Eine schlichte weisse Türe im Untergeschoss eines Industriegebäudes ausserhalb der Stadt, an der Aarauerstrasse 72, führt in eine Welt voller Farben, Garne und alten Gerätschaften. Hier werden gelbe und grüne Schnüre von einem Ende des Raumes zum anderen gespannt und zu Kordeln gedreht. Unzählige Rollen Zellwolle, Kunstseide, Kordonnet, Baumwolle, Leinen und Seide stapeln sich in Gestellen an den Wänden. Webstühle und Drehräder verrichten, wie schon in den Vierzigerjahren, ratternd und knatternd ihre Arbeit.

Evelyn Gloor und Imma Pichierri haben die Firma Herma Partner aus Adliswil Ende letzten Jahres übernommen. Nun sind die beiden Frauen mit der Firma von Adliswil in ihre Heimatregion gezogen. Evelyn Gloor wohnt in Seon, Imma Pichierri in Oftringen.

Von Lenzburg aus beliefern sie Hotels und Innendekorateure in der ganzen Schweiz. Dazu gehört das Napoleonmuseum in Arenenberg. Und auch im Luxushotel Les Trois Rois in Basel hängen Vorhangquasten der Posamenterie Herma Partner.

Posamenten waren schon im 19. Jahrhundert im Trend. Das Wort Posament bezeichnet alle Arten von Textil-Verzierungen. Dazu gehören Borten, Kordeln, Quasten, Spitzen und Zierknöpfe. Brauchte man Posamenten früher auch um Kleider zu verzieren, sind heute vor allem Vorhangquasten, Möbelbordüren und -fransen sowie Verzierungen für Uniformen gesucht.

Sie haben ihren Preis

Ganz günstig sind Posamenten aber nicht: Die Preise kennen keine Obergrenze. Schliesslich kann man riesige Quasten aus reiner Seide, mit Handstickereien und feinen Netzchen herstellen. Der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt.

Eine Vorhangquaste von Herma Partner erhält man in einem Innendekorationsgeschäft ab 300 Franken. Renommierte Geschäfte bestellen gerne auch sehr üppige und aufwendige Quasten, je nach Wunsch der Kunden. «Die Geschäfte, die unsere Waren weiter verkaufen, legen ihre Verkaufspreise selber fest», sagt Gloor.

Bei einem Kunden aus der Region, dem bekannten Lenzburger Innedekorationsgeschäft Urs Meier, sagt Geschäftsleiterin Barbara Gurini: «Herma Partner stellt hochwertige Produkte her. Traditionelle Posamenten sind bei unseren Kunden immer noch gefragt.»

Hergestellt werden die Posamenten von den beiden Geschäftsleiterinnen und einem Mitarbeiter in Handarbeit. Jedes Posament ist ein Einzelstück. Die Geräte, die Gloor und Pichierri zum Weben verwenden, stammen fast alle aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, als die Textilindustrie in der Schweiz noch blühte. Die Frauen durften die Maschinen von ihrem Vorgänger übernehmen. «Dieser hatte sie ebenfalls von seinem Vorhänger», sagt Gloor und lacht.

Das Alter sei aber kein Problem: «Man muss die Mechanik regelmässig ölen, aber die Maschinen laufen noch einwandfrei.» Zur Demonstration drückt sie einen Hebel. Ein lautes «Zack, zack, zack», und schon sind ein paar Zentimeter grüne Bordüre gewebt.

Im Moment arbeiten Gloor und Pichierri an einer Kordel für ein Möbelhaus in Bern und gleichzeitig an 90 Metern dunkelgrüner Stängelfranse für eine Kulisse des Zürcher Opernhauses.

«Unsere Spezialität sind Sonderanfertigungen», erklärt Gloor, «egal, ob der Auftrag gross ist oder klein. Wir möchten keine Massenware produzieren.» Die beiden Frauen haben sich mit Leidenschaft dem alten Handwerk verschrieben: Imma Picchierri blickt auf eine über drei Jahrzehnte lange Erfahrung zurück.

Die ehemalige Lehrerin Evelyn Gloor hat sich zum Textile Business Manager an der Schweizerischen Textilfachschule in Zürich weiterbilden lassen.