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Herbert Leupin: Der erfolgreiche Schweizer Plakatkünstler kam aus dem Aargau

In Beinwil am See geboren, wurde Herbert Leupin der erfolgreichste Schweizer Plakatkünstler seiner Zeit. Aus seiner Feder stammen etwa die bekannten Plakate von Milka, Pepita und Zirkus Knie.

Isabelle Schwab
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Herbert Leupins Werke
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Weitere Beispiele: die Milka-Kuh...
... und der Pepita-Papagei.
Auch für Bell war Leupin tätig.

Herbert Leupins Werke

zVg/Collection Herbert Leupin

Würde jemand Herbert Leupin einen Altar bauen, so bestünde er aus Hunderten und Aberhunderten Replikaten seiner berühmtesten Schöpfung: dem Knie-Clown. T-Shirts, Taschen, Regenschirme, Ballons, nichts ist zu alltäglich, um mit dem Männlein mit Zuckerhut und angewinkeltem Knie bedruckt, bestickt oder bemalt zu werden.

Der Altar steht tatsächlich – in der Ausstellung «Happy Birthday, Dear Leupin!» an der Schule für Gestaltung in Basel. Hier, in Basel machte der Künstler seine Ausbildung zum Grafiker. Gebaut wurde der Altar für den 100. Geburtstag Leupins zum einen als Tribut, zum anderen als Kritik an der Reproduktion. Stehen darf er noch bis Ende April. Dann ist die Ausstellung zu Leupins Ehren vorbei.

Seine Figur – manche sagen auch, er sei sein Alter Ego – der Clown, hat ihn überlebt. Doch das ist nicht das Einzige, was nach Herbert Leupins Tod von ihm geblieben ist. Denn auch wenn er im Spätsommer 1999 an schlechter Gesundheit gestorben ist – er wollte ja nicht auf seine Ärzte hören –, bleibt er einer der wichtigsten Schweizer Grafiker und Plakatkünstler, die im 20. Jahrhundert gewirkt haben. Er selbst fasste, darauf angesprochen, sein eigenes Leben tatsächlich als Erfolgsgeschichte zusammen.

«Happy Birthday, Dear Leupin!». Die Ausstellung zum 100-jährigen Geburtstag von Herbert Leupin an der Schule für Gestaltung in Basel setzt sich mit Leupins Werk als Plakatgestalter auseinander. Sie dauert noch bis Ende April.

«Happy Birthday, Dear Leupin!». Die Ausstellung zum 100-jährigen Geburtstag von Herbert Leupin an der Schule für Gestaltung in Basel setzt sich mit Leupins Werk als Plakatgestalter auseinander. Sie dauert noch bis Ende April.

zvg

Kaum Spuren in der Region

Spuren hat Leupin im Laufe seines Lebens scheinbar wenige hinterlassen. Denn auch wenn er 1916 in Beinwil am See geboren wurde, erinnert sich hier niemand mehr an den zeitlebens bis nach Japan bekannten Grafiker. Das Plakat, das er 1949 für die Zigarrenfabrik A. Eichenberger-Baur gestaltete, ist nirgendwo aufbewahrt. Und auch die Märchenbücher Leupins – er hat neun Grimm-Erzählungen illustriert – sind in den Bibliotheken des Dorfes nicht vertreten. Am Haus in der Basler Altstadt schliesslich, wo Leupin einen grossen Teil seiner Schaffensphase verbracht hat, erinnert eine Tafel nicht an ihn, sondern an eine gewisse Katja Wulff, Tänzerin und Tanzpädagogin.

14 international und 90 in der Schweiz ausgezeichnete Plakate, 32 Einzelausstellungen, unter anderem auch in Chicago und Tokio, und die Ehrung durch die Ernst-Litfass-Medaille. Davon bleibt: nichts. Oder etwa doch? Das Vermächtnis Herbert Leupins steht nicht in einem Bücherregal oder auf einem Sockel. Es steht in den Kühlregalen oder im Schaufenster der Schweizer Läden. Denn vielleicht war Leupin nicht der beste Maler oder Grafiker, aber eines war er sicher: der beste Werber.

Milka-Kuh und Pepita-Papagei

Leupin bezeichnete seine Plakate auch als gemalte Slogans, feilte und entwarf so lange, bis es ihm gelang, seine Botschaft so einfach und doch gewitzt wie möglich an den Betrachter zu vermitteln. Bis heute bekannt sind vor allem seine für Marken geschaffene Sympathieträger: so etwa die Milka-Kuh oder der Pepita-Papagei.

Doch auch Bell und Bata, nur zwei von unzähligen Firmen, verdanken dem Künstler einen Grossteil ihrer Bekanntheit. Die Kunstmesse Basel schliesslich wurde nur durch Leupin zur heutigen Art Basel – «Kunstmesse» klang ihm zu ungeschickt, das Wort «Art» wurde international verstanden. Auf dem Höhepunkt von Leupins Karriere, in den 50er-Jahren, galt das Plakat als das Massenmedium schlechthin. Heute unvorstellbar, wurden Plakate gar im Feuilleton rezensiert und kritisiert. Und: Plakate wurden zum Schweizer Exportprodukt.

Das Departement des Inneren zeichnete ab 1941 jährlich die besten Plakate mit einer Urkunde aus. Immer dabei: Leupins Werke. Pro Helvetia organisierte eine regelrechte Plakatwelttournee mit den besten Plakaten der Schweiz. 23 von 126 stammten dabei von Leupin. Der gute Ruf der Schweizer Grafiker begründete sich in dieser Zeit.

Bell-Logo und Knie-Clown

Einige dieser Plakate sind heute nicht mehr zeitgemäss, ohne Frage. Doch gerade Plakate wie das durch die Gabel aufgestochene Bell-Logo oder das Schweizerkreuz auf der Bahnschranke zur Muba 1950 lassen einen Humor erahnen, der sich fast als schweizerisch bezeichnen liesse. Handkehrum waren Leupins Plakate auch in Chicago und Tokio beliebt. Herbert Leupin schaffte mit seinen auf das Wesentliche reduzierten Plakaten eine globale Bildsprache.

Die Globalisierung war es schliesslich, die dem Plakat, und damit auch der Kunst Leupins, den Garaus machte. Heute kämpfen Produkte nicht mehr auf den Strassen der Welt um Aufmerksamkeit, sondern im Internet und schliesslich im Warenregal. Dort lebt zumindest die Milka-Kuh fröhlich weiter. Ihr geweisstes Gesicht und breites Lächeln schliesst den Kreis zum geschminkten Clowngesicht.