In der jüngsten Ausgabe der Dorfpost Hendschiken erschien ein Beitrag über das über 100-jährige Restaurant Jägerstübli. Mehr zur Geschichte des Restaurants ist auch unter www.5604.ch zu finden – eine Webseite, in der User per Mausklick in die Dorfgeschichte(n) eintauchen.

Eine Dorfchronik im Netz, statt in traditioneller Buchform? «In einem Buch hört die Dorfgeschichte mit der letzten Seite auf», sagt Sabina Vögtli-Fischer, Gemeinderätin und Mitinitiantin des Projekts. «Auf der Webseite hingegen geht sie weiter. Es können immer neue Beiträge aufgeschaltet werden, die Dorfgeschichte endet nie.»

Die Idee dazu entstand aus Anlass der 850-Jahr-Feier 2010: Man wollte die Vergangenheit Hendschikens unbedingt festhalten. Bewusst verzichtete man auf ein Buch, und auch eine CD würde schnell veralten, fand das Projektteam um Josef Brogli, Sabina Vögtli und Dani Rieser. Sie kreierten die Webseite 5604.ch.

Mitglied verstorben

Regelmässig trafen sich die drei lokalhistorisch interessierten Bewohner, um sich auszutauschen, neue Geschichten, Formen zu finden, in denen sie die schattigen und sonnigen Seiten der Gemeinde beleuchten konnten. Bis Daniel Rieser im letzten Jahr starb, danach geriet die Arbeit ins Stocken, denn der Verstorbene war technisch versiert und unterhielt die Internetseite. Seit dem Verlust fehlt Sabina Vögtli und Josef Brogli die Motivation – sie hoffen ein neues Mitglied zu finden, das sie in ihrer spannenden Arbeit unterstützt. Mittelalterliche Dokumente, Erbschaftsinventare, vergilbte Klassenfotos, ein Film von der Ankunft der Tour de Suisse von 1973: Unter 5604.ch scrollt man sich durch die Vergangenheit. Es gibt Bilder längst verschwundener Häuser, etwa den Russenhof, dessen Gebäudename bis heute ein Rätsel geblieben ist.

Persönlichkeiten, die heute noch leben, wurden porträtiert. Sie erzählen, wie es früher in Hendschiken war: der Steinhauer Emil Baumann (1922), der als Kind noch in der Bünz badete. Oder die lebenskluge Olga Meier (1921), die sagte, dass man das Leben so annehmen soll, wie es laufe. Die Webseite ist unterhaltsam, besonders wenn sich Ortskundige die Übernamen ansehen: s’Chrämers Zobrist, s’Fritzehanse Baumann, s’Schangeruedis Hunziker.

Ohne finanzielle Unterstützung

Der Gemeinderat kam für die Einrichtung der Webseite auf, doch die Autoren arbeiten unentgeltlich. Der Aufwand sei gross, sagen Sabina Vögtli und Josef Brogli. «Wir arbeiten jedoch an einem Werk, von dem die Nachwelt profitiert.»

Die Internetsprache ist anders als die Buchsprache, findet Josef Brogli: «Kurz, schnörkellos.» Viele der Benutzer wollten nicht stundenlang auf der Seite verweilen. Es sei schon vorgekommen, dass er einen vierseitigen Text auf einen kurzen Begrüssungstext zusammengekürzt habe.

Wer die ausführlichen Versionen dennoch lesen möchte, kann diese ausdrucken. Oder in der Dorfpost lesen. Regelmässig werden dort Beiträge von 5604.ch veröffentlich. Dies schätzt die ältere Generation – denn in ihrer Vergangenheit gabs das Wort Internet noch nicht.