1868 kam sie in Othmarsingen zur Welt. Dann zog Sophie Marti im Jahr 1900 mit ihrem Mann, dem Lenzburger Arzt Max Haemmerli, in die zweistöckige Liegenschaft an der Niederlenzerstrasse 34 in Lenzburg. Das Haus war in der Mitte des 19. Jahrhunderts erbaut worden und ist heute als Dr. Meierhaus bekannt. Hier richtete Max Haemmerli seine Praxis ein und seiner Frau, die vier Jahre zuvor ihren ersten Gedichtband mit dem Titel «Mis Chindli» veröffentlichte, «mit grosser Freude ein eigenes Studierzimmer».

Die zweite Tochter Anna Kelterborn-Haemmerli, 1896 geboren, erinnert sich in ihrer Biografie über die Mutter an das «neue Haus», in dem sich die Eltern stets wohlgefühlt hatten. Es stand «ausserhalb des Städtchens in einem grossen Garten und wurde nun zu einem Heim, das jahrzehntelang Licht und Wärme ausstrahlte.» Alte Fotografien zeugen von einer naturumrankten, verspielten und idyllischen Umgebung.

In Lenzburg zog Sophie Haemmerli-Marti vier Töchter gross, unterstützte ihren Gatten in der Praxis, pflegte enge Bekanntschaften unter anderem mit dem Schriftsteller Frank Wedekind und dessen Schwester und Opernsängerin Erika, mit der sie das Lehrerinnenseminar in Aarau besucht hatte. Ebenso fand sie Zeit, sich ihrem Dichterdrang hinzugeben.

Wegzug nach Zürich

In einem Prosastück beschreibt Sophie Haemmerli-Marti eindringlich, was es hiess, um die Jahrhundertwende eine Arztpraxis zu führen. «Übers Doktere use het mer no de Pfarrer gmacht und de Schumeischter, het iezündt i di feischterste Seelechämerli und es guets Wort gha für die gheimschte Chümber, nid nume es Pfläschterli für d Blätzab.»

Ein tragischer Unfall riss die Mundart-Dichterin von Lenzburg los. 1931 verstarb Max Haemmerli bei einem Autounfall und Sophie Haemmerli-Marti «zog nach Zürich, wo die Nähe treuer Jugendfreunde Trost versprach.» So berichtet die Tochter.

Nach ihrem Wegzug wurde die Arztpraxis an der Niederlenzerstrasse von Dr. Fritz Meier übernommen. An den Aufenthalt von Sophie Haemmerli-Marti in der Stadt erinnert eine schlichte Gedenktafel, die an der Fassade des Hauses angebracht wurde.

Instandhaltung des Parterres

Über einen Umweg –  die Liegenschaft gelangte für kurze Zeit in den Besitz einer Bauunternehmung –  erwarb schliesslich die Stadt Lenzburg das Dr. Meierhaus.

Im Parterre wirkt heute die Freizeitwerkstatt. Wie Co-Präsidentin Monika Geissmann erläutert, hat sich die Freizeitwerkstatt zusammen mit dem Stadtbauamt vor rund drei Jahren auch um die Instandhaltung des Parterres gekümmert. Bei einer Renovierungsaktion wurden die Zimmer neu gestrichen, Vorhänge angebracht und das Mobiliar hergerichtet.

Die Räume im ersten und eine Wohnung im zweiten Stock, die sich in keinem guten Zustand mehr befinden, werden von den Sozialen Diensten der Stadt Lenzburg als Notzimmer gebraucht. «Familien und Einzelpersonen, die sich in prekärer Lage befinden, finden in den Zimmern eine vorübergehende Aufenthaltsmöglichkeit», erklärt Daniel Käppeli, beim Stadtbauamt für den Liegenschaftsunterhalt zuständig.

Die Benutzung des Dr. Meierhauses ist damit für längere Zeit vorgegeben, denn die Stadt Lenzburg, so Daniel Käppeli, bedarf der Notzimmer auch künftig.

Literatur: Haemmerli-Marti, Sophie: Ebigs Für. Ausgewählte Werke. Herausgegeben von Claudia Storz u. a., Baden-Verlag, Baden-Dättwil 2003.