Aus früheren Zeiten
Heute vor 27 Jahren: Wie aus einer Kollekten-Sammlung eine Hilfsorganisation wurde

Über die Festtage berichten wir über Ereignisse – kuriose, schöne, tragische oder lustige – die vor Jahren in der Aargauer Zeitung, resp. im Aargauer Tagblatt Platz fanden. Heute: Der 29. Dezember 1990 – Eine Kollekte löste eine Lawine der Hilfbereitschaft aus.

Dominic Kobelt
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Hier wurde dank Schweizer Hilfe ein Ausbau des bestehenden Altersheims möglich.

Hier wurde dank Schweizer Hilfe ein Ausbau des bestehenden Altersheims möglich.

zvg/Archiv

Vor 27 Jahren berichtete das Aargauer Tagblatt, wie die Gruppe «Rumänien-Hilfe unteres Seetal» entstand und welchen Zweck die Mitglieder verfolgten: «Es geht ja nicht nur darum, Gegenstände, die hier nicht mehr gebraucht werden, in ein armes Land abzuschieben, sondern um einen persönlichen Einsatz. Dieser wird zwar nicht materiell vergütet, bringt aber dank der Form der Partnerschaft eine grosse innere Genugtuung und Befriedigung.»

Angefangen hatte alles damit, dass in der Kirchgemeinde Möriken-Wildegg-Holderbank ein neuer Pfarrer namens Stefan Matthias seine Arbeit aufnahm. Nach seinem ersten Gottesdienst bat er die Leute, die Kollekte an seine ursprüngliche Heimat Rumänien zu spenden.

Dem ersten Hilfskonvoi von fünf Lastwagen, gefüllt mit warmen Kleidern, Lebensmitteln, Medikamenten und Spitalausrüstung folgten weitere. Denn «als die ersten Rumänienfahrer von ihrer zum Teil abenteuerlichen Reise zurückkamen, brachten sie nicht nur erschütternde Bilder und Berichte mit, sondern auch die tiefe Überzeugung, dass man diesen Leuten helfen muss.»

Die Spenden landeten in Nadlac, ein Dorf an der Ungarischen Grenze. Die Fahrer des Konvois übernachteten dort im Pfarrhaus, wo sie erfuhren, dass zwar fast alle Hilfsgütertransporte in Nadlac vorbeifahren, bisher aber keiner angehalten hatte.

Durch einen Dia-Vortrag wurde die Frauengruppe Seon auf die Rumänienhilfe aufmerksam und beschloss, diese zu unterstützen. Und an der Fahrt in die Rumänische Gemeinde nahmen schliesslich auch Baufachleute teil, die vor Ort einen «Frondienst zur Erhaltung bestehender Bausubstanz» leisteten. Mit weiteren Transporten wurden Kühlschränke und Badewannen, alte Radiatoren («bei uns wären sie auf dem Schrott gelandet») und besonders erwähnenswert: 3000 Tafeln Schokolade nach Nadlac geliefert.

Um die Kirchgemeinde Möriken-Wildegg-Holderbank und speziell auch Pfarrer Matthias etwas zu entlasten, bildete sich eine Gruppe namens «Rumänien-Hilfe unteres Seetal». Der Verein ist auch heute noch aktiv, jedes Jahr werden in der Weihnachtszeit Päckli nach Nadlac verschickt, um dort Freude zu verbreiten. Was für eine Erfolgsgeschichte.

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