren ist Andreas Fuchs aus Bussnang, der neben der Scheranlage auch zwei professionelle Schafscherer aus Grossbritannien mitgenommen hatte. Rund 25 Schafbesitzer brachten am Samstag ihre Tiere nach Hallwil, manche nur zwei oder drei, andere eine ansehnliche Herde von mehreren Dutzend.

Es braucht einen Wollstampfer

Sechs Franken fünfzig kostet die Schur eines Tieres, das Geld kassierte Seniorchef Hansruedi Brunner beim Ausgang ein. Etwas verdienen könne man mit der Wolle der Tiere nicht, erklärte er. Im Gegenteil. «Vom Erlös kann man nicht einmal den Scherer bezahlen», meinte Brunner. Daher lohne es sich auch nicht, die Schafe nach ihrer Wolle zu bewerten oder nur Tiere, die ein besonders schönes Fell tragen, zu züchten, erklärte Brunner. Er hat den Hof inzwischen seinem Sohn übergeben, der ihn im Nebenerwerb führt.

Jedes Schaf liefert bei der Schur etwa drei bis vier Kilogramm Wolle, die in grossen Säcken gesammelt wurde. Dort war Moritz Buchmanns Einsatzort. Er stampfte das Vlies zusammen. «Rund einen halben Meter macht das schon aus», meinte der 13-Jährige und trat kräftig auf die Wolle, die später vom Amriswiler Wollverarbeiter Fiwo abgeholt wird.

Doch nicht nur die geschickten Scherer und die herzigen Schafe begeisterten die Kinder, welche den Anlass besuchten. Sie genossen auch den Strohspielplatz, wo sie über Strohballen klettern, auf der Rutschbahn heruntersausen und herumtollen konnten – und übermütigen Lämmchen fast ein wenig Konkurrenz machten.