Heute Samstag findet in Hunzenschwil der zweite Abschiedsgottesdienst statt: Für Simona F., die 22-jährige Freundin des älteren Sohnes der Familie Schauer. Pfarrer Tom Matter sagt: „Wir wollen unserem Aufgewühltsein Raum geben.“ Dazu gehörten die dunklen und traurigen Gedanken – aber auch ein Teil, in dem „das Leben von Simona aufleuchten soll“. Eine Band wird zudem einen musikalischen Lebenslauf spielen. Matter: „Wir werden probieren, den Menschen einen Lichtblick für die Zukunft zu geben.“

In dieser Halle in Hunzenschwil begeht die evangelisch-methodistische Gemeinde ihre Gottesdienste.

In dieser Halle in Hunzenschwil begeht die evangelisch-methodistische Gemeinde ihre Gottesdienste.

Die Familie wünscht sich in der Todesanzeige in der «Aargauer Zeitung», dass die Anwesenden auf Trauerkleidung verzichten. Stattdessen solle man Turnschuhe anziehen. «Wer Simona kannte, weiss, wie sehr sie Sneakers mochte. Sie würde sich sicher freuen, wenn diejenigen, die mögen, solche Schuhe tragen», schreibt die Familie.

Sneakers statt Trauerkleidung für Mordopfer in Rupperswil

Sneakers statt Trauerkleidung für Mordopfer in Rupperswil

Was ist die Evangelisch-methodistische Kirche?

Der Grundstein für die Evangelisch-methodistische Kirche (EMK)  wurde 1792 von Theologie-Studenten im englischen Oxford gelegt. Charles Wesley gründete mit ein paar jungen Männern einen Kreis, in dem sie gemeinsam Andacht hielten, beteten und sich um arme und kranke Menschen und Sträflinge kümmerten. Als Charles älterer Bruder John hinzukam, übernahm er die Leitung des Kreises.

Das Ziel der Studenten: Gottes Liebe praktisch ins Leben hinein umzusetzen. Weil sie ihren Glauben mit grossem Ernst und nach einer bestmimten Methode lebten  – etwa mit täglicher Bibellektüre, Gebet, Fasten und Wohltätigkeit – wurden sie von ihren Mitstudenten als „Methodisten“ verspottet. Auf die Frage, worum es in der methodistischen Bewegung gehe, antwortete John Wesley: «Glaube, der durch die Liebe tätig ist.»

Heute zeigt sich das auch auf zeitgemäss Art: Die EMK führt Altersheime, Spitäler, ein sozial-therapeutisches Wohnheim, Häuser für Ferienlager und hotels. Sie unterstütze Projekte  in Schwellen- und Entwicklungsländern. Einzelne Gemeindeglieder engagieren sich zudem in ihrem Umfeld, etwa mit Mittagstischen, Kindertagesstätten, Besuchen bei Alten und Einsamen oder in der Begleitung Randständiger.

Die EMK ist keine lokale, keine kantonale und auch keine nationale Kirche: Sie versteht sich als «weltweiter Verbund von zusammen gehörenden und aufeinander angewiesenen Gemeinden». Diese «Connexio» helfe den Gemeinden, sich weder als die ganze Kirche zu verstehen noch mit dem Anspruch aufzutreten, allein selig machend zu sein. In der Schweiz gibt es die EMK seit rund 150 Jahren. Sie umfasst heute rund 120 Gemeinden mit rund 12'500 Mitgliedern und Freunden. Die  evangelische-methodistische Kirchgemeinde in Hunzenschwil ist eine von derzeit 12 Gemeinden im Kanton Aargau.

«Es war sehr emotional»: So hat Pfarrer Christian Bühler die Trauerfeier für die Opfer von Rupperswil erlebt.

«Es war sehr emotional»: So hat Pfarrer Christian Bühler die Trauerfeier für die Opfer von Rupperswil erlebt.